Andacht 25.5.2017

Es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschiehet durch Gnade
Hebr. 13,9

Ein Lehrer hörte einst vier seiner Schüler in ihrem Gespräch die Frage aufwerfen und beantworten, was jeder werden wolle. Der erste sagte: „Ich will reich werden!“ Der zweite meinte: „Ich will so klug werden, wie alle meine Lehrer zusammen!“ Der dritte sprach: „Nein, ich will so berühmt werden, wie keiner von euch!“ Nur der letzte stockte erst, und dann hob er nachdenklich an: „Ich kann es nicht gleich so schnell sagen, aber ich meine, mein Vater hat wohl recht, wenn er mir immer sagt: „Karl, du kannst werden, was du willst, aber auf alle Fäälle sollst du ein ganzer Mann werden!““

Ein ganzer Mann! Ein Mann aus einem Gusse! Ja, das klingt schön, und selbst die leichtsinnige Welt kargt nicht mit ihrem Lob, wenn sie voll Respekt von einem Menschen, der seinen Lebenslauf vollendet hat, sprechen muß: „Das war ein ganzer Mann!“ Wenn sie aber glaubt, daß so ein ganzer Mann aus einem Gusse sei, dann irrt sie sich wieder einmal, wie so oft. Bei ganz naturgemäßer Entwicklung der vorhandenen Anlagen und Schwächen, der gegebenen Art und Unart wird noch keiner ein ganzer Mann. Das geht nicht ohne Zerbrechen, und sie sollte doch mit dem Worte „ganz“ auch ganzen Ernst machen und bedenken, daß ganz zweierlei Bedeutung hat. Erstlich ist es das Gegenteil von zerbrochen, und zweitens liegt darin etwas von Vollkommenheit. Beides aber paßt eigentlich bloß auf das Tun Jesu an einem seiner Christen. Der himmlisiche Glockengießer muß den ersten fehlerhaften Guß zerbrechen und von neuem gießen; dann kann es zu einer Vollkommenheit kommen.