Andacht 12.8.2017

Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben übergegangen sind, denn wir lieben die Brüder.
1. Joh. 3,14

Die brüderliche Liebe,, die aus dem Glauben kommt, wohnt dann beständig in dem Gläubigen, wenn er mit Christo verbunden bleibt und auf ihn blickt. Statt sich kalt und verächtlich von seinen Brüdern abzuwenden, wenn er ihre Gebrechen wahrnimmt, oder wenn sie nicht in allen Punkten seine Ansicht teilen, sieht er sie nur in Christo an; er schätzt und liebt in ihnen Glieder am Leibe Christi. Er sieht in ihnen Brüder und Miterben, die des gleichen Geistes und der gleichen Hoffnung mit ihm teilhaftig geworden sind, die den gleichen Vater und den gleichen Heiland haben und mit ihm nur einen Leib bilden – Brüder, die, wie er selber, nur von Christo und durch ihn leben. Diese Lebensgemeinschaft ist das einzige, was Liebe erzeugt. Sobald der Christ sich in seiner eigenen Heiligkeit oder in seinem besonderen Lichte betrachtet, sobald er bei sich selber verweilt, so fällt er einem Geist der Lieblosigkeit und der Zwietracht anheim. Die anderen Christen werden ihm gleichsam Nebenbuhler, die er geringschätzt oder beneidet. Sobald er sich aber in Christo und in dem, was er mit anderen Christen gemein hat, betrachtet, so wird er geneigt, sie zu lieben und zu tragen, und auch die Geringsten unter ihnen erscheinen ihm nötig zum Wohl des Ganzen. Das Ich entzweit – Christus vereinigt. Das Lied der Erlösten im Himmel, wo die Liebe vollkommen ist, hat daher nur einen einzigen Gedanken, den sie alle unter sich gemein haben: „Du hast uns erkauft mit deinem Blut.“ In diesem einen Gedanken, der ihre Lust und der Gegenstand ihrer Loblieder ist, sind ihre Herzen und ihre Stimmen in Übereinstimmung.

Ihr Christen, Kinder des nämlichen Vaters, redet lieber nicht so viel von Einigkeit und strebet desto mehr nach dem, was sie herbeiführt! Hanget mehr an Christo, weniger an euren besonderen Ansichten, so werdet ihr euch zu allen denen hingezogen fühlen, die Christi sind; und der nämliche Zug wird auch sie alle zu euch ziehen.