Andacht 30.4.2017

Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünkt uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein.
Heb. 12,11

Wir denken oft, es wären andere Leiden uns weniger schwer zu tragen als diejenigen, die der Herr uns eben auferlegt hat; allein ich glaube, daß dein Kleid dir nicht besser passen kann als das Kreuz, das du trägst, sich für dich schickt. Ein Kreuz müssen wir tragen, und das im Himmel gewählte eignet sich am besten für den Rücken des geliebten Heiligen; dasjenige hingegen, das wir in unserer Torheit uns selber machen, ist gewißlich das schwerste und härteste von allen.

Meistens macht der Herr aus dem Holz ein Kreuz, aus dem wir uns einen Götzen gemacht hatten – und wie ist nicht die Treue Gottes, die sich hierin offenbart, so anbetungswürdig! Kreuzträger passen ja besser in seinen Himmel als Götzendiener. Ist Gottes Hand gegen dich gerichtet, so ist sein Herz zu dir gewendet; er züchtigt nicht, um dich von sich zu entfernen, sondern um dich zu sich zu ziehen. Er trennt die Seele, die er liebt, durch die Züchtigung von der Sünde, die er haßt, und niemals raubt er uns ein irdisches Gut, ohne uns zu seiner Zeit etwas Besseres dagegen zu geben. Was wir in dem Geschöpf verlieren, finden wir hundertfach in Gott, und wenn wir dann in unseren Leiden in ihm unsere Kraft und unseren Trost gefunden haben, so werden wir mit dem Psalmisten sagen können: „Es ist mir lieb, daß du mich gedemütigt hast.“

Die Leiden sind dem Volke Gottes verheißen, nicht gedroht; daher heißt es auch, es werde dem, der aufrichtig wandelt, „an keinem Gute fehlen“, unerachtet ihm doch an vielen Stellen Trübsale angekündigt werden.

Seine Kinder säen zwar traurig und mit Tränen,
Aber endlich kommt das Jahr, wonach sie sich sehnen;
Endlich kommt die Erntezeit, da sie Garben machen –
Da wird all ihr Gram und Leid lauter Freud und Lachen.
*Grafe*