Andacht 10.3.2017

Den Vollkommenen gehört starke Speise, die durch Gewohnheit haben geübte Sinne. Hebräer 5, 14.

Es gibt drei Grade, nämlich l) Milch, 2) leichte Speisen und 3) starke Speisen. Zum dritten Grade wird erfordert, daß man durch lange Erfahrung und Gewohnheit geübte Sinne erlangt. Die Capacität bekommt man im Lernen nicht bloß mit den Jahren, sondern auch durch die Cultur und Uebung. Denn unbeachtet der Verstand nicht vor den Jahren kommt, so kommt er doch nicht, von selbst mit den Jahren, sondern es muß auch der rechte Fleiß dabei sein. Wenn das Gedächtnis,, der Verstand und die Urtheilskraft durch lange Gewohnheit geübt sind, so kann man starke Speisen verdauen, d. i. sich in schwere Sachen einlassen und selbige untersuchen. In Ansehung des natürlichen Verstandes ist das erste, daß man einzelne sinnliche Dinge lernt; wenn man nun viele einzelne, sinnliche Dinge recht betrachtet und gesammelt hat, so kommt der andere Grad, nämlich daß man daraus Speciala verstehen und formiren lernt, und wenn man viele Specialia (Besonderheiten) inne hat, so kommt der dritte Grad, daß man daraus Generalia einsehen und selbige mit einander vergleichen lernt. Es ist deswegen nicht ordnungsmäßig, wenn man vor der Zeit Generalia mit jungen Leuten behandelt, indem sie supra captum (über dem Verstand) sind, Weil einem Lehrmeister die Generalia leicht sind, so meint er, sie seien jungen Leuten auch leicht. Manche bleiben bei der Milch und gehen nichts weiter, wann sie schon könnten; manche gehen zwar weiter, aber sie bleiben nur immer bei einigen leichten Speisen; manche kommen zwar in den Stand, daß sie auch starke Speisen genießen könnten; aber es geschieht oft, daß man aufhört zu studiren, oder sonsten seine Seelenkräfte recht anzuwenden, wenn es am besten angelegt wäre.

*Flattich*