Gebet 5.3.2017

Allmächtiger, ewiger, barmherziger Gott und Vater, ich armer elender Sünder, der ich Staub und Erde bin, komme zu deiner hohen, großen und ewigen Majestät mit demüthigem Herzen, auf deinen Befehl und deine Verheißung, daß du willst, wir sollen dich in aller Noth anrufen, so wollest du uns gnädiglich erhören. Und dein geliebter Sohn, mein Herr und Heiland Jesus Christus, hat ganz tröstlich mir und allen Christen, die dich anrufen, zugesagt, daß alles, was wir dich in seinem Namen bitten werden, wir von dir empfangen sollen. So komme ich nun, allmächtiger Herr Gott, und schreie zu dir und bitte erstlich, daß du meine Lippen durch deinen heiligen Geist wollest selbst aufthun, daß ich von Herzen und mit rechtem Ernst dich anrufen, dir mein Anliegen erzählen und dir auch Dank sagen könne. Denn ich erkenne und bekenne, daß leider meine Natur, mein Fleisch und Blut zu träg und sicher und auch zu blöde ist, daß mich das Beten, zumal wenn es von Herzen geschehen soll, gar sauer und schwer ankommt. Ach, Herre Gott, stehe mir bei, thue meine Lippen auf, so soll mein Mund dein Lob verkündigen. Gieb, daß ich nicht allein mit meiner Zunge und mit meinem Munde, sondern aus Grund meines Herzens zu dir schreie. Gib, daß ich im Beten nicht nachlässig und träg werde, sondern daß ich oft und von Herzen bete und dich nimmermehr aus meinem Herzen kommen lasse. Du hast ja gesagt: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll selig werden. Ach Gott, laß mich dieser Zusage auch theilhaftig sein und gib mir den Geist der Gnaden und des Gebets. Wohlan, lieber Herre Gott, ich tröste mich deiner Verheißung und will darauf desto herzliciher mit deiner Majestät reden und dir mein Anliegen erzählen. Ich bekenne aber, daß ich ja nicht würdig bin, meine Augen zu dir gen Himmel aufzuheben, wegen meiner sündlichen Natur und meines sündhaften Lebens. Denn ich fühle und erfahre, daß in meinem Fleische nichts Gutes ist, das mit deinem Willen übereinstimmt, meine Natur ist von dir abgewendet, mein Leben kommt mit deinem Worte nicht überein, mein Herz ist voll böser Lüste, Neigungen und unordentlicher Flammen, und es ist bald geschehen, daß ich in Sicherheit und in Laster falle und deines Worts oft unwissend, oft auch mit Willen vergesse. So sind auch sonst meiner Feinde unzählig viel und groß durch mein ganzes Leben, daß, wenn ich daran gedenke, mir billig das Herz erkalten sollte, weil ich dich, o Herr Gott, hintan gesetzt, erzürnet und wider deinen Willen gehandelt und auch meine Seele und meinen Leib beschwert und vergiftet und damit dem Teufel zu Wohlgefallen gelebt habe. Nun weiß ich, o Herre Gott, weder andern Rath noch Hilfe, als daß ich allein zu deiner Gnade und Barmherzigkeit fliehe, und sage mit dem lieben David: Erbarme dich mein, o Herre Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit. Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht, denn vor dir kann kein Lebendiger bestehen. So du, Herr, Sünde willst zurechnen, wer will vor deinem Angesichte nicht zu Schanden werden? Du hast ja, Herr, selbst gesagt, so wahr du lebest, du wollest nicht den Tod des sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. So sagst du auch durch den Propheten Jeremias also: Ich bin barmherzig, und will nicht ewiglich zürnen; allein erkenne deine Missethat, daß du wider den Herrn, deinen Gott, gesündiget hast. Wohlan, Herr Gott, ich erkenne und bekenne meine Missethat und ist mir herzlich leid, daß ich dich jemals erzürnet habe. Doch bitte ich deine grundlose Barmherzigkeit, du wollest dich um deines Sohnes, meines Herrn Jesu Christi willen, meiner gnädiglich erbarmen und mir meine Sünden aus Gnaden verzeihen. Besprenge mich, Herr, mit Ysopen, nämlich mit dem Blute deines Sohns, welches er für mich am Stamme des Kreuzes vergossen hat, so werde ich rein und schneeweiß werden und werde angezogen sein mit dem Rock der Gerechtigkeit deines geliebten Sohnes, daß mir meine Sünden nicht schaden, mich nicht verdammen, noch ferner regieren oder verführen sollen. Auf solches mein Bekenntniß will ich nun, o barmherziger Gott und Vater, mehr mit deiner Majestät reden und mein Herz ausschütten. Sei mir nur gnädig, thue meine Lippen auf und erhöre mein Gebet. Weil ich dir, Herr Gott, meine wissentlichen und unwissentlichen Sünden bekannt habe, so danke ich dir von Grund meines Herzens, daß du mir solche meine Sünde um deines Sohnes, meines Herrn Jesu Christi willen so gnädiglich vergeben hast und nimmst mich aus Gnaden an, daß ich dein Kind soll sein von nun an bis in Ewigkeit, hast mich abgewaschen von allen meinen Sünden durch das Blut deines lieben Sohnes und schenkest mir ewige Gerechtigkeit, deinen heiligen Geist, ewiges Leben und Seligkeit. Ach Herr Gott, stärke und mehre solchen Glauben in meinem Herzen. Ich glaube, Herr, doch komm meiner Schwachheit zu Hilfe, regiere mich mit deinem heiligen Geist, daß ich dein Kind sei und bleibe. Ich danke dir auch, o allmächtiger, ewiger Gott, daß du mich und die Meinen mit zeitlichem Segen so gnädiglich versehen hast und noch versiehst. Du bist der Herr, der mir Land und Leute gegeben hat und der mich und die Meinen beschützt. Von mir habe ich nichts, es ist alles deine Gnade, deine Gab und dein Segen. Wer bin ich, Herr Gott, und was ist mein Haus oder Herkommen, daß du mich mit deinem Segen so weit gebracht hast? Ich bin ja ein Mensch, wie ein anderer, der Fleisch und Blut an sich hat und zu seiner Zeit in die Grube muß. Du aber, Herr, hast mich gesegnet aus lauter Gnaden und mich zu solchem Stande gebracht; und es ist mein herzliche Bitte, du wollest mich mit deinem heiligen Geiste regieren und führen, auf daß ich allezeit solche deine Gnade erkenne und dir darum dankbar sei, und wollest mich nicht in Sicherheit oder Stolz fallen lassen; wollest auch mich und die Meinigen mit deinem Schutz und mit deiner Gnade ferner segnen. Hebe an zu segnen das Haus deines Knechtes, o Herr Gott, denn was du, Herr, segnest, das ist gesegnet ewiglich.

Du wollest auch mich also leiten und regieren, daß ich mein Amt nach deinem Wort und Befehl recht erkennen und betrachten könne, auf daß ich darinnen dir und deiner Ehre diene und den Kirchen in diesen Landen, die du mir gegeben hast, und meinen Unterthanen nützlich sein möge.

Regiere du, Herr, mein Herz und neige es zur Liebe gegen meine Leute und arme Unterthanen, daß ich ihnen wohl vorstehe, und ihnen zu Recht, Billigkeit, Ehrbarkeit und aller Wohlfahrt verhelfen, und darauf sehen möge, daß sie nicht zu viel beschwert und ausgesogen werden, und dadurch ihr Herz und williger Gehorsam von mir abgewendet werde, sondern daß sie unter mir ein stilles, friedliches Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit, und sie auch gegen mich ein treues Herz behalten und mit ihren Gebeten zu dir für mich und die Meinen stets anhalten, auf daß dein Segen bei uns bleibe. Regiere deßhalben neben mir auch alle meine Räthe und Amtleute, daß sie in deiner Furcht leben und mit gutem Gewissen ihres Amts warten und den Waisen und Wittwen und allen andern Recht verschaffen und ihre Sachen mit Ernst und Fleiß anhören und erwägen. Ach, lieber Gott, erhöre mich ja, weil es sonderlich zu diesen Zeiten hoch von Nöthen ist. Ich wollte ja von Herzen gerne meinen Unterthanen das Allerbeste rathen und helfen, aber lieber Herr Gott, wo du nicht gegenwärtig bist und selbst das Haus, die Stadt, Land und Leute bauest, ordnest und erhältst, so ist’s mit mir und allen meinen Räthen und amtleuten verloren. Darum gib du deine Gnade und deinen Segen, und regiere mich und meine Räthe, thue uns Herz und Augen auf, und führe sonderlich mich, daß ich für meine Person sehen möge, was mein Beruf, den du mir auferlegt hast, erfordert; und wo es recht zugehet, daß ich dir daüfr von Herzen danken könne, wo es aber unrecht zugehet und den Armen beschwerlich und schädlich ist, so schaffe, Herr, daß ich solches wissen, verstehen, sehen und nach deinem Befehle abschaffen und ändern könne, auf daß bei meinem Regimente alles nach deinem Willen geschehe. Herr Gott, erhöre mich, ich befehle ja mich und meine ganze Regierung in deine Hände, Schutz und Schirm, laß uns nichts vornehmen wider deinen Willen. Amen!

August von Sachsen