Andacht 25.3.2017

Sir. 2, 14. 17.
Wehe denen, die an Gott verzagen, und nicht fest halten, und dem Gottlosen, der hin und wieder wankt. Wie wird es ihnen gehen, wenn sie der Herr heimsuchen wird?

Wir wissen, es giebt viele, die sich schämen, fest auf Gott zu vertrauen; was ist der Grund dieser Gesinnung, so fragen wir uns heute? Eines tritt uns als Grund am kenntlichsten sogleich entgegen: es fehlt ihnen Glauben. Aber sollen wir annehmen, sie hätten gar keinen Glauben, alles im Weltall erschiene ihnen als Spiegel des Zufalls? – Die Thoren sprechen in ihrem Herzen, es ist kein Gott, und ihr eignes Herz sagt ihnen, daß, was sie sich zusammendichten, Lüge ist, und es doch einen Gott giebt; sie müssen es glauben, aber auch, wie die Teufel, dabei zittern.

Ein völliger Unglaube mag aber seltner der Grund der gedachten Scham seyn, als vielmehr Mangel an Glauben. Das Hochgefühl ungestörter Gesundheit, irdischer Besitz, mächtige Freunde, allgemeine Achtung bei unsern Nebenmenschen, dieß alles steigert den Menschen leicht in dem Begriff von seiner Würde so, daß er alles selbst thun, alles gethan haben, alles bändigen, zwingen und vermögen will, daß er seine Ohnmacht, seine Abhängigkeit von Gott vergißt und sich an dem Gedanken weidet, sein Schicksal selbst zu regieren und die Sterne desselben in seiner Brust zu tragen. Kommt nun Mißgeschick, werden Pläne vereitelt, scheitern Hoffnungen, sinkt die Sonne des Glücks, da will man niemand im Weltall brauchen, von niemand sich Hilfe erbitten, sondern sich selbst genug seyn, sich selbst helfen; das benennt der Mensch, der aufgeblasene Thor, mit dem Namen einer erhabnen Wissenschaft, er nennt es Philosophie, wohl auch Gleichmuth, Stärke der Seele. Allein die rechten Namen für solches Thun sind: Thorheit, Stolz; denn der Mensch ist nur groß und weise in Gott, nur stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Mit unserer Macht ist nichts gethan. Und wenn nun Schlag auf Schlag sich häuft, die irdischen Stützen, an welche sich die Vertrauenslosen anklammerten, einsinken, dann sind sie zaghafter, kleinmüthiger, trostloser als alle andern, denn sie haben allen Halt verloren und den, der von Ewigkeit war und ewig seyn wird, den kennen sie nicht, kennen ihn wenigstens als Vater nicht, sondern nur als mächtigen Herrn, dem unser Thun zu klein ist; sie haben den Sohn nicht, darum haben sie auch den Vater nicht und das Leben nicht, das von beiden kommt und das Friede und Freude im Geiste, in Trübsal und Freude verleiht.

O bewahre uns, Gott, von solcher Thorheit und Sünde und gib, daß wir dir, Unwandelbarer, im wandelbaren Leben fest vertrauen, bis wir einst hindurchdringen vom Tod zum Leben, wo aller Glaube sich in Schauen verwandelt. Amen.