Andacht 8.2.2017

Jes 47,1.

„Herunter, du Tochter Babel.“

Die ganze Ausmalung geht darauf hinaus, darzustellen, dass den Chaldäern eine ganz furchtbare Umwälzung bevorsteht. Sie, die einst der höchsten Ehre gewürdigt waren, werden in ihrer tiefen Schmach und Schande vor aller Welt eine einzigartige Darstellung dessen gewähren, was es heißt: Gott zürnt.

Solange das babylonische Reich blühte, behauptete es seine geachtete Stellung. Man kam ihm mit den höchsten Ehrungen entgegen. Macht und Ansehen verbergen ja oft wie mit einer Decke die hässlichsten Geschwüre. Zieht man aber die Decke weg, so werden sie offenbar und ernten die größte Schmach: Auf dass deine Schande gesehen werde. So sagt schon Demosthenes: „Solange jemand kräftig ist, merkt man die körperlichen Gebrechen im Einzelnen nicht. Nimmt aber die Kraft ab, so kommt alles zum Vorschein, ob es nun ein Bruch ist oder eine Verrenkung oder irgendein anderes Gebrechen. Und so ist es auch bei den Staaten und Herrschern.“ Wenn nämlich ihre Machtstellung erschüttert wird, und sie ihres Ansehens und ihrer Hilfsmittel verlustig gehen, treten ihre verborgenen Schäden zutage. Grausamkeit, Hinterlist, Raublust, Treulosigkeit, ungerechte Quälereien und andere Verbrechen, die man schätzte, solange es wohl um die stand, welche sie übten, werden nach dem Umschlag der Verhältnisse als Schande gewertet.

Calvin