Andacht 9.3.2017

Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war klug wie ein Kind, und hatte kindische Anschläge; da ich aber Mann ward, legte ich ab, was kindisch war. 1. Kor. 13, 11.

Paulus lehrt hier, was die Natur mit sich bringe, daß nämlich junge Leute anders, als die Männer seien, daß sie andere Neigungen, eine andere Sprache, andere Geberden und andere Handlungen haben, als man im männlichen Alter habe. Es bringt aber die Natur in jungen Jahren nicht nur allerlei Kindereien und Bübereien mit sich, sondern es bringt auch die Natur mit sich, daß man solche selbst zu seiner Zeit, nämlich im männlichen Alter ablege: denn, da ich ein Mann ward, so that ich ab, was kindisch war, wie man auch an den Thieren sieht, daß sie als jung „barren“, und solches, wenn sie älter werden, von selbst unterlassen. Ich habe schon oft Gott gedankt, daß dieser Spruch in der Bibel steht, indem ich bei der heutigen Art, da man so sehr auf das Schöne und Frühzeitige sieht, mir nicht zu helfen wüßte. Es sind in diesem Spruch zwei Lehren, und zwar l) daß man jungen Leuten auch Kindereien und Bübereien gestatten müsse, und 2) daß man die Zeit erwarten solle, da sie solche selbst ablegen. Es giebt aber unterschiedliche Ursachen, warum man keine Kinderei und Büberei gestatten will; denn Einige denken nicht zurück, wie sie in jungen Jahren gewesen und meinen, junge Leute sollen eben auch so sein, wie sie jetzt sind; Einigen sind Kindereien und Bübereien unerträglich, weil sie moros sind, und keine Freude an jungen Leuten haben; Einige Machen sich eine besondere Ehre daraus, daß sie so gesetzte und gescheite Kinder haben und lassen deßwegen keine Kinderei und Büberei aufkommen; Einige sorgen, die Kindereien und Bübereien möchten jungen Leuten hangen bleiben; Einige machen es in der Kinderzucht bloß Andern nach, entweder aus Unwissenheit, oder aus Menschengefälligkeit oder aus einem Vorurtheil. Es giebt auch Leute, welche zwar wohl einsehen, daß die Natur die Kindereien und Bübereien mit sich bringe; aber sie können nicht warten, bis junge Leute solche selbst ablegen, und suchen deßwegen solche den jungen Leuten entweder mit Gewalt, oder durch Einprägung der Schande, oder durch Erregung des Ehrgeizes abzuthun. Wenn man nun Achtung giebt, was es für Folgen hat, wenn man bei jungen Leuten keine Kinderei und Büberei leiden will, daß sie theils schüchtern, verdrießlich und kränklich, theils lieblos, theils hochmüthig, theils heimtückisch werden; es geschiehet auch, wann sie Lust bekommen, so findet man, daß sie alsdann desto kindischer und bübischer sind. Es ist aber ein großer Unterschied zwischen Kindereien und Bübereien und zwischen Sünden. Denn jene fallen von selbst weg, diese aber bleiben und nehmen zu. Gleichwohl aber kann man auch den Kindereien und Bübereien nicht den völligen freien Lauf lassen, indem sonst ein wildes Wesen entstehen würde; es erfordert oft auch die Roth oder gewisse Umstände, daß man wenigstens zu gewissen Zeiten der Kinderei und Büberei Einhalt thun muß. Weil es zweierlei junge Leute giebt, nämlich gute und böse, so findet man auch zwischen beiderlei Kindereien und Bübereien einen merklichen Unterschied, wenn man Achtung giebt, was Gutes und Böses mit solchen unterläuft. Ungeachtet die Kindereien und Bübereien in den männlichen Jahren abgelegt werden, so müssen sie dennoch nützlich sein, weil die Natur nichts umsonst thut: ja, es wäre eine Frage, ob man ohne Kindereien und Bübereien ein rechter Mann werden könnte.

*Flattich*