Andacht 3.4.2017

Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir schicken.
Ps. 5, 4.
Gott, der Herr, ist Sonne und Schild, der Herr giebt Gnade und Ehre, er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.
Ps. 84, 12.
Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter desselben Flügeln.
Mal. 4, 2.

Frühe Morgens, frühe in deiner Jugend, sollst du dich zum Herrn schicken, täglich frühe dich zu ihm erheben. Du kommst ihm nie zu frühe, er ist schon vor dir aufgestanden, deine Stimme zu hören und sein Herz zu deinem Herzen zu neigen. Je früher und herzlicher du am Morgen gleich sein Antlitz suchest, desto herrlicher und kräftiger wird er dir als Sonne aufgehen und als Schild erscheinen, alle Nacht und Finsterniß aus deinem Gemüthe verbannen, dein Herz in Glauben und Liebe fruchtbar machen. Die Gärtner pflegen ihre Pflanzen und Gewächse der Morgensonne auszusetzen; so laß du in den Garten deines Herzens die Sonne der Gerechtigkeit, die dir täglich frühe aufgeht, wenn du sie frühe suchest, scheinen, und fasse ihre wohlthätigen, belebenden, erwärmenden und stärkenden Strahlen recht frühe in dein Herz auf. Die Sonne geht alle Tage auf ohne dein Bemühen; sie wandelt über dir und deinem Garten, ohne daß du sie halten oder führen müßtest. Nur dein Herz mußt du ihr öffnen, oder doch wenigstens nicht verschließen, es nicht bedecken, sondern mit offnem, sehnendem, schmachtendem Herzen dich ihren Einflüssen aussetzen; so wird sie dich erleuchten, beleben und entzünden. Was besonders erfreulich ist an dieser Seelen-Sonne, ist das: Sie geht nie unter, scheint zu allen Jahreszeiten gleich warm und helle; im Norden wie im Süden, im Winter wie im Sommer. Sie kennt keinen Untergang, auch keine Wolken; denn die steigen, wenn sie da sind, und dir die Sonne verbergen, nur aus deinem Moosgrunde auf. Wer sie nie aus dem Auge läßt, den verläßt sie auch nie.

*Gossner*