Andacht 19.8.2017

Ich glaube, HErr, hilf meinem Unglauben.
Mark. 9,24.

Ein Jude hatte seinen mondsüchtigen Sohn zu den Jüngern Jesu gebracht und sie gebeten, den bösen Geist, welcher die Ursache seiner Krankheit war, von ihm auszutreiben. Es war aber dieser Geist von einer besonderen argen und starken Art, daß die Jünger nichts wider ihn vermochten. Als nun der HErr Jesus dazu kam, sah Ihn der Vater dieses Sohnes als einen Menschen an, der vielleicht ein wenig mehr vermöge als seine Jünger, war aber dabei in einer großen Ungewißheit und Verlegenheit. Er sagte also zu Ihm: kannst du aber was, so erbarme dich unser, und hilf uns. Der HErr Jesus sprach aber mit Worten, die voll Kraft waren, zu ihm: wenn du könntest glauben. Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubet. Diese Worte drangen dem Juden tief in’s Herz. Er erkannte, er fühlte, daß er sich durch seinen Unglauben versündigt habe, daß seine Worte die Ehre des HErrn Jesu angetastet haben, und daß er zu Ihm ein Vertrauen fassen müsse, wenn er seiner Barmherzigkeit froh werden wolle. Es wurde auch eben damals ein solches Vertrauen in ihm angezündet, wobei er aber doch noch seinen Unglauben fühlte. Indem er also in einem innerlichen Kampf und Gedränge stand, schrie er mit Thränen: ich glaube, HErr, hilf meinem Unglauben; das ist: erlöse mich von meinem Unglauben, hilf mir zum völligen Sieg über meinen Unglauben.
Der Glaube ist nicht Jedermanns Ding, das ist, er wird nicht in Jedermann gepflanzt, und kann nicht in Jedermann gepflanzt werden, weil Viele dem Geist widerstreben, und zuletzt sich selbst zum Glauben untüchtig machen. Wo er aber gepflanzt ist, da ist noch Unglaube neben ihm. Ach das menschliche Herz ist so verwundert und erschreckt, und wird durch Nöthen und Sünden in eine solche Furcht gesetzt, daß es nie so völlig glaubt, als es glauben sollte; sein Glaube ringt immer noch mit einem Unglauben. Niemals ist sein Glaube so groß, so fest, so weit ausgebreitet, als die in Christo Jesu erschienene Liebe Gottes, als die im Evangelium uns zugesicherte Gnade Jesu Christi, und als der uns im Wort Gottes versprochene Beistand des Heiligen Geistes. Die Gerechtigkeit Gottes, das ist Deine Gnade, die Er in der rechten Ordnung erzeigt, steht wie die Berge Gottes (Ps. 36,7.). Aber unser Glaube ist wie ein kleines Blümlein am Fuß eines solchen Berges, oder wie ein schwaches Auge, das den Gipfel dieser Berge nicht sieht. Der HErr hält mich bei meiner rechten Hand, und die Kraft, womit Er mich hält, ist unermeßlich: aber meine rechte Hand, und die Kraft, womit Er mich hält, ist unermeßlich: aber meine rechte Hand, das ist mein Glaube, ist wie die Hand eines Kindes, dessen Sicherheit nicht darauf beruht, daß es seinen starken Führer hält ( wiewohl es ihn auch halten muß), sondern vielmehr darin, daß es von ihm gehalten wird. Das Bekenntniß: ich glaube, ist wichtig und nöthig. Den Unglauben halte man für gefährlich. Wenn er überhand nimmt, und den Glauben verdrängt, so ist die Seele verloren. Es ist also nöthig, daß man den HErrn Jesum bitte: hilf meinem Unglauben, oder meiner Seele, die bei dem Glauben auch noch unglaubig ist; errette mich von meinem Unglauben. (Magnus Friedrich Roos)