Andacht 14.2.2017

„Bedenke dieses sorgfältig“
(1. Tim. 4, 15).

Meditieren heißt, bis zum Mittelpunkt einer Sache vordringen; es bedeutet, sich an etwas festheften und konzentriert darüber nachdenken. Die meisten Menschen lenken ihre Aufmerksamkeit nur auf das Äußere und leiden infolgedessen an einer geistlichen Verdauungsstörung, die das Gegenstück zu einer physischen Verdauungsstörung und ein verzweifelt düsterer Zustand ist, in dem sie nichts richtig zu erkennen vermögen. „Der Glaube ist aber eine Überzeugung von Dingen, die man nicht sieht“ (Hebr. 11, 1). Wenn Jesus plötzlich den Schleier vor unseren Augen lüften und uns sehen lassen würde, daß die Engel uns dienen, daß seine Gegenwart mit uns ist, daß der Heilige Geist in uns ist und der himmlische Vater um uns – wie erstaunt wären wir da! Wir haben in dem äußeren Wirrwarr der Dinge gelebt, anstatt in ihrem Mittelpunkt. Der Glaube dringt bis in den Mittelpunkt, der Gott und Gottes Plan ist. Elisa betete für seinen Knecht: „Herr, öffne doch seine Augen, daß er sehe“ (2. Kön. 6, 17), und als seine Augen geöffnet waren, sah er nur noch das Heer Gottes und nahm nichts anderes mehr wahr.

Wir müssen lernen, unsere Aufmerksamkeit auf die wahre Wirklichkeit zu lenken. Ein einziger Mensch, der seine Aufmerksamkeit auf die wahre Wirklichkeit lenkt, bedeutet eine Befreiung für Hunderte von Menschen. „Denn, wenn du dieses tust, so wirst du sowohl dich selbst erretten, als auch die, welche dich hören“ (1. Tim. 4, 16). Wir sind in allem unverschämt neugierig, nur gerade in diesem einen nicht. Durch Unaufmerksamkeit auf unsere eigenen wahren Fähigkeiten leben wir wie in einem Traum, während doch alles, was in uns und um uns ist, ewige Wirklichkeiten sind: „Beharre in diesen Dingen“, „laß sie dich ausfüllen“, „auf daß deine Fortschritte allen offenbar seien“ (Vers 15).

Wir sind in allem fleißig, nur nicht in dem, was unseren geistlichen Fortschritt betrifft, und am Ende eines unfruchtbaren Tages greifen wir noch schnell nach einer Bibel oder nach einem Andachtsbuch und lesen einige Verse – was uns genau dreiviertel Sekunden lang nützt. Wir müssen uns Zeit nehmen, um fleißig zu sein. Beim Nachdenken sollen wir die Gedanken nicht über uns hinwegströmen lassen wie ein Kiesel die Wasser in einem Bach; das ist Träumerei, nicht Nachdenken. Nachdenken ist ein sehr intensiver geistlicher Akt, der jeden einzelnen Teil unseres Leibes und unseres Sinnes mit einspannt. Durch Anstrengung geistlich sein zu wollen ist ein sicheres Zeichen dafür, daß wir nicht richtig mit Gott verbunden sind; durch Anstrengung gehorsam sein zu wollen ist ein sicheres Zeichen dafür, daß wir entschlossen sind, Gott um jeden Preis zu gehorchen. Nimm dir Zeit dafür! Bedenke, daß wir so viel Zeit haben als überhaupt da ist! Die meisten Menschen vergeuden Zeit und wollen noch von der Ewigkeit Besitz ergreifen.

„Habe acht auf dich selbst“ (1. Tim. 4, 16). Wenn wir bis jetzt in der Unwirklichkeit gelebt haben, dann brauchen wir sehr viel Geduld, wenn wir uns nun bemühen wollen, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen, und wir gebärden uns dabei oft wie wilde Tiere, die man in einen Käfig gesperrt hat. Wir müssen uns fest in die Hand nehmen, wenn wir zum wahren Mittelpunkt aller Dinge gelangen wollen, und das bedeutet Disziplin und immer wieder Disziplin, bis wir schließlich nichts mehr vor uns sehen als nur Wirklichkeiten. Wir müssen eine ungeheure Anstrengung machen, und Gott sieht es gerne, wenn wir das tun.

Wenn du vorher in der Unwirklichkeit gelebt hast, brauchst du nur den Versuch zu machen, vor Gott zu treten und zu beten; dann wirst du sofort deutlich sehen, wie es um dich steht. Denn sobald du vor Gott niederkniest um zu beten, wird es dir einfallen, daß du einen Brief schreiben solltest, oder du wirst an irgendetwas anderes denken, das getan werden muß; tausend kleine Belanglosigkeiten werden sich dir aufdrängen und deine Aufmerksamkeit beanspruchen.

Wenn wir unsere eigene Betriebsamkeit einstellen und uns am Fuße des Kreuzes niederwerfen, um dort nachzudenken, dann gibt Gott uns seine Gedanken durch den Heiligen Geist und legt sie uns aus. Der Kindersinn ist der einzige Sinn, der die Dinge Gottes verstehen kann (vgl. Matth. 11, 25). Der Herr erwähnte diese Einfalt immer wieder (vgl. Matth. 18,3). Es ist die Einfalt aus Gott, nicht die Einfalt eines Schwachkopfes, es ist die Einfalt, die aus der Gottverbundenheit kommt. Gott hat nicht die entfernteste Möglichkeit, zu einem von uns zu kommen, solange unser Sinn vollgepfropft ist mit unseren eigenen Gedanken und Begriffen. Er muß plötzlich dazwischenfahren wie der Wind, und all unsere eigenen Gedanken wegblasen, so daß die Gedanken aus dem Wort Gottes in uns eindringen können. Wir können diese Gedanken nie von uns aus haben. Sie sind das freie Geschenk Gottes an jeden Menschen, der lernt, ihm seine Aufmerksamkeit zu schenken.

Chambers