Zitat 9.6.2017

Ein tugendhafter Mensch muß sehr auf die Unterscheidung bedacht sein, denn es gibt für den Unterschied zwischen Gut und Böse Kennzeichen; er muß die mancherlei Künste des Teufels, der durch schöne Vorspiegelungen viele verführt, prüfen und verstehen. Im übrigen ist es in jedem Fall nützlich, sicher zu gehen. Setze dich also nicht sofort leichtsinnig zu deiner Verführung den geistigen Erscheinungen aus, die auf dich eindringen, selbst wenn es himmlische Engel sein sollten, sondern gehe bedächtig vor und prüfe alles aufs sorgfältigste, heiße das Gute willkommen, aber weise das Böse zurück. Denn die Wirkungen der Gnade sind offenbar; die kann die Sünde nicht hervorbringen, auch wenn sie sich heuchlerisch die Maske des Guten vorbindet. Auch nach dem Apostel „weiß der Satan, sich in einen Engel des Lichts zu verstellen“, um in die Irre zu führen. Aber auch, wenn er sich mit prächtigen Visionen bekleidet, kann er, wie gesagt, keine gute Wirkung hervorbringen. Er schafft weder Gottes- noch Nächstenliebe, keine Sanftmut, Demut, Freude, Friede, Welthaß, geistliche Ruhe und Lust zu himmlischen Werken, und er kann auch nicht Leiden und Lüste beschwichtigen, was offenbar Wirkung der Gnade ist. Es heißt „die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede“ usw.; statt dessen ist er wohl fähig, Dünkel und Hochmut zu erzeugen. An der Wirkungsart wirst du erkennen, ob das geistige Licht, das in deiner Seele aufstrahlt, von Gott oder vom Satan stammt. Denn wenn die Seele scharf zu unterscheiden weiß, dann sind für sie die Unterschiede offenbar, die aus der geistigen Wahrnehmung kommen. Wie nämlich Essig und Wein einerlei Aussehen haben, aber die Kehle mittels geschmacklicher Wahrnehmung die Eigenschaften beider feststellt, so kann auch die Seele aus der geistigen Wahrnehmung und der Wirkungsweise feststellen, ob es sich um Gaben des Geistes oder um Vorspiegelungen des Anderen handelt.