Andacht 05.4.2017

Matth. 6, 26. 30. 32.

Sehet die Vögel unter dem Himmel an, sie säen nicht, sie ärndten nicht, sie sammlen nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernähret sie doch. Seyd ihr denn nicht viel mehr denn sie? So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen wird; sollte er das nicht vielmehr euch thun? O ihr Kleingläubigen! Nach solchem allen trachten die Heiden; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr deß alles bedürfet.

Wir ermuntern uns wechselseitig so oft zum Vertrauen auf Gott; wir erkennen auch, daß so vielfache Beweggründe vorhanden sind, Gott zu vertrauen, und es will uns manchmal bedünken, als ob das Vertrauen eine Tugend wäre, wozu es einer besondern Aufforderung nicht bedarf; da wir häufig Gelegenheit haben, selbst aus dem Munde solcher Menschen, welche eben keine besondere Frömmigkeit zeigen, doch Aeußerungen zu vernehmen, die uns vermuthen lassen, es finde ein Vertrauen auf Gott statt. Allein wenn wir das Treiben und Thun der Menschen genauer beobachten, so bemerken wir leicht, daß die meisten zwar in großer Gefahr, bei ausserordentlichen, räthselhaften Begebenheiten, besonders bei furchtbaren Ereignissen, den Namen Gottes so im Munde führen, daß sie deutlich zu erkennen geben, sie betrachten Gott als denjenigen, der der letzte Grund solcher Erscheinungen ist, und der allenfalls auch Unglück bringende Ereignisse zum Heile der Menschen leiten kann. Aber weit seltner finden wir Menschen, die alles, was ihnen im Leben begegnet, als von Gott veranstaltet betrachten, die die kleinste Freude als das Geschenk seiner Liebe, das geringste Mißgeschick als eine Folge seiner weisen Erziehung, als einen Wink, als eine Anleitung, das zu unternehmen, jenes zu fliehen, betrachten, und die darum fest glauben, daß sie unter der besondersten Führung Gottes stehen und deßhalt immer im Kleinen und Großen, es gehe ihnen wohl oder übel, zu Gott aufschauen, ihn bald für seine Güte preisend, bald von ihm Trost erflehend, und welche so selbst die ihnen unbegreiflichen Fügungen in Demuth anbeten. Und doch ist nun diese Gesinnung eine wahrhaft vertrauensvolle, und nur sie kann einen Frieden in das Herz senken, den kein Sturm zu zerstören vermag. Und zu dieser Gesinnung wollte der Herr durch seine Worte in unserm Texte führen. Sie sagen uns ja deutlich: auch das Kleinste im Weltall geschieht nicht ohne Gottes Willen, Leitung und Zulassung, und der unvernünftigen Geschöpfen sein Liebe zeigt, ja sogar an dem kleinsten Theil der leblosen Schöpfung sich verherrlicht; wie sollte der den Menschen, der eine eigne Welt ist, der Gott denken und zu Gott sich erheben kann, dem er den Sohn sandte und mit diesem alles schenken will, verlassen und versäumen?_

Wer Trübes noch nicht erfahren hat, bezweifelt vielleicht kaum, wie wichtig es ist, Gott zu vertrauen, und die die Aufforderung dazu verhallt. Aber es kommen in jedes Menschen Leben die Tage, von denen er spricht: sie gefallen mir nicht. Laßt uns daher fest an Gott halten in den Tagen ungestörten Glückes, um den einzig wahren Zufluchtsort zu kennen in den Tagen der Noth. Amen.

*Goetz*