Zitat 17.4.2017

Gott ehren

Wenn wir mit unserm Verstande bis zu Gott hinaufsteigen wollen, so stehen uns gleich die Sinnen stille; Christus ist uns vor die Augen gestellt worden, als das lebendige und ausdrückende Bild des unsichtbaren Gottes. Wir wollen uns nicht vergeblich bemühen, unergründliche Geheimnisse auszugrübeln; Gott hat für unsre Schwachheit gesorgt, er hat sich uns nahe, in der Person Jesu Christi, gezeigt, – wir wollen unser Auge auf Jesum Christum richten, dem das Regiment über alles übergeben ist, in Ihm sehen wir den Vater, der uns ausser Ihm verborgen bleibt. Wer den Sohn nicht ehret, der beraubet den Wahren Gott der Ehre, die Ihm gebührt. Jedermann gesteht leicht, daß man Gott überhaupt ehren müsse; diese Gesinnung ist uns gleichsam eingepflanzt; aber man geht Gott fehl, wenn man ihn nicht auf dem rechten Wege suchet. Ausser Christo werden wir den wahren Gott nimmermehr antreffen; wir ehren ihn nur dann recht, wenn wir den Sohn küssen, wie es in den Psalmen heißet, den Sohn müssen wir ehren und lieben. Wer den Sohn nicht hat, der hat auch den Vater nicht, sagt Johannes. Wer da will, daß sein Dienst dem wahren Gott angenehm seyn soll, der muß Christum nicht vorbeygehen. Der hat sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt. Daher entstehen die Labyrinthe der Menschen, wenn sie in ihrer Theologie von Christo abweichen.

Der Tod Jesu hat eine solche Kraft, daß wir dadurch die Glieder, die auf Erden sind, tödten können, und daß der alte Mensch in uns seine Kraft und Thätigkeit verliere.

Ehe die Gnade Jesu Christi im Herzen das Regiment bekommt, so ist der Mensch ein Sammelplatz von allem Jammer.

Calvin