Gebet 19.2.2017

Jesu, mein Erlöser, wer kann Dich würdig preisen, Du unaussprechliche Macht und Weisheit des Vaters? O wie gern möchte ich ganz in Deinem Lobe aufgehen! Aber, weil ich Solches nicht kann, soll ich darum schweigen? Wehe denen, die von Dir schweigen, der Du den Mund der Stummen öffnest und Kinderzungen beredt machst! Wehe denen, die von Dir schweigen; denn bei all ihrem Geschwätz sind sie stumm, wenn sie Dein Lob nicht verkündigen! Unendlich bist Du, o Herr, und unendliche Liebe sind wir Dir schuldig, die Du durch Dein theures Blut erkauft hast. Denn wenn ein Mensch den andern also liebt, daß er kaum ohne ihn sein kann, wenn die Braut dem Bräutigam so innig zugethan ist, daß sie „immer Ruhe hat, wenn ihr Freund nicht bei ihr ist; mit welcher Liebe, mit welcher Inbrunst muß Dich die Dir im Glauben vertraute Seele lieben, ihren wahren Gott und Bräutigam, der Du so Vieles und so Großes für uns gethan hast! Und überdieß ist Deine Liebe so süß und so ruhevoll. Auch die Welt hat zwar ihre Lust und Ergötzlichkeiten, aber die Seelen, welche sich ihr hingeben, können nicht still sein; von Argwohn, Unruhe und mannigfachen Befürchtungen werden sie besessen. Bei dir hingegen ist ein ungestörtes Leben. Wer zu Dir kommt, lieber Herr, der geht ein zur Freude seines Herrn, der kann sprechen: Der Herr ist mein Hirt, mir wird Nichts mangeln; er weidet mich auf einer grünen Aue.

Anselm von Canterbury