Andacht 31.8.2017

Kann auch ein Weib ihres Säuglings vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen. (Jes. 49,15)

Sehet eine Mutter, mit welcher Zärtlichkeit sie über ihr krankes Kind wacht! Wie sie seine Beängstigungen zählt, wie sie auf seine Blicke späht, um seine geringsten Wünsche zu errathen! Wie das Schreien des Kindes ihr das Herz zerreißt! Mit welcher Aengstlichkeit sie ihm Erleichterung zu verschaffen sucht! Wie sie die Hand segnet, die ihr ein Heilmittel bringt, von dem sie sich irgend einen Erfolg verspricht! Wenn ein Kind leidet und es hat noch eine Mutter, so ist sie es, wonach es verlangt; sie ist es, wohin es gehen will; sie ist es, zu der man es bringen muß, damit es sich wohl fühle. Als das Kind der Sunamitin auf dem Felde plötzlich krank wurde und ausrief: „O mein Haupt! mein Haupt!“ alsbald sagte der Vater des Kindes: „Bringet es zu seiner Mutter!“ – Liebe Kinder Gottes! dies Wort eines Vaters sei unsre Unterweisung! In all unsern Bedürfnissen, Leiden und Kämpfen wollen wir uns darauf besinnen, daß wir Einen im Himmel haben, der mächtiger, weiser, zärtlicher ist, als eine Mutter; denn Er hat es selbst gesagt, und Er kann nicht trügen. Wenn unser armes Herz krank und leidend ist, wenn die Versuchung uns mit ihrem Gewichte erdrücken will, wenn wir nicht wissen, wo wir Ruhe und Trost suchen sollen, dann laßt uns unser Herz mit all seinen Seufzern und Leiden zu Dem bringen, der gesagt hat: „Ich will euch trösten, wie Einen seine Mutter tröstet.“ Wir wollen unser Herz vor Ihm ausschütten, wollen Ihm in der Bekümmerniß unserer Seele unsere Klage kund thun; denn „Er ist nahe denen, die ein zerrissenes Herz haben, und hilft denen, die niedergeschlagenen Gemüthes sind“. Müßte Er auch dazu Meer und Trockenes, Himmel und Erde in Bewegung setzen, – Er wird es Einem Seiner Kinder zu Liebe thun. Alle Creaturen müssen auf Sein Geheiß mitwirken zum Besten Derer, die Ihn lieben. (Ps. 62)