Andacht 8.6.2017

Phil. 2,8

„Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“

Am Kreuz ist der Sohn Gottes in die völligste Verbindung mit dem Menschen eingegangen, da hat Er es am vollkommensten erfahren, was es heißt, ein Menschensohn, ein Glied des unter dem Fluch stehenden Geschlechts geworden zu sein. Durch den Tod hat der Fürst des Lebens die Macht des Todes überwunden; und nur durch den Tod kann ich an diesem Sieg Anteil haben.

Das Leben, das Er mitteilt, ist ein Leben aus dem Tode; jede neue Erfahrung der Kraft dieses Lebens hängt von der Gemeinschaft mit seinem Tod ab. Dieser Tod und das Leben sind unzertrennbar. Jegliche Gnadengabe, die Jesus der Lebendige austeilt, kommt uns nur zu durch die Gemeinschaft mit Jesus dem Gekreuzigten. Jesus kam und nahm meine Stelle hier ein; ich muß nun seine Stelle einnehmen und dort bleiben. Es gibt nur einen Ort, der sowohl sein als mein ist – das ist das Kreuz. Ihm gehört es aus freier Wahl, mein ist es durch den Fluch der Sünde.

Wenn Jesus an meine Stelle tritt, so bleibt Er, was Er war, der Geliebte des Vaters; aber in Gemeinschaft mit mir teilt Er meinen Fluch und stirbt meinen Tod. Wenn ich an seine Stelle trete, so bin ich noch immer, was ich von Natur war, der Verfluchte der den Tod verdient; aber vereinigt mit Ihm nehme ich teil an seinem Segen und empfange sein Leben.

Liebes Kind Gottes! Das Kreuz Christi ist ein großes Geheimnis. Ich fürchte, es gibt viele Christen, die sich damit begnügen, auf das Kreuz zu schauen, wo Jesus für ihre Sünden starb, die aber wenig Verlangen tragen nach Gemeinschaft mit dem Gekreuzigten. Sie wissen kaum, daß Es sie mit seinem Kreuz vereinigt; oder sie begnügen sich damit, die gewöhnlichen Leiden dieses Lebens, die die Kinder der Welt ebenso sehr zu schmecken bekommen, als ihren Anteil am Kreuz Christi zu betrachten. Sie haben gar keinen Begriff davon, was es heißt, mit Christus gekreuzigt zu sein. Die Hingabe des eigenen Willens, die Verleugnung des Fleisches mit Wünschen und Genüssen, die Trennung von der Welt und ihrer ganzen Art zu denken und zu handeln – das sind die Kennzeichen dessen, der das Kreuz Jesu auf sich genommen hat, der danach strebt, sagen zu können: „Ich bin mit Christus gekreuzigt; ich bleibe in Christus dem Gekreuzigten.“

Wir wissen, wie Petrus Jesus als den Sohn des lebendigen Gottes erkannte und bekannte, während ihm doch das Kreuz noch ein Ärgernis war (Mt 16, 16.17.21.23). – Der Glaube an das vergebende, reinigende Blut, an die erneuernde Kraft des Lebens Jesu kann nur zur Reife gelangen, wenn die Seele unter dem Kreuz bleibt und in lebendiger Gemeinschaft mit Jesus dem Gekreuzigten danach trachtet, Ihm ähnlich gemacht zu werden.

Herr Jesus, unser gekreuzigter Erlöser, lehre uns nicht nur an dich zu glauben, sondern in dir zu bleiben, und dein Kreuz nicht nur als den Grund unserer Vergebung, sondern auch als die Richtschnur unseres Lebens anzunehmen.