Andacht 8.7.2017

Phil. 2,7

„Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch.“

Schaue unablässig die in Jesu geoffenbarte göttliche Herrlichkeit an. Welches ist das Hauptmerkmal dieser Herrlichkeit? Es ist die Darstellung der göttlichen Vollkommenheit in menschlicher Gestalt. In diesem Bild göttlicher Herrlichkeit fällt uns hauptsächlich zweierlei auf: Jesu Erniedrigung und seine Liebe. Zuerst betrachten wir die Herrlichkeit seiner Erniedrigung. Darin, daß der ewige Sohn Gottes sich entäußerte und Mensch wurde, daß Er Knechtsgestalt annahm und gehorsam war bis zum Tod am Kreuz, darin liegt die höchste Herrlichkeit Gottes. Die Herrlichkeit seiner Schöpferallmacht oder seiner Heiligkeit ist nicht so wunderbar, wie die Herrlichkeit der Gnade, wodurch Er sich zum Knecht gemacht hat, um Gott und den Menschen zu dienen. Wir müssen lernen, auf diese Erniedrigung als auf eine Herrlichkeit zu schauen, und alles, was sonst herrlich genannt werden mag, muß uns daneben als dieses Namens unwürdig erscheinen. Jesu Demut muß in unseren Augen das Allerschönste, Wunderbarste, Wünschenswerteste werden, das man sich nur denken kann; ja es muß unsere Freude werden, sie anzuschauen oder auch nur daran zu denken. Je länger wir dieses Bild anschauen und bewundern, desto mehr werden wir erkennen, daß es keine größere Ehre geben kann, als Jesu ähnlich zu sein und zu handeln, und wir werden danach verlangen, uns gleich Ihm zu erniedrigen. Das Aufschauen auf Jesus, die Bewunderung und Anbetung, die wir Ihm darbringen, wird in uns denselben Sinn wirken, der in Ihm war, und also werden wir in sein Bild verwandelt werden.

Unzertrennlich hiermit verbunden ist die Herrlichkeit seiner Liebe. Die Erniedrigung führt uns zurück auf die Liebe, als deren Ursprung und Triebkraft. Die Schönheit der Erniedrigung hat ihren Grund in der Liebe. Aber die Liebe war ein verborgenes Geheimnis, bis sie sich in Christus Jesus offenbarte. Erst als Er Mensch wurde, in Sanftmut und liebendem Erbarmen mit den Menschen, den törichten, sündigen, feindseligen Menschen verkehrte, da wurde die Herrlichkeit der göttlichen Liebe recht kundgetan. Ein Christ, der einen Blick in diese Herrlichkeit tut, wird sich danach sehnen, Jesu hierin ähnlich zu werden. Indem er die Herrlichkeit der Liebe Gottes in Christus anschaut, wird es in dasselbe Bild verwandelt.

Du möchtest Jesus ähnlich werden? Siehe, hier ist der Pfad, der dazu führt: Schaue an die Herrlichkeit Gottes in Jesus Christus. ‚In Ihm‘, das will sagen: betrachte nicht allein die Gedanken, die Worte und Werke, worin seine Herrlichkeit sich offenbart, sondern schaue auf Ihn selbst, den lebendigen liebenden Heiland. Schaue Ihn an, in sein Angesicht, als in dasjenige eines liebevollen Freundes, des lebendigen Gottes.