Gebet 27.7.2017

Gott Vater, mein Anfang und Ende in allen meinen Dingen, wie ich diese Woche mit Deiner Gnade angefangen, also habe ich sie auch durch dieselbe zu Ende gebracht. Ach, welche Dankbarkeit, welche Liebe bin ich Dir, meinem Gott, schuldig für so viele unaussprechliche Wohlthaten, die ich zwischen diesem Anfang und Ende genossen habe! Du hast mir so viel Liebes erwiesen, da ich Dich doch beleidigt habe; Du bist so lange nahe bei mir gewesen, da ich doch meine Augen so oft von Dir abgewendet; Du hast Gutes, ich Böses gehäuft. Ach, ich kann die Größe Deiner Liebe nicht genugsam begreifen, aber auch leider die Menge meiner Uebertretungen nicht übersehen! Jedoch, o barmherziger Vater, nehme ich meine Zuflucht zu Deinen allertheuersten Verheißungen. Wo meine Sünde mächtig ist, da ist Deine Gnade noch viel mächtiger. Ach, Herr, der Du das Werk Deiner Hände nicht verschmähest, was erwartest Du anders von mir armen Sünder, als ein zerknirschtes Herz, welches sich gänzlich zu Dir bekehret, und von Deiner Gerechtigkeit zu Deiner Barmherzigkeit seine Zuflucht nimmt? Laß doch heute Deine Gnade sein wie ein Abendregen! So fern der Morgen ist vom Abend, so fern laß auch meine Sünde an diesem Sonnabend von mir sein. Gieb, daß ich das Ende dieser Woche also mache, daß ich nicht ein Ende nehme mit Schrecken, wie die Gottlosen, deren Ende ist die Verdammniß; sondern laß mich aus Gnaden davon bringen das Ende des Glaubens, welches ist der Seelen Seligkeit.

Gott Sohn, meine Gerechtigkeit, Du bist des Gesetzes Ende: wer an Dich glaubt, der ist gerecht. Ich schließe mich beim Schluß der Woche in deine Wunden. Stelle mich Deinem himmlischen Vater vor in Deinem Blute; bekleide mich mit Deiner Gerechtigkeit; tilge meine Sünde durch Deine ewige Liebe. Ich befehle Dir Leib und Seele; Du hast beide erlöset, Du getreuer Gott! Zeichne mich in Deine durchgrabenen Hände! Laß heute Dein Haupt über mir voll Thaues, und Deine Locken voller Nachttropfen sein; gieb auch, daß ich allezeit unter den klugen Jungfrauen erfunden werde, und, wenn Du um Mitternacht kommst, mit dem Oel des Glaubens Dir entgegen gehen möge! Weil ich auch unter denen bin, auf welche das Ende der Welt kommen ist, so laß mich am Ende dieser Woche auf eine selige Bereitschaft bedacht sein, Deine Zukunft mit Freuden zu erwarten. Wie Du die Deinen bis an’s Ende geliebet, so bleibe auch bei uns bis an’s Ende der Welt, nach Deiner allgetreuesten Verheißung. Gieb uns Beständigkeit des Glaubens in der Liebe, und erfülle endlich Dein Wort an uns: „Wer beharret bis an’s Ende, der soll selig werden,“ – so wollen wir Dich ohne Ende rühmen dort, wo Deines Königreiches wird kein Ende sein.

Gott heiliger Geist, mein Lehrer, lehre mich heute inbrünstig beten: „Herr, lehre mich bedenken, daß es ein Ende mit mir haben muß, daß mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Bereite mich alle Abende zum Tode, und laß mich niemals in Sicherheit zu Bette gehen. Gieb, daß ich allezeit warte auf die Offenbarung Jesu Christi, welcher auch mich wird fest behalten bis an’s Ende, daß ich unsträflich sei auf den Tag seiner Zukunft. Soll ich morgen leben, so erwecke mich zu einem geistlichen Leben. Morgen ist des Herrn Fest; bereite mich dazu in heiliger Furcht. Indessen versiegle meine Ruhe heute mit der Gnade und Liebe meines Jesu. Breite Deine Flügel über alle meine Angehörigen. Sei der Traurigen Licht in der Finsterniß; erleichtere die Last aller Müden; schaffe, daß bei den Kreuzträgern die Versuchung so ein Ende gewinne, daß sie es ertragen können. Laß heute alle Menschen an ihr Ende gedenken, so werden sie nimmermehr Uebles thun.

Heilige Dreieinigkeit, Deine Jahre nehmen kein Ende; aber bei uns ist nahe kommen das Ende aller Dinge. Ach, laß es nicht gar aus sein mit uns, sondern Deine Barmherzigkeit noch kein Ende haben! Und wann sich das Ende unseres Lebens herzunahen sollte, so laß uns kommen zum Anfange der großen, himmlischen Woche, die Du Deinem Erbe verheißen hast. Laß uns sterben des Todes der Gerechten, und unser Ende sein wie das Ende der Frommen; so heißet es: ende gut, Alles gut! Amen.

So ist die Woche nun beschlossen,
Und auch zugleich der Tag verflossen.
Wer weiß, wie nah mein Ende sei?
Nimm, Jesu, mich in Deine Hände,
So komme, wann Du willst, mein Ende,
Ich warte dessen ohne Scheu.
Denn was mein Ende hier auf Erden,
Das muß mir dort der Anfang werden.