Andacht 2.2.2017

Mat 5, 28.

„Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren,der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“

Die Absicht Christi ist, jede fleischliche Begierde zu verdammen. Nach seinem Wort sind vor Gott Ehebrecher nicht nur solche, die die Frau des Nächsten mit der Tat schänden, sondern alle, welche ihre Augen durch schamlose Blicke beflecken. Nur machen selbstverständlich nicht die Augen allein den Menschen des Ehebruchs schuldig, sondern ebenso der verborgene Brand des Herzens. Darum heißt uns auch Paulus keusch sein am Leib und am Geist (1Kor 7, 34). Christus wandte sich gegen die damals übliche falsche Auslegung des Gebots, welche meinte, man müsse sich bloß vor der äußeren, ehebrecherischen Handlung hüten.

Weil jedoch die Augen gleichsam die Tür des Herzens sind, durch welche die Begierde eintritt, bediente sich Christus bei seiner Verurteilung der bösen Lust dieser Redeweise. Als Ehebrecher gilt vor Gott, wer der Anreizung zum Ehebruch Raum gewährt, ebensogut wie der andere, der mit Bewusstsein auf Hurerei sinnt. Daraus erkennen wir, wie groß die Heuchelei einer Kirche ist, wenn sie leugnet, dass Lust und Begierde ohne die Zustimmung des Willens Sünde seien. Aber freilich, es ist kein Wunder, dass der Begriff „Sünde“ so eingeschränkt wird. Denn wer die Gerechtigkeit auf das Verdienst der Werke gründen will, muss es in der Beurteilung der Sünde selbstverständlich leicht und oberflächlich nehmen.

Calvin