Andacht 30.7.2017

„Sie sollen Mein Volk seyn; und ich will ihr Gott seyn in Wahrheit und Gerechtigkeit.“ Sach. 8,8.

„Sie sollen mein Volk seyn,“ heißt es. Zu Seinem Volk gehören jetzt schon alle die, die im Glauben stehen, also im Glauben und in der Liebe sich mit einander vereinigen. „Er aber will ihr Gott seyn;“ denn Er tut sich ihnen kund, teilt sich ihnen mit, weiß sie durch Seinen Geist so zu stellen, daß sie sich von Ihm gespeist und getränkt und bis ins Kleinste hinein erquickt fühlen. Dabei werden alle ihre Gefühle mehr und mehr in Gott zurückgeführt, so daß sie, was sie für diese Welt fühlen, mehr und mehr hingeben können, um in dem lebendigen Gott ihr Alles zu haben, der sie aufnimmt und freundlich behandelt, und einmal aufs Allerherrlichste mit unaussprechlicher Wonne zu erfüllen bereit ist. So will Er unser Gott seyn und werden.

Der HErr will aber unser Gott seyn in Wahrheit und Gerechtigkeit, d. h. es soll alles durchaus lauten seyn, wie bei Ihm, so auch bei uns. Lauter, kann man sagen, in sich, dem Wesen nach, das ist wahr, und lauter außer sich, der That nach, das ist gerecht. Die Wahrheit ist das Richtigsein in sich, die Gerechtigkeit das Richtigsein außer sich, nach außen, gegen Andere. Eins bedingt das Andere. Sind wir innerlich wahr, frei von Lüge, Täuschung, Eigenliebe, Hochmuth, Heuchelei, – so können wir nicht anders, denn auch gerecht seyn nach außen, im Reden und Handeln. Zuerst muß der innere Mensch in die Wahrheit gestellt werden, also daß er alles richtig sieht und erkennt, sich selbst und Gott und die Menschen. Erst dann kann aus ihm etwas Weiteres werden, daß auch sein ganzer Wandel recht, er selbst gerecht wird. Wenn dagegen einem Menschen noch die Lüge ins Gesicht geprägt ist, dann darf man ihm in gar nichts trauen, und wird all sein Handeln lügenhaft und verkehrt seyn. O daß wir’s doch lernten, innerlich wahr und lauter zu seyn! Wie würde sich dann auch nach außen alles bei uns recht machen.

Zusatz: Was Gott uns seyn will, wird immer alles in dem zusammengefaßt. „Sie sollen Mein Volk seyn.“ In diesem Ausdruck liegt auch das, daß Er eine Gesammtheit will, und ein Auge darauf hat, daß die vielen Eins seyn sollen. Diese Einheit vieler soll dem HErrn als Eine Person gegenüberstehen, die Er dann Sein Volk nennt. Diese Eigentümlichkeit tritt überall im Alten Testamente hervor, daß in gewissem Sinne vor Gott die Einzelheit zurücktritt, und der Einzelne nur im Ganzen gesegnet wird. Es ist das gerade die entgegengesetzte Anschauung von der, wie wir sie jetzt gewohnt sind, da sich Jeder in seiner Einzelheit mit Gott verbunden denkt, ohne sich zugleich in der Gesammtheit geeinigt zu denken. Es drückt sich schon hierin das unechte, egoistische Fürsichseinwollen des Menschen aus. Der HErr aber wills anders, und nach Seinem Sinn sollten wir es lernen, nicht sowohl für uns, als für Alle zu leben, zu fühlen, zu hoffen und zu arbeiten. Unser Christentum bewährt sich erst dann recht, wenn wir gleichmäßig für alle fühlen, denen alles werden soll, wie uns. Darin haben wir auch am Meisten Segen, indem wir nur so vom Heiland gleichsam als Seine Mithelfer angesehen werden können, zu dem großen Ziele hin, da wirklich die ganze Menschheit Eines werden soll in Gott. Aller Eifer für die Mission hat auch seinen tiefsten, uns selbst kaum genug bewußten Grund darin, daß wir fühlen, es sollten einmal alle miteinander zumal das Heil haben und als eine Einheit vor Seinem Throne stehen, als ein zu einer Einheit verbundenes Volk.

Der dreieinige Gott will also in Wahrheit und Gerechtigreit unser Gott seyn. Damit verheißt Er, daß Er uns durchleuchten wolle, bis wir im Licht stehen, und so zu dem kommen, daß wir nicht anders denn gerecht nach allen Seiten uns zu benehmen wissen. Das ist etwas Großes, daß der HErr gegen die Lüge aufgetreten ist durch Seine Offenbarungen und durch Seinen heiligen Geist. Denn wie viel hat uns der böse Feind vorgemalt, als ob dieß und dieß und dieß das Wahre wäre, und wir waren die Betrogenen, und achteten im Naturzustand die Lüge für Wahrheit. Da ist der gnadenreiche Gort uns entgegengekommen, und hat uns die Wahrheit gebracht, daß wir wissen, wenigstens so weit es Not tut, wofür wir als für Ächtes, Wahres, Lauteres uns zu entscheiden haben. Das hat namentlich im Neuen Bunde die Folge gehabt, daß alle, die sich in diese Wahrheit stellen ließen, neue Menschen geworden sind. Deßwegen wird es so bezeichnend vom Heiland gesagt. „Ich sende euch den Geist der Wahrheit, der wird euch in alle Wahrheit leiten,“ und. „die Wahrheit wird euch frei machen.“ Alles hängt an dem, daß wir innerlich mit lauterer Wahrheit durchleuchtet werden Dann kommt die Freiheit von der Sünde und Ungerechtigkeit; und das Ende von allem ist, daß sich Gott mit uns vereinigen kann zu ewiger Freude und Wonne, da wir in vollem Sinne werden Sein Volk seyn, und Er unser Gott, – alle zusammen Eines in Ihm.

Mel. Lobe den Herren, o meine Seele.
Selig, ja selig ist der zu nennen,
Des, Hilfe der Gott Jakobs ist,
Welcher vom Glauben sich nicht läßt trennen,
Und hofft getrost auf Jesum Christ.
Wer diesen HErrn zum Beistand hat,
Findet am besten Rat und That.
Hallelujah!