Andacht 24.3.2017

Ebr. 10, 35.
Werfet euer Vertrauen nicht weg, das eine große Belohnung hat.

Wir haben erkannt, daß das wahre Vertrauen auch in dem unscheinbarsten Geschick Gottes Fügung und Leitung erkennt, daß aber dieses Vertrauen selten ist, ja, daß manche, von Stolz beherrscht, sich des wahren Vertrauens schämen. Heute laßt uns einen Blick in das Leben des Gottvertrauenden werfen. Der auf Gott Vertrauende ist vor allem ruhig und zufrieden mit seinem Schicksal.

Vielfach verschieden ist das Loos des Menschen. Dem einen ward ein Pallast, dem andern nur eine Hütte, dem einen der höchste Ueberfluß irdischen Gutes, dem andern nur das Nothwendigste zur Stillung der täglichen Bedürfnisse, dem einen ein großer, wichtiger Wirkungskreis, dem andern nur Gelegenheit zu saurer Arbeit, zu geringfügigem wenig geachteten Wirken. Wie auch dem Vertrauenden das Loos fiel, er ist zufrieden. Es leitet ihn der Glaube, Gott habe ihn dahingestellt, wo er steht, er bezieht die Worte seines Erlösers: wie mich mein Vater sendet, so sende ich euch, auch auf sich- Gab ihm Gott viel von irdischem Gute, so spricht er: von dir, o Gott, kommt alle gute und vollkommne Gabe, nicht mein, nur dein ist, was ich habe, ich bin viel zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan hast, hilf mir ein treuer Haushalter des mir Anvertrauten zu seyn. Gab ihm Gott wenig, so preiset er die Liebe dessen, der auch in Weniges unerschöpflichen Reichthum seines Segens legen kann und erwägt, daß es ein großer Gewinn ist, wer gottselig ist und lässet sich begnügen, wir haben nichts in die Welt gebracht, darum offenbar ist, wir werden auch nichts hinausbringen. Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so lasset uns begnügen.

Er ist zufrieden mit dem Wirkungskreis, den Gott ihm zugetheilt. Ist dieser bedeutend, so ist es seine höchste Sorge, ein treuer Arbeiter im Weinberg des Herrn zu seyn und das Reich Gottes zu verbreiten durch Wort und That; ist er geringfügig, so ist es sein Trost, daß der Herr den, der im Kleinen treu war, einst über viel setzen wird. Wird ihm seine Arbeit leicht, so schaut er dankbar auf zu Gott, der das Werk seiner Hände gefördert, der da, wo gepflanzt und begossen wird, allein es ist, der Segen und Gedeihen gibt. Wird ihm sein Tagwerk sauer, so erfleht er sich die Hilfe dessen, der in dem Schwachen mächtig ist.

Wird ihm bange im Leben und hat er Leiden und Mißgeschick zu erdulden, so wirft er seine Sorgen auf den, der alle unsere Bedürfnisse kennt; er weiß es, daß, die mit Thränen säen, mit Freuden erndten; daß der Zeit Leiden nicht werth sind der Herrlichkeit, die einst an uns offenbar werden soll, ja daß unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, eine ewige über alle Maßen wichtige Herrlichkeit schafft und der Mann, der die Anfechtung erduldet, selig ist, denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens entpfahen, welche der Herr verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Und neigt sich sein Leben zur Erde, so vertraut er dem Allerbarmer, der ihn im Leben geleitet hat, auch im Tode. Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollt ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? Ob ich auch wanderte im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn; wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn.

Diese Ruhe, in Schmerz und Freude, in Sturm und Unglück, dieser Muth, in Kampf und Tod, das sind die Früchte, das die Belohnung rechten Vertrauens.

Ach Vater, daß kein Augenblick in meinem Leben wäre, wo ich dir nicht vertraute, ach daß du es gnädig geben möchtest, daß ich nie dich verliere, daß du mir allezeit nahe wärst, o daß ich fest, unerschütterlich fest an dir halten möchte im Leben und im Tode! Amen.

*Goetz*