Böschenstein, Johannes – Da Jesus an des Kreuzes Stamm

1. Da Jesus an des Kreuzes Stamm
Der ganzen Welt Sünd‘ auf sich nahm,
Sprach er in seinen Schmerzen
Noch sieben Wort‘, die lasset uns
Erwägen wohl im Herzen.

2. Zum ersten: Vater, strafe nicht
An ihnen, was mir jetzt geschicht,
Weil sie es nicht verstehen.
Vergib uns, Gott, wenn wir auch noch
Aus Irrtum was begehen!

3. Zum andern er des Schächers dacht‘:
Fürwahr du wirst noch vor der Nacht
In meinem Reich heut‘ leben.
O Herr, nimm uns auch bald zu dir,
Die wir im Elend schweben.

4. Zum dritten: Deinen Sohn sieh, Weib!
Johannes, ihr zu Dienste bleib
Und sie als Mutter liebe!
Versorg, Herr, die wir lassen hier,
Daß niemand sie betrübe!

5. Zum vierten sagte er: Mich dürst’t!
O Jesu, großer Lebensfürst,
Du hast Durst und Verlangen
Nach unsrer Seligkeit; drum hilf,
Daß wir sie auch empfangen.

6. Zum fünften: O mein Gott, mein Gott,
Wie läßt du mich so in der Not?
Hier wirst du, Herr, verlassen,
Daß uns Gott wieder dort aufnehm‘.
Den Trost laß uns wohl fassen.

7. Zum sechsten: Hiermit ist vollbracht
Und alles nunmehr gutgemacht.
Gib, daß wir auch durchdringen,
Und was du, Herr, uns auferlegt,
Hilf seliglich vollbringen.

8. Zum siebenten: Ich meine Seel‘,
O Gott, mein Vater, dir befehl‘
Zu deinen treuen Händen.
Dies Wort sei unser letzter Wunsch,
Wenn wir das Leben enden.

9. Wer oft an diese Wort‘ gedenkt,
Wenn seine Missetat ihn kränkt,
Der wird es wohl genießen;
Denn er durch Gottes Gnad‘ erlangt
Ein ruhiges Gewissen.

10. Verleih und dies, Herr Jesu Christ,
Der du für uns gestorben bist!
Gib, daß wir deine Wunden,
Dein Leiden, Marter, Kreuz, und Tod
Betrachten alle Stunden!