Andacht 29.4.2017

Jedermann sei langsam zu reden.
Jak. 1,19

Je lebhafteren Temperaments wir sind, desto mehr haben wir diesen Rat des Apostels zu beherzigen. Oft haben wir uns zu hüten, daß wir durch voreilige Mitteilungen den Segen nicht verlieren, den wir empfangen haben, denn durch Bloßlegen der Wurzeln unseres geistlichen Lebens leidet dieses Schaden. Wo wir unter solchen sind, von denen wir mehr zu lernen haben, als wir sie lehren können, sollen wir schnell sein zu hören und langsam zu reden, und uns nicht selbst durch Geschwätzigkeit hindern am Empfang geistlicher Gabe. Das rechte Schweigen muß ein Zeichen geistlicher Zucht und eine Frucht der Demut und Weisheit sein. Oft ist Schweigen auf törichte und verkehrte Fragen die beredteste Antwort. So antwortete Jesus dem Herodes nichts auf alle seine neugierigen Fragen, und auch als der Landpfleger Pilatus ihn fragte: „Hörest du nicht, wie hart sie wider dich zeugen?“ antwortete er ihm nicht auf ein Wort.

Es schadet auch nichts, wenn manchmal mitten in einem lebhaften und lehrreichen Gespräch ein Schweigen eintritt. Man nennt es leicht eine peinliche Pause. Aber darf denn nach gewichtigen Worten nicht ein Schweigen eintreten, um das Gehörte im Herzen zu bewegen, im Herzen durch Gebet zu befestigen, in sich selbst einzukehren und sich zu sammeln? Muß denn immer ein Wort das andere vertreiben?

Oft ist freilich unser Schweigen nicht eine Frucht der Weisheit von oben, sondern die Folge von Trägheit, Menschenfurcht, Hartherzigkeit gegen den Nächsten, mit dem man sich entzweit hat. Dieses Schweigen muß gebrochen werden, zuerst vor Gott im Kämmerlein, dann gegenüber dem Nächsten, wenn es sein muß in Liebe der Wahrheit und in Wahrheit der Liebe oder zum Zeugnis vor denen, die Rechenschaft fordern von unserer lebendigen Christenhoffnung von unserem Glauben.

Gib, daß ich tu mit Fleiß,
Was mir zu tun gebühret,
Wozu mich dein Befehl
In meinem Stande führet;
Gib, daß ich’s tue bald
Zu der Zeit, da ich soll,
Und dann gerate mir’s
Durch deinen Segen wohl!
*Grafe*