Andacht 4.4.2017

Wendet euch zu mir, aller Welt Ende, so werdet ihr selig. (Jes. 45, 22.) Deine Gnade reichet, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. (Ps. 108, 5.)

Da sieht man, wie allgemein die Gnade Gottes ist; er ladet Alle ein, Alle, von einem Ende der Erde bis zum andern; Alle sollen kommen, Alle sind berufen, Alle werden angenommen. Denn Gott würde ihnen ja nicht rufen: Kommet von aller Welt Ende, wenn er nur Einen nicht annehmen wollte, wenn er nur Einen zum Verderben bestimmt hätte. Nein, aller Welt Ende sollen nach seiner Absicht und Bestimmung selig werden. Wer es nicht wird, schließt sich selber aus, wird es nicht, weil er selbst nicht will, nicht weil Gott nicht will. Er ruft dich ja, komm nur! Warum sind noch so viele Menschen, die dieser gnädigen Einladung nicht folgen? Es sollte ja keiner mehr auf Erden wohnen, der nicht längst in die offenen Gnaden-Arme Gottes sich begeben hätte. Warum sagt es nicht Einer dem Andern? Ach, daß sie es Alle wüßten, wie selig er sie machen möchte! gewiß, sie würden Alle Christen. O, er umfaßt mit den Armen seiner Liebe und Barmherzigkeit nicht nur Ein Volk, sondern alle Völker, nicht nur einige, sondern alle Menschen von einem Ende des Himmels bis zum andern! Wie groß, wie weit sind diese Arme! Seele, meinst du, daß nicht auch Platz für dich darin wäre? Gnade, Heil und Seligkeit ist Allen in seinem Schoose bereitet, der sich so weit aufthut, daß jeder Mensch, der kommt, freundliche Aufnahme findet, und wenn sie Alle kommen, Alle Raum genug, Heil genug finden. So weit der Himmel und die Wolken gehen, geht ein Weg, eine Bahn zur Gnade Gottes in Christo. So lange du noch unter dem Himmel und unter den Wolken wandelst, bist du noch immer unter dem Gnadenhimmel; so lange reicht die Gnade auch bis zu dir. Seh‘ ich den Himmel, die Wolken, so sehe ich noch Gnade, einladende, berufende, beseligende Gnade. Der Himmel und die Wolken verkündigen mir die Gnade ihres und meines Gottes, wo ich sie sehe. Und so darfst du auch jedem Menschen, der unter dem Himmel und unter den Wolken wohnt, bezeugen, daß Gnade für ihn vorhanden sei, und bis an ihn reiche; daß sie für ihn nicht zu kurz wäre, denn sie reicht so weit der Himmel reicht. Miß den Himmel, und du hast die Gnade noch nicht gemessen; denn sie ist größer als der Himmel; wie der, der den Himmel machte, und die Gnade spendet, größer ist als Alles, was er gemacht hat.

*Gossner*