Andacht 6.8.2017

„Und er lege seine Hand auf des Brandopfers Haupt, so wird es angenehm sein und ihn versöhnen.“ (3. Mose 1,4)

Daß unser Herr „für uns zur Sünde gemacht“ ist, wird in unsrer Schriftstelle sehr bezeichnend dargestellt durch die Übertragung der Sünde auf den Farren des Sündopfers, welche von den Ältesten des Volkes vollzogen wurde. Das Auflegen der Hand bezeichnete nicht bloß ein einfaches Berühren, denn in einigen andern Schriftstellen schließt das ursprüngliche Wort den Sinn eines schwer lastenden Anlehnens in sich, wie es etwa der Ausdruck bezeichnet: „Dein Grimm drückt mich“ (Ps. 88, 7). Und dies ist gewiß auch das eigentliche Wesen und die wahre Natur des Glaubens, welcher uns mit dem großen Stellvertreter nicht bloß in Berührung bringt, sondern uns lehrt, uns mit der ganzen Last unsrer Schuld auf Ihn zu lehnen. Jehovah ließ auf das Haupt des Stellvertreters alle Sünden seines Bundesvolkes übertragen, aber jeder einzelne Auserwählte wird besonders hergebracht, um diese feierliche Bundeshandlung persönlich anzuerkennen, wenn er von der Gnade gewürdigt wird, daß er durch den Glauben seine Hand darf legen auf des Haupt „des Lammes, das erwürgt ist, von Anfang der Welt“.

Gläubige Seele, gedenkst du des entzückenden Tages, da du zuerst Vergebung empfangen hast durch Jesum, den Sündenträger? Darfst du nicht freudig bekennen und sagen: „Meine Seele denkt mit Wonne an den Tag ihrer Erlösung zurück. Mit schwerer Schuld beladen und von Furcht gequält erblickte ich meinen Heiland als meinen Bürgen und Stellvertreter, und ich legte meine Hand auf Ihn; ach, wie furchtsam im Anfang! aber der Mut wuchs, und mein Vertrauen befestigte sich, bis daß ich endlich meine Seele ganz auf Ihn lehnen konnte, und nun ist es meine unaufhörliche und unnennbare Freude, daß ich weiß, meine Sünden werden mir nicht länger zugerechnet, sondern sind auf Ihn gelegt“. Und wie der barmherzige Samariter von den Schulden seines verwundeten Pfleglings sagte, so spricht auch der Herr Jesus von meiner künftigen Sündenschuld: „Und so du was mehr wirst dartun, will ich es bezahlen.“ O, selige Entdeckung eines dankerfüllten Herzens!

„Du hast mein Elend überdacht
Dich für mich zur Sünde
Aus Liebesglut gemacht!“