Andacht 3.2.2017

Luk 6,24.

„Aber dagegen weh euch Reichen!“

Den vier Seligpreisungen, die Lukas berichtet, stellt er vier entsprechende Wehe gegenüber. Diese Gegenüberstellung soll den Gottlosen Schrecken einflößen und die Gläubigen aufmuntern, sich nicht durch die eitlen und gefährlichen Lockungen der Welt einschläfern zu lassen. Wir wissen doch, wie leicht man sich in guten Tagen in Sicherheit wiegen oder durch die Schmeicheleien der Menschen fangen lässt. Daher kommt es auch, dass Gottes Kinder oft die Gottlosen beneiden, wenn sie deren Glück sehen. Übrigens gilt Christi Wehe nicht allen Reichen ohne Unterschied, sondern nur denen, die ihren Trost in der Welt suchen und auf ihr Vermögen trauend das künftige Leben vergessen. Statt dass der Reichtum also den Menschen glücklich macht, ist er ihm häufig Ursache des Verderbens. Sonst hält Gott die Reichen durchaus nicht von seinem Königreich fern; sie sollen sich nur nicht selbst in ihren Stricken fangen und sich die Tür zum Himmel verschließen, indem sie auf Irdisches ihre Hoffnung bauen. Um zu zeigen, dass Reichtum an sich für Gottes Kinder kein Hindernis ist, erinnert Augustinus sehr schön daran, dass der arme Lazarus in den Schoß des reichen Abraham aufgenommen wurde. Ebenso wie den Reichen gilt Christi Wehe (V.25) auch denen, die satt und voll sind, d.h. die im Vertrauen auf sichtbare Güter die himmlischen Güter verachten. Ebenso ist das Wehe über die Lachenden zu verstehen: Jesus meint solche, die versunken sind in den Vergnügungen des Fleisches und jede Mühe scheuen, die sie etwa zur Ehre Gottes auf sich nehmen müssten. Das letzte Wehe (V.26) richtet sich gegen der Ehrgeiz. Nichts ist üblicher, als nach dem Beifall der Menschen zu haschen oder sich von ihm ködern zu lassen; um seine Jünger davon abzuschrecken, zeigt Christus, dass die Gunst der Menschen nur Unheil bringt. Diese Mahnung geht besonders die Lehrer an, die sich vor allem anderen vor dem Ehrgeiz fürchten müssen, weil die reine Lehre Gottes ganz gewiss verunstaltet wird, wenn sie nach der Gunst der Leute fragen. Das Wort „jedermann“ bezieht sich auf die Kinder der Welt, die nur Betrügern und falschen Propheten Beifall zollen. Bei rechtgesinnten Menschen mögen treue und rechtschaffene Prediger der gesunden Lehre immer ihr Lob und ihre Anerkennung finden. Nur das verkehrte Haschen nach Menschengunst wird hier verurteilt: denn, wie auch Paulus (Gal 1, 10) lehrt, niemand wird Christi Diener sein können, solange er Menschen zu gefallen sucht.

Calvin