Andacht 14.9.2017

Liebe Brüder,“ schreibt der Apostel 1 Petr. 2,11.12: „ich ermahne euch als die Fremdlinge und Pilgrimme: Enthaltet euch von fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten; und führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf daß die, so von euch afterreden als von Uebelthätern, eure guten Werke sehen, und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird.“ Christen müssen sich als die Fremdlinge und Pilgrime auf Erden ansehen und verhalten. Ihr Leben auf Erden ist nur ein kurzer Aufenthalt und Durchgang. Sie sind, gleich allen Menschen, wie die Auswanderer, die ihr leibliches Geburtsland verlassen. Sie gehen dahin den Weg alles Fleisches durch die Zeit in die Ewigkeit. Sie wissen und sind sich’s bewußt, daß hier ihres Bleibens nicht ist. Seit Adam haben zwar viele auf Erden gewohnt, aber keiner ist da wohnen geblieben, alle sind nur wie die Miethsleute gewesen, haben nach einander ausziehen, ihre Wohnung, ja ihre Güter andern überlassen, und nackt und bloß dahin fahren müssen, wie sie in die Welt gekommen sind. Aber Christen sehen sich doch noch aus einem anderen Grün- de als die Fremdlinge und Pilgrime auf Erden an. Ihre Fremdlingschaft und Pilgrimschaft beruht nicht blos darauf, daß ihnen nicht blos um der Sünde willen gesetzt ist zu sterben, wie Moses sagt: „Das macht dein Zorn, daß wir so vergehen, und dein Grimm, daß wir so plötzlich dahin müssen;“ sondern darauf, daß sie, als wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung, ihre Heimath im Himmel haben. Dem Sohne Gottes, der für sie ein Fremdling und Pilgrim geworden ist, haben sie es zu danken, daß sie Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen geworden sind, und ihnen ein unvergängliches, unbeflecktes und unverwelkliches Erbe im Himmel behalten ist. Sie sind nicht wie die anderen, welche keine Hoffnung haben, welche entfremdet sind von dem Leben, das aus Gott ist; welche in Sünden dahin fahren, und eben deßhalb auch so ungern bedenken, daß sie davon, und alles dahinten lassen müssen. Christen wissen, an wen sie glauben, und sind gewiß, daß ihre Fremdlingschaft und Pilgrimschaft ihnen nicht Strafe, sondern Gnade, nicht Schaden, sondern Gewinn ist; daß sie dem Herrn wallen, und ihnen beim Ausgange aus der Zeit reichlich dargeboten wird der Eingang zu dem ewigen Reich ihres Herrn und Heilandes Jesu Christi. Sie wissen, daß, so ihr irdisches Haus dieser Hütte gebrochen wird, sie einen Bau haben, von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. Darum dulden sie auch hienieden den Raub ihrer Güter mit Freuden, als die da wissen, daß sie bei ihnen selbst eine bessere und bleibende Habe im Himmel haben. Kurz, weil ihr Vaterland, ihr Vaterhaus, ihr Kindestheil und Erbe im Himmel ist, darum sehen sie sich gern an als die Fremdlinge und Pilgrime auf Erden und sagen: „Herr, ich bin beides, dein Pilgrim und dein Bürger, ich habe hier keine bleibende Statt, sondern die zukünftige suche ich, und bin getrost und habe Lust, außer dem Leibe zu wallen und daheim zu sein bei dir!“ – Aber nicht blos ansehen, sonder n auch verhalten sollen sich die Christen als Fremdlinge und Pilgrime auf Erden. Weil die fleischlichen Lüste wider die Seele streiten, weil sie vom Wege des Lebens zurückhalten oder im Laufe nach dem vorgesteckten Ziele aufhalten; so sollen sie sich derselben enthalten. Und weil sie nicht blos in der Welt, sondern der Welt selbst Fremdlinge sind, ihr fremd in Sprache, Sitten und Benehmen, daß man sie mit Befremdung betrachtet und scharf ins Auge faßt – so sollen sie einen guten Wandel führen, sollen züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, ihr zum Zeugniß, sich selbst aber zu desto freudigerer Pilgerschaft.