Andacht 07.2.2017

Jes 39,8.

„Und Hiskia sprach zu Jesaja: Das Wort des Herrn ist gut, das du sagst. Und sprach: Es soll ja Friede und Beständigkeit sein, so lange ich lebe.“

Hiskia ist kein unbeugsamer und kein maßlos stolzer Mensch gewesen. Denn die Drohung des Propheten nimmt er in Demut auf. Als er von dem Zorn Gottes hört, da erkennt er seine Schuld und gibt zu, dass er mit Recht gestraft werde. Denn mit den Worten: das Wort des Herrn ist gut – spendet Hiskia nicht nur der Gerechtigkeit des Herrn Lob, sondern nimmt auch geduldig aus seiner Hand hin, was ihm hart und bitter sein musste.

Beachtenswert ist, dass der König nicht einfach sagt: Das Wort des Herrn ist gut – sondern hinzufügt: das du sagest. Es fällt dem Hiskia nicht schwer, ein von einem sterblichen Menschen ihm vorgehaltenes Wort in Ehrfurcht aufzunehmen, weil er dabei auf den schaut, der es eigentlich veranlasst hat. Gewiss konnte dem Könige der Freimut des Jesaja unangenehm und lästig sein; aber er erkennt in ihm Gottes Diener und lässt sich darum zur Ordnung weisen. Umso weniger erträglich ist die Empfindlichkeit der Leute, die, wenn man sie mahnt und tadelt, unwillig werden und dann voller Geringschätzung den Lehrern und Dienern die Frage entgegenschleudern: Seid ihr denn nicht auch Menschen? Als wenn man dem Herrn nur dann gehorchen müsste, wenn er Engel vom Himmel herabschickte oder selber herniederstiege! Freilich sind die wahren Propheten von den falschen zu unterscheiden, die Stimme des Hirten von der Stimme des Mietlings. Aber wir dürfen nicht alle ohne Ausnahme zurückweisen. Wir müssen dieselben anhören, nicht nur wenn sie mahnen und tadeln, sondern auch wenn sie das Urteil sprechen und auf Gottes Geheiß die gerechten Strafen für unsere Sünden ankündigen.

Und sprach: Es soll ja Friede und Beständigkeit sein, so lange ich lebe. Manche Ausleger fassen den Satz als Gebetswunsch: „Es sei nur Friede“ u. s. w. Tatsächlich aber enthält der Satz einen Dank dafür, dass der Herr die verdiente Strafe ermäßigt. – Hiskia will sagen: Gott könnte gleich die Feinde bestimmen, mich aus meinem Königreich zu vertreiben; aber er schont mich und mildert die verdiente Strafe dadurch, dass er sie aufschiebt.

Wohl wurde auch den Gottlosen zuweilen ein Geständnis ihrer Schuld ausgepresst. Doch war dabei ihr Trotz nicht gebrochen; sie murrten dabei gegen ihren Richter. Um also Gottes bittere Drohungen zu versüßen, müssen wir auf seine Barmherzigkeit unsere Hoffnung setzen, sonst schäumt aus unsern Herzen nur herbe Bitterkeit auf. Wer da weiß, dass Gott bei seinen Strafen keineswegs seine väterliche Liebe ablegt, der wird nicht nur bekennen, dass er gerecht ist, der wird auch sanft und still seine zeitweise Härte ertragen. Wenn es uns durch reiche Erfahrung der Gnade Gottes feststeht, dass er unser Vater ist, dann wird es uns auch nicht schwer und bitter, seinem Willen stille zu halten. Denn der Glaube sagt sich, dass uns nichts besser ist, als seine väterliche Züchtigung. So gibt Eli, als er gescholten ward, die demütige Antwort (1Sam 3, 18): „Es ist der Herr; er tue, was ihm wohlgefällt.“ Und zwar ist er nicht nur deshalb still, weil er mit seinem Murren doch nichts ausrichten kann, sondern weil er sich aufrichtig unter Gottes Gericht beugt. Dem äußeren Anschein nach ist so auch das Schweigen des Saul zu deuten, als er vernimmt, dass er seines Königreiches beraubt werden würde (1Sam 13, 14). Was ihn aber innerlich trifft, ist nur die Strafe, nicht das Missfallen an seiner Sünde. Darum ist es nicht zu verwundern, dass es in ihm wild kochte, wenn er auch äußerlich Ruhe zeigte; gern hätte er Widerstand geleistet, aber er konnte es nicht. So bitten und flehen Verbrecher, wenn Ketten und Fußfesseln sie festhalten, vor ihren Richtern. Am liebsten aber möchten sie dieselben von ihrem Richtstuhl herabreißen und mit ihren Füßen zertreten. David aber und Hiskia demütigen sich unter Gottes gewaltige Hand, doch verlieren sie dabei nicht die Hoffnung auf Vergebung. Sie wollen lieber die auferlegten Strafen auf sich nehmen, als der Herrschaft Gottes sich entziehen.

Hiskias Wort ist ein schönes Beispiel von Sanftmut und Gehorsam. Er streitet und hadert nicht mit dem Propheten, sondern ist sanft und demütig. So sollen wir sanftmütigen Geistes auf den Herrn hören nicht nur, wenn er uns aufmuntert und ermahnt, sondern auch wenn er uns erschreckt und verdammt und seine gerechten Strafen ankündigt.

Calvin