Andacht 11.3.2017

Ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erde, und ist geduldig darüber, bis er empfängt den Frühregen und Spätregen. Jak. 5, 7.

Gleichwie ein Ackermann nicht nur fleißig sein, sondern auch mit Geduld erwarten muß den göttlichen Segen, nämlich den Frühregen zum Aufgehen des Samens und den Spätregen zur Zeitigung der Frucht, also muß auch ein Lehrmeister und ein Lernender nicht nur Fleiß anwenden, sondern auch mit Geduld den göttlichen Segen erwarten. Es zeigt sich aber der göttliche Segen sowohl im Anfang und Fortgang des Lernens, als auch daß man das, was man gelernt hat, für sich und Andere gebrauchen kann. Es stehen die Fortschritte im Lernen nicht in des Lehrmeisters und der Lernenden Gewalt, wenn sie auch noch so viel Mühe sich geben, und die beste Methode gebraucht wird. Es ist etwas Besonderes um die Geduld, indem man durch selbige vieles ausrichten kann, denn ein Geduldiger ist besser, als ein Starker. Spr. Sal. 16, 32. Man kann im Informiren leichtlich ein Naturalist, oder auch ein Calvinist werden, und zwar ein Naturalist, wenn man meint, es komme alles auf Kunst oder Gewalt an; ein Calvinist, wenn man meint, wer Etwas lernen solle, der lerne Etwas, und wer nichts lernen solle, der lerne auch nichts. Es kann nämlich geschehen, daß man durch Kunst oder Zwang es eine Zeit lang mit Einem im Lernen probirt; wenn es aber sodann nicht gehet, so läßt man es bleiben, und glaubt, er sei nicht dazu geboren. Wer lernt, muß ebenfalls Geduld haben; denn wenn er meint, er müsse eine Sache gleich können, der fangt theils bald dieses, bald jenes an, und theils wird er durch Ungeduld zum Lernen ungeschickt und untüchtig, oder es entleidet ihn gar alles Lernen. Es haben deßwegen Lehrende und Lernende immer Aufmunterung nöthig, daß sie in der Geduld bleiben und fortmachen und den Muth nicht sinken lassen.

*Flattich*