Zitate 6.4.2017

Die dienende Kirche möchte gern eine Kirche der stillen Leute sein. Von unserm Herrn Christus heißt es: „Er wird nicht schreien noch rufen.“ Er ist den Weg der heiligen Stille gegangen. Allem Widerspruch von Freunden und Feinden zum Trotz blieb er zumeist in der Verborgenheit und hat gerade dadurch in die Geschichte der Welt das Wort von der ewigen Gottesliebe so laut gesprochen, daß es nie wieder verklungen ist. Wir wissen, daß heute Zeiten des Kampfes sind, in denen von Gottes Wahrheit deutlich geredet werden muß. Aber wir in der dienenden Kirche werden immer sorgfältiger fragen, wo unser Platz auf diesem Kampffeld ist und welchen Auftrag wir zu erfüllen haben. Wir haben vielleicht nicht den Auftrag, Rufer im Streit zu sein. Noch weniger haben wir Erlaubnis, zu den Schlagwortrednern, Schwätzern und Verleumdern zu gehören, an denen es auch heute nicht fehlt. Es ist klar, daß auch in den uns anvertrauten Werken und Anstaltsgemeinden viel zu viel gesprochen wird und daß wir alle immer wieder unter das Gericht des Wortes fallen: „Wer sich läßt dünken, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, des Gottesdienst ist eitel.“ Laßt uns nicht müde werden, um heilige Stille vor Gott zu ringen, die doch höchste Beredsamkeit ist! Je weniger wir über Menschen sprechen, desto mehr gewinnen wir Raum, mit Gott zu ringen. „Was schreiest du zu mir?“ fragt Gott den Moses am Roten Meer. Dabei hatte er kein einziges lautes Wort gesagt, als die Lage des von ihm geführten Volkes fast hoffnungslos war. Je schwerer unsere Lage ist, desto mehr soll die dienende Kirche eine im Verborgenen zu Gott schreiende sein. Wir wollen unsere Anstaltsgemeinden und die Glieder unserer Arbeitskreise anleiten, daß sie stille werden vor Gott. Das entbindet uns nicht von der Verantwortung, sondern es stellt uns erst recht in sie herein. Niemand, der Not und Kampf der Kirche auf betendem Herzen trägt, wird sagen können: Das geht mich in meiner täglichen Arbeit nichts an; meine Verantwortung endet an der Grenze meiner Anstalt. Rechte Beter haben weite Herzen. Sie empfangen Kraft zum Tragen schwerer Lasten und zum Gewinnen heiliger Siege. Da werden für Gott Siege gewonnen, wo etwas von dem bei uns Wahrheit wird, was Christus gesagt hat: „Ich heilige mich für sie, damit auch sie geheiligt werden in der Wahrheit.“

Bodelschwingh