Andacht 25.1.2017

Die Güte des Herrn ist, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.

Klagelieder 3,22.23

Diesen Lobgesang hat Jeremias angestimmt, da er auf den zerstörten Mauern Jerusalems saß und das Volk des Herrn in das Gefängnis nach Babel geführt war. Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken können, auch dann, wenn er seine schwere Hand auf uns legt. Wer das kann, ist geschickt zum Himmelreich. Wir können es alle sehr schlecht, aber der Herr will uns darin üben.

Ach, wie gut, daß wir ein Lied von der Barmherzigkeit singen dürfen, die kein Ende nimmt, und von der großen Treue unseres Gottes! Wenn man es lernt, was im dritten Kapitel Vers 39 der Klagelieder der Prophet Jeremias uns zu lernen aufgibt: „Ein jeglicher murre wider seine Sünde,“ wenn in allem Schweren und Demütigenden, das Gott zuläßt, ein jedes nicht nur fremde Sünde, sondern vor allem die eigene Sünde, den Mangel an Treue im Wachen und Beten, den Mangel auch in der Fürbitte für andere erkennt – das ist Segen, auch in Demütigungen.

Gottes Treue ist groß, groß in der Wachsamkeit über uns, daß wir nur nicht auf ewig verloren gehen möchten. Groß ist seine Treue im Demütigen, damit das Schrecklichste nur nicht über uns komme, die geistliche Hoffahrt, die sicher zur Verdammnis führt. Groß ist seine Treue aber auch im Mäßigen der uns auferlegten Züchtigungen und Versuchungen. Er macht, daß alle Versuchung und Anfechtung solch ein Ende gewinne, daß wir nicht darunter zu erliegen brauchen. Groß ist die Treue Gottes in allen Führungen unseres Lebens, in Gesundheit und Krankheit, in Lieben und Leiden, bei Tag und bei Nacht. Er ist besonders treu in seinem Wort. Darauf kann man sich verlassen, ganz unbedingt. „Sein Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß.“

Der großen Treue Gottes gegenüber steht unsere große Untreue im Großen und Kleinen, im Wachen und Beten, im Kämpfen und Streiten. Ach ja, wir sind untreu in dem, was wir tun, noch untreuer in dem, was wir nicht tun und doch tun sollten. Wo sollten wir hin mit unserer Rechnung? – Zur Barmherzigkeit Gottes. Sie hat noch kein Ende, und seine Treue ist groß. Nur wer sich an diese Treue auch im Vergeben der Sünden hält, der wird treu sein. Paulus sagt, er habe Barmherzigkeit erlangt, treu zu sein, und dann wieder: „Nachdem uns Barmherzigkeit widerfahren ist, so werden wir nicht müde“. Gottes unermüdliche Barmherzigkeit macht treu; wenn man von ihr täglich lebt, so gibts Kraft zu allem, was Schweres zu tragen ist.

Bodelschwingh