Predigt, gehalten am Sonntag Exaudi

Luther, Martin – Exaudi

Johannes 15, 26. bis 16,4

Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zur euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann tun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum tun, daß sie weder meinen Vater, noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ich’s euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt; denn ich war bei euch.

Im heutigen Evangelium sind zwei Stücke: das erste vom Heiligen Geist; das andere von der künftigen Verfolgung, welche denen begegnen wird, die das Evangelium vor der Welt bekennen und predigen.

Vom Heiligen Geist wißt ihr, daß wir glauben, daß er ewiger, allmächtiger Gott sei. Demselben gibt der Herr Christus hier einen besonderen Namen und heißt ihn einen Tröster. Will damit anzeigen: so wir wollen Christen sein, daß wir etwas warten und darüber leiden müssen. Denn was bedürfte es des Trostes, wo nicht Leiden und Kummer uns auf dem Hals läge? Das Leiden aber, zeigte Herr an, werde das sein, daß man die Christen nicht allein töten werde, und die, so es tun, werden noch recht dazu haben wollen, und die Christen, die leiden, müssen Unrecht haben. Das heißt schändlich töten, wo jedermann sprechen wird: dem Ketzer geschieht recht, man sollte nicht wollen, daß es ihm anders erginge. Das also bei dem Tod der Christen kein Trost ist; denn die Welt würgt sie als Ketzer. So ist das Gewissen bei ihnen auch schwach, daß sie oft denken: Wer weiß, ob du es auch recht gemacht, und ihm nicht zuviel getan hast? Müssen also vor der Welt, und häufig auch vor ihrem eigenen Gewissen Unrecht haben.

Dazu dient dieser Name, daß der Herr den Heiligen Geist einen Tröster heißt, als wollte er sagen: Ich weiß, wie es euch gehen wird, daß ihr bei euch selbst wenig, und in der Welt gar keinen Trost finden werdet. In solch einer Not will ich euch nicht stecken lassen, will euch nicht so in den Schlamm hineinführen, daß ihr darin ersaufen sollt; sondern wenn kein Trost mehr in der Welt ist, und ihr ganz erschrocken und blöde seid, dann will ich euch den Heiligen Geist schicken, der ein Tröster ist, und soll euch im Herzen zusprechen, daß ihr nicht verzagen, und euch an das halten sollt, was ich euch zuvor gesagt habe.

Hier scheidet sich nun der Trost zwei mal. Der eine ist ein weltlicher Trost; der ist falsch und lügenhaftig; denn er stellt darauf, daß ein Mensch sich verläßt auf Gut, Lehre, Gewalt, auf großer Fürsten und Herren Freundschaft, welches alles miteinander ungewiß und trüglich ist, worauf man nichts Gewisses bauen kann. Darum, spricht Christus hier, werdet ihr, meine Jünger, davon nichts haben, sondern es soll alles wieder euch, und nicht mit euch sein, daß die Welt ihre Gewalt, Ehre, Gut und Vermögen wider euch brauchen und euch damit dämpfen wird. Über solches sollt ihr nicht erschrecken, daß ihr solchen Trost nicht habt; denn es ist ein elender, schlechter Trost, der nicht länger dauert, bis ein Fieber, eine Krankheit kommt, so ist dieser weltliche Trost schon dahin. Ich aber will euch einen anderen Tröster schaffen, den Geist der Wahrheit, der euch dann trösten soll, wenn ihr erschrocken, blöde, elend und armselig seid, beides vor den Leuten und in eurem Herzen vor euch selbst. denn darum führt der Heilige Geist den Namen, daß er ein Tröster heißt, und nicht ein Betrüber. Denn wo Traurigkeit und Betrübnis ist, da ist der Heilige Geist, der Tröster, nicht zu Haus. Dieser Tröster heißt nun auch ein Geist der Wahrheit, denn er tröstet nicht wie die Welt, bei der kein Bestand ist, sondern sein Trost wäret ewiglich und kann niemand betrügen.

Aber da stößt es sich wieder; denn das Gewissen spricht: Du sagst mir wohl von einem Trost; aber ich fühle ihn nicht, das Widerspiel sehe ich, daß die Welt Freude und Trost hat, dagegen die Christen aber leiden müssen. Johannes, der Täufer, muß seinen Kopf geben; Herodes und seine Hure feiern dabei miteinander haben einen guten Mut. Mit uns geht es auch so: die Welt gönnt uns nicht das trockene Brot, und läßt jedermann denken, was er einem Christen Böses getan, das sei wohl getan. Dagegen Papst, Kardinäle, Bischöfe, und alles, was dem Evangelium feind ist, das hat gute, geruhsame Tage, sitzt ohne alle Anfechtung im Rosengarten. Heißt das nun getröstet? Ja, spricht Christus, es heißt getröstet; aber du mußt einen Unterschied zwischen dem Tröster machen. Die Welt hat auch ihren Trost, das ist wahr; denn sonst könnte sie nicht so sicher, fröhlich und guter Dinge sein. Aber es ist nicht ein Trost, der da kommt vom Geist der Wahrheit, sondern es ist ein lügenhafter Trost; denn sehr bald kann es kommen, daß solches alles, darum sich die Welt tröstet, nicht mehr trösten noch helfen kann.

Dagegen aber ist dieser Tröster, den die Christen haben, ein Geist der Wahrheit, der einen beständigen Trost in unsere Herzen steckt. Darum, wenn auch der liebe Johannes den Trost nicht hat, welchen Herodes und seine Hure haben, sondern ihretwegen muß er elendiglich im Turm liegen und ungetröstet bleiben, und endlich den Kopf verlieren; so schreibt ihm doch der Heilige Geist zu und redet ihm ins Herz hinein, und spricht: Johannes, lieber Johannes, kehre dich nicht an das Schrecken, daß du so elend da liegst und die arge Welt ihren Mutwillen an dir übt; weißt du doch wohl, es kann nicht lange mit ihr werden. Es heißt eine kurze Freude und unendliches Leid. Dagegen aber soll dein Leiden kurz sein, und darauf eine ewige Freude folgen, da ein Augenblick mehr und besser ist, denn tausend Jahre hier auf Erden, wenngleich aller Welt Freude und kein Leid da wäre. Dieser Trost füllt dem Johannes sein Herz so voll, daß er sich nicht allein vor dem Tode entsetzt, sondern noch Gott dafür dankt, daß er von diesem armen sündhaften Leib und Leben erledigt und zum ewigen Leben soll gefördert werden.

Woher aber nimmt der Heilige Geist solchen Trost? «Vom Vater», spricht Christus hier; denn er, der Heilige Geist, geht vom Vater aus. Das ist ein schöner Spruch, damit wir den Artikel unseres Glaubens beweisen können, die Heilige Dreifaltigkeit. Denn soll der Heilige Geist vom Vater ausgehen, muß folgen, daß solcher Geist ewig ist; denn aus dem Vater kann nichts gehen, daß seinem Wesen und Natur nicht gleich und gemäß ist. Darum eben wie Gott, der Sohn, ewig ist, darum, daß er vom ewigen Vater geboren wird; denn Gott kann nichts gebären, daß ihm nicht gleich sei: also muß auch folgen, daß der Heilige Geist, der von Gott ausgeht, auch ewig ist. Aber diesen Artikel wollen wir jetzt stehen lassen und zu seiner Zeit weiter davon reden.

Womit tröstet aber der Heilige Geist? «Von mir», spricht der Herr, «wird er zeugen.» Das ist als wollte er sagen: Mein liebes Kind, man schreckt, ängstet, fängt, tötet dich, daß mußt du erwarten, anders wird es nicht werden. Dagegen aber soll der Heilige Geist ein Zeuge sein, der dich aufwecke, und mache, daß du an mich denkst; er wird dir nicht tausend Thaler geben, wie die Welt, sondern von mir wird er zeugen, auf das du möchtest sagen: Wenn es schon alles dahin ist, Weib und Kind, Haus und Hof, Gut und Ehre, und jetzt an dem ist, daß Leib und Leben auch hin sein soll; so lebt dennoch der droben, der da heißt Jesus Christus, der um meinetwillen Mensch geworden, für mich gestorben und auferstanden, und gen Himmel aufgefahren ist, wie ich täglich in meinem Glauben bete. Ist das wahr? Wovor will ich mich doch fürchten? Wahrlich, Gottes Sohn, der für mich den Tod leidet, der wird mein Feind nicht sein, er wird es treu und gut mit mir meinen. Hat er mich aber lieb, so werde ich keine Ursache haben, mich vor ihm zu fürchten oder ihm etwas Böses zuzutrauen.

Das ist, daß Christus spricht: «Er wird von mir zeugen.» Außer diesem Zeugnis des Heiligen Geistes von Christus ist kein gewisser beständiger Trost. Darum sollte man die Worte: «von mir», mit großen Buchstaben schreiben, und fleißig merken; denn dabei können wir gewiß sein, daß der Heilige Geist mit keiner anderen Lehre kommen soll, und weder Mose noch anderes predigen, die Gewissen damit zu trösten. So aber die Gewissen getröstet werden sollen, so muß es allein die Predigt von Christus und von seinem Sterben und Auferstehen tun, die tröstet allein. Dagegen aller anderen Predigten, vom Gesetz, guten Werken, heiligem Leben, von Gott oder Menschen geboten, in Not und Tod nicht den Menschen trösten können, sondern nur blöde machen, zu schrecken; denn Gott selbst, wenn man außer Christus mit ihm handeln will, ist er ein schrecklicher Gott, bei dem man keinen Trost, sondern nur Zorn und Ungnade findet. Aber wer von Christus predigt, der verkündigt und bringt den rechten Trost, da ist es unmöglich, daß die Herzen sich darüber nicht freuen, und guter Dinge darüber sein sollten.

Darum liegt es alles an dem, daß man diesen Trost gewiß fasse und fest halte, und sage: Ich glaube an Jesus Christus, der für mich gestorben ist, und weiß, daß der Heilige Geist, der ein Zeuge und Tröster heißt und ist, von niemand anders predigt oder zeuget in der Christenheit, alle Betrübten zu trösten und zu stärken, denn von Christus, dabei will ich bleiben und mich sonst an keinen Trost halten. Denn sollte ein besserer Trost als dieser sein, der Heilige Geist würde ihn auch bringen. Aber er sollte mehr nicht tun, denn als von Christus zeugen.

Warum braucht aber der Herr hier so dies Wort «zeugen»? Hätte er doch wohl anders reden können? Es geschieht darum, daß wir mehr Achtung auf das Wort haben sollen.

Denn wahr ist es, der Heilige Geist hat seine Wirkung inwendig im Herzen. Aber doch will er solche Wirkung ordentlicher, in anderer Weise nicht, denn durch das mündliche Wort ausrichten. Wie Paulus bei Römer 10. 14. sagt: «Wie sollen sie glauben, von dem sie nicht gehört haben? «Darum heißt ihn Christus einen Zeugen. Nun aber zeuget er durch den Mund und Wort der Apostel und aller Prediger, die das Evangelium von Christus rein und lauter verkündigen.

Darum soll niemand warten, der Trost begehrt, bis der Heilige Geist ihm Christus persönlich vorstelle, oder vom Himmel herab mit ihm rede. Er führt sein Zeugnis öffentlich in der Predigt, da mußt du ihn suchen und auf ihn warten, bis er durch solches Wort, daß du mit deinen Ohren hörst, dein Herz rühre, und also auch durch seine Wirkung inwendig im Herzen von Christus Zeuge. Aber solch ein inwendiges Zeugnis kommt nicht früher, es sei denn zuvor das öffentliche und mündliche Zeugnis des Wortes gegangen, da man hört, daß Christus um unseretwillen Mensch geworden, gekreuzigt, gestorben und wieder auferstanden ist.

Das ist also die ganze Summe von dem heutigen Evangelium, daß wir uns willig in dieses begeben sollen, wenn wir Christen sein wollen, daß wir nicht Geld und Gut, Freude und Herrlichkeit hier auf Erden davon kriegen sollen; sondern wir sollen die Welt darüber zu Feinden haben, Sünde, Tod und ein Böses Gewissen tragen. Wenn nun ein Christ solches alles leidet, daß das Herz klein und bekümmert wird, und denkt: sieh nur, wie es mir geht? Was hast du angerichtet? Du hättest wohl ein Christ sein können, und dennoch nicht in solch eine Gefahr nicht begeben dürfen. Geht es dir übel, so ist es nur deine Schuld. Wo dann die schrecklichen Beispiele mit zuschlagen, in welchem man sieht, wie leicht auch große Leute gefallen und in der Anfechtung stecken geblieben sind: da, spricht Christus, ist es Zeit, daß der Tröster komme, und wird gewiß nicht fernbleiben, sondern kommen, und euch ich lehren, daß solche Gedanken nicht von ihm sind, sondern von dem bösen Geist. Ursache, solche Gedanken schrecken und führen in Verzweiflung. Aber der Heilige Geist soll nicht schrecken, sondern trösten und einen Mut machen, und solches sollte er so tun, daß er von mir zeuge. Darum sind andere Gedanken, die Traurigkeit und Schwermut mit sich bringen, nicht von mir, sondern vom Teufel. Der Heilige Geist aber bringt und gibt tröstliche, fröhliche Gedanken, in dem, daß er von mir zeugt, daß ich für euch mein Leben gelassen, um eurer Sünde willen gestorben und um eurer Gerechtigkeit willen wieder auferstanden bin. Aus diesen Zeugnis ihr dann schließen könnt, daß ich euch nicht feind bin, euch nicht fressen noch verdammen, sondern selig machen will. Darum liegt es alles an dem Wort: «Er wird von mir zeugen.»

Das soll man besonders merken wider die Rottengeister und falschen Prediger. Denn hier ist es beschlossen, daß der Heilige Geist, wenn er trösten soll, anderes nichts tut, denn von Christus zeugen und ihn in die Herzen bilden soll. Dagegen der Böse Geist die Gewissen schreckt, den Tod und Sünde ihnen pflegt vorzuhalten; in dem muß der Heilige Geist und sein Zeugnis wehren, und durch das Wort in unsere Herzen reden und sprechen: Ach, Mensch, was tust du doch? Kannst du denn sonst anderes nicht, denn an das Sterben, Sünde und Verdammnis denken? Wende die Augen von diesem schrecklichen Anblick und sieh hierher: kennst du denn nicht einen Mann, der heißt Jesus Christus? Von dem steht so geschrieben: Er sei empfangen vom Heiligen Geist, geboren aus der Jungfrau Maria, er habe gelitten unter Pontius Pilatus, sei gekreuzigt, gestorben und begraben, in die Hölle gefahren, und am dritten Tage wieder von den Toten auferstanden, und gen Himmel gefahren. Warum meinst du, daß solches alles geschehen sei? Ist es nicht darum geschehen, daß du gegen den Tod und die Sünde dich darüber trösten solltest? Darum höre auf, dich zu fürchten, du hast keine Ursache dazu. Wenn Christus nicht bei dir und um dich wäre und solches für dich nicht getan hätte, so hättest du dann Ursache genug, dich zu fürchten. Aber er ist bei dir und um dich, wie er spricht: «Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.» Dazu hat er den Tod für dich gelitten, und sitzt dir zum Trost und zum Schutz zur rechten seines himmlischen Vaters.

Wo diese Predigt geht, da hört man des Heiligen Geistes Stimme, Zeugnis und Lehre. Was aber nach diesen Worten nicht so lautet, das mag, wo es auch sich am besten Hören läßt, Mose sein Zeugnis sein, oder es ist des leidigen Teufels, der durch seine Werkheiligen, Heuchler und Ketzer auch zeugt und predigt. Es folgt aber nichts anderes daraus, denn Angst, Schrecken und Verzweifeln. Gott wolle uns davor behüten, und bei diesen Zeugnis des Heiligen Geistes in unseren letzten Stunden erhalten, Amen.

Das ist das erste Stück des heutigen Evangeliums, vom Tröster, dem Heiligen Geist, und wodurch er die Christen trösten werde. Nun wollen wir weiter, und vom anderen Stück auch ein wenig sagen, nämlich, vom Kreuz und Verfolgung. Da ist besonders zu merken, daß Christus zu seinen Jüngern spricht: «Sie werden euch in den Bann tun»; oder, wie die Worte lauten, «aus der Synagoge und Versammlung stoßen und ausschließen.» Welche Worte zeugen, daß die, so die Christen in den Bann tun und von der Kirche ausschließen, den Titel führen und damit sich rühmen werden, daß sie die Synagoge oder die rechte Kirche sind, für die sie auch gerühmt und herrlich sein wollen, die Gott mit großem Ernst dienen. Sonst würde Christus diese Worte nicht sagen: «Es kommt die Zeit, daß, wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst daran.»

Darum ist es nötig, daß man einen Unterschied mache und lerne, daß immer zwei Kirchen sind. Eine die falsche Kirche, die doch den Namen hat, und heißt Kirche und Gottes Volk, aber sie ist es nicht. Die andere, die rechte Kirche, die den Namen nicht hat, und ist es doch.

Diese zwei Kirchen sind sehr schwer zu unterscheiden. Denn hier liegt uns das im Wege, daß wir bekennen müssen, daß auch die falsche Kirche ein Amt habe, wie man sieht. Wir bekennen frei und halten, daß der Papst und sein Haufe nicht die rechte Kirche ist; dennoch, wenn sie taufen, Kirchendiener ordnen, Ehen trauen, ist das Amt und göttliche Wort recht und kräftig; bekennen darum, daß ihre Taufe recht ist, taufen auch die Kinder nicht wieder, so von ihnen getauft sind, wie doch Cyprianus getan hat. Der war in dem Wahn, daß er es nicht für eine rechte Taufe hielt, wenn die Ketzer jemand getauft hatten, und taufte sie darum wieder. Und war das sein Grund: die Ketzer, sprach er, sind nicht in der Einigkeit der christliche in Kirche; darum können sie kein christliches Amt vollziehen. Aber dieser Grund ist falsch. Denn man muß Amt und Person auseinander halten. Einer, der in wissentlichen Sünden steckt, die wider sein Gewissen sind der ist nicht in der Einigkeit der christlichen Kirche; dennoch soll darum sein Amt, daß er in der Kirche hat, nicht verachtet werden. Ursache, es ist nicht sein, sondern des Herrn Jesu Christi Amt. Wo er aber den Befehl des Herrn Jesu Christi brechen, anders denn Christus befohlen hat, taufen, Predigen und Sakrament reichen wollte, dann hätte man Ursache, Taufe, Predigt und anderes fahren zu lassen. Wo er aber an der Ordnung Christi nichts ändert, ob er gleich seiner Person wegen böse und ein Sünder ist, das nimmt den Amt nichts.

Darum, wer diese zwei Kirchen recht unterscheiden und beurteilen will, der dafür nicht auf das Amt allein sehen; denn auch die falsche Kirche kann das Amt recht haben und führen, und ist dennoch keine Kirche; wie man sieht, daß die falsche Kirche herrlich den Namen Gottes führt und rühmt. Daran soll man sich nicht kehren. Denn da steht das andere Gebot, und lehrt uns, daß der Name Gottes auch unnütz geführt werde. Dazu bitten wir in der ersten bitte im Vater Unser, daß Gottes Name geheiligt werde; welches ist dir ein gewisses Zeichen, daß derselbe Namen von vielen auch nicht geheiligt wird. Darum, wo die falsche Kirche es macht, und mit dem Namen Gottes und der Kirche bannen und verdammen will, da sollst du sehen, daß du dich nicht erschrecken läßt, sondern einen Unterschied machst und sagst: Ich höre Gottes Namen wohl, ich führe wohl, daß du die Kirche rühmt: aber solches können auch die Unchristen. Sonst bedürfte es des Verbotes nicht, daß man Gottes Namen nicht vergeblich höre soll. Darum muß man das Urteil anders suchen, und am ersten danach sehen, ob man auch Gottes Namen recht führe und des herrlichen Namens der Kirche nicht mißbrauche.

Nun, zu solchem Urteil dient die Regel, die der Herr hier gibt, damit er die falsche Kirche sehr fein abmalt; denn die rechte Kirche nimmt sich des Schwertes und weltlicher Gewalt nicht an. Die falsche Kirche aber nimmt das Schwert in die Hand und verfolgt die rechte Kirche, wie Christus hier sagt, das «sie werde euch in den Bann tun, und der euch tötet.» Dabei kannst du ja gewiß merken, welches die falsche Kirche ist. Und noch gewisser kannst du es dabei merken, das Christus spricht: «Solches werden sie euch darum tun, daß sie weder mich, noch meinen Vater erkennen.» Das heißt, die falsche Kirche recht abgemalt. Das Amt kann sie haben, und Gottes Namen rühmen und sich damit schmücken; aber neben dem Amt und Namen Gottes hängt ihr das Unglück an, daß sie weder Christus noch den Vater kennt.

Was heißt nun Christus und den Vater kennen? Es heißt ja nicht Messe lesen, eine Kappe aufsetzen, fasten, Almosen geben, und was sonst noch an anderer Werke sind; sondern Christus erkennen heißt, daß man glaube, er sei das Lamm Gottes, daß der Welt sündigt trägt, der um unseretwillen Mensch geworden, am Kreuz den Tod für uns erlitten, gestorben und wieder auferstanden, und gen Himmel gefahren ist. Daß man sich darüber tröste und gegen Gott ein solches Vertrauen fasse, er werde um seines Sohnes willen uns gnädig und barmherzig sein. Denn das heißt, den Vater kennen: wissen, daß er wolle gnädig sein, und uns unsere Sünde um seines Sohnes Christi Jesu willen nicht zurechnen. Wo nun solche Erkenntnis ist, da ist die rechte Kirche. Wo solche Erkenntnis nicht ist, da ist die Kirche nicht, wenn sie das Amt und Gottes Name auch braucht. Darum soll und muß man besonders auf diese Erkenntnis sehen, so wird man nicht irren können.

Die Spaltung, die heute in der Kirche ist, macht sehr viel Leute irre, daß sie nicht wissen, zu welchem Teil sie sich halten sollen. Aber es fehlt ihnen an dem, daß sie auf diese Regel nicht sehen wollen. Wir predigen so, daß vor Gott uns nichts könne helfen gegen die Sünde und den Tod, denn allein das Sterben und Auferstehen Christi. Wer solches mit rechtem Glauben fasse, der werde selig. Wer es nicht fasse, er tue sonst, was er wolle, könne er nicht selig werden (wie gewaltig aber solche Lehre im alten und neuen Testament gegründet ist, hören wir zur anderen Zeit); aber was geschieht? Eben um solcher Lehre willen verfolgt uns der Papst und sein Haufe, er tut uns in den Bann, schimpft uns Ketzer und würgt uns, denn er lehrt: Wer gen Himmel kommen will, der müsse für seine Sünde selbst genug tun; Christus haben nur für die Erbsünde bezahlt; was wir aber nach der Taufe sündigen, da müsse ein jeder selbst genug für tun, mit guten Werken solche Sünde ablegen und Gottes Zorn stillen. Wie reimt sich aber solche Predigt zur Erkenntnis Christi? Denn das muß ja folgen: So Christus für die Sünde genug getan hat, so können wir nicht dafür genug tun. Gute Werke sollen wir tun; aber aus einer anderen Meinung, denn daß wir dadurch Sünde ablegen und gen Himmel kommen wollten.

Also siehst du aus dieser Regel, welches die rechte Kirche ist. Wir werden darum in den Bann getan, daß wir alle Gerechtigkeit und Gnade allein auf Christus Jesus, auf sein Sterben und seine Auferstehung setzen. Dagegen aber setzt der Papst und seine Kirche die Seligkeit auf ihre eigenen Werke, Verdienst und Genugtuung, welches auch ein gewisses Zeichen ist, daß sie weder Christus noch den Vater kennen. So wir nun das haben, daß wir Christus (Gott sei immer Lob!) recht erkennen, sie aber kennen Christus nicht, so laßt uns unerschrocken sein, und nichts danach fragen, obgleich sie, so Christus und seinen Vater nicht kennen, uns in den Bann tun, uns Ketzer und eine Teufelskirche heißen. An diesem ist uns viel mehr gelegen, daß wir den Sohn und den Vater kennen; lassen uns durch das unnütze Geplärr nicht irren, daß der Papst mit den Namen der Kirche so hoch hält und uns den Teufel gibt.

Wir können aber auf ein anderes Urteil uns trösten und warten, da nicht die Menschen mit ihrem falschen Urteil, sondern Gott selbst mit seinem rechten, wahren Urteil uns aus dem Bann heben, und für seine Kirche am jüngsten Tage vor Gott und allen seinen Engeln rühmen wird. Denn es muß doch so auf Erden gehen, wie Christus hier sagt, daß zwei Kirchen sein werden, und eine die andere bannen soll. Der Bann aber geht nicht öffentlich gegen die falsche Kirche; denn sie hat das Schwert in der Hand und kann sich mit Gewalt dagegen schützen. Wie wir am Papst sehen; welches auch ein gewisses Zeichen ist, daß er nicht die rechte Kirche sein kann; denn von der rechten christlichen Kirche steht hier, daß sie soll in den Bann getan werden. «Euch», spricht er, «werden sie in den Bann tun.» Wer sind diese «euch»? Sind es nicht unseres Herrn Christi lieben Jünger und Apostel? Die wird man bannen und töten. Wer? Die, so den Namen haben, daß sie Synagoge und Kirche sind.

So geht es auch noch heutigen Tages. Darum sollen wir uns vor solchem Bannen und Würgen nicht erschrecken, sondern wir sollen es mit Freuden annehmen, und lernen, daß es die rechte Farbe und das beste Zeichen ist für die Christen und die rechte Kirche. Doch so, daß die Erkenntnis Christi und seines Vaters vor allen Dingen auch dabei ist. Denn Wiedertäufer und andere Rotten werden auch verfolgt und leiden viel: aber sie haben die Erkenntnis Christi und seines Vaters nicht; denn sie leugnen die Zusage, welche ihnen Gott in der ersten Taufe getan hat, und richten eine neue Möncherei an, dadurch sie denken in den Himmel zu kommen und einen gnädigen Gott zu haben. Dagegen aber die rechte Kirche kennt Christus und seinen Vater, das ist, sie tröstet sich allein Gottes Güte und Barmherzigkeit durch Christus; und um solches Trostes und Hoffnung willen muß sie verfolgt werden. Das leidet sie gern; denn sie weiß, Christus hatte es hier geweissagt; darum gibt sie sich willig hin, läßt sich dem Papst und seinen Haufen uns für Ketzer und Teufelskirche rufen. Aber ihr genügt, daß sie Christus und seinen Vater kennt, und weiß, daß der Papst mit seinen Haufen, sind sie gleich noch so viel sie wollen, Christus und seinen Vater nicht kennen, sondern verfolgen; leidet darum gern mit Christus, und ist der Hoffnung, daß sie mit ihm auch in Ehren sitzen und ewig leben werden. Das verleihe uns allen unser lieber Vater im Himmel, durch seinen Sohn und den Heiligen Geist, Amen.