Predigt gehalten am 19. Sonntag nach Trinitatis

Gigas, Johann – Predigt auf den neunzehnten Sonntag nach Trinitatis über Matth. 9 (1-8).

In dieser Historia, liebe Christen, sehen wir auch unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi Freundlichkeit und Allmächtigkeit. Seine Freundlichkeit und Gütigkeit beweiset er ja reichlich in Dem, dass er den armen Menschen, welchen die Gicht jämmerlich zerrissen und gelähmt hatte, so willig und bald gesund macht und zu ihm spricht: Sei getrost, mein Sohn und Bruder, dir sind deine Sünden vergeben! Hilft ihm an Leib und Seele.

Also ist er auch gegen Alle gesinnt, die bei ihm Hilfe suchen, denn da ist kein Ansehn der Person. Actor. 10. Er spricht: Kommet Alle zu mir, die ihr krank, arm, elend, mühselig und beladen seid; ich will euch helfen, ich will euch alle Zeit eure Sünden vergeben, ich will euch auch leiblich helfen, wenn’s euch wird gut und nützlich sein!

So beweiset er ja auch seine Allmächtigkeit gewaltiglich in dreien Stücken: 1. Er vergiebt Sünde aus eigener Kraft und Gewalt. 2. Er macht den Gichtbrüchtigen gesund ohne Mittel und Arznei. 3. Er siehet den giftigen, tückischen, argwöhnigen Schriftgelehrten in’s Herz, er kennt und weiss ihre Gedanken.

Wir wollen diese Lection postilliren; denn sie voll guter Lehre und rechten Trostes ist.

I.

Und der Herr trat in das Schiff und fuhr wieder herüber und kam in seine Stadt.

Dies geht auf das vorhergehende Capitel. Da der Herr Jesus in der Gegend der Gergesener die Teufel von den zweien Besessenen austrieb, und die Teufel aus Christi Erlaubniss in die Heere Säue fuhren, und dieselben in das Meer stürzten, baten die Einwohner des Landes den Herrn, dass er von ihrer Gränze weichen wollte (denn ihre Schweine waren ihnen lieber, als Christus mit seinem Evangelio). Der Herr weichet bald, wie Paulus und Silas, Actor 16, und kommt in seine liebe Stadt Capernaum, Marc. 2., da er das römische Bürgerrecht gewonnen und gern seinen Aufenthalt hatte bei seinen lieben Freunden, dem Schulmeister und Hauptmann, dieweil ihn seine ungütigen, undankbaren Landsleute zu Nazareth ausgestossen hatten. Luc. 4. Hieraus Christen und sonderlich Prediger zu lernen und Trost zu fassen haben, wenn man sie hinwegziehen heisst, dass sie es thun und ihnen keinen Anhang, noch Meuterei machen sollen; sie werden auch an andern Orten ihren Enthalt bekommen und nicht Hungers sterben. Da man den Herrn Christum zu Jerusalem und Nazareth nicht leiden wollte, fand er gute Freunde zu Capernaum und Bethanien.

II.

Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchtigen, der lag auf einem Bette.

Als nun der Herr zu Capernaum predigt und Wunderzeichen thut, geht Solches ohne Frucht nicht ab. Etliche Bürger erkennen ihn als den verheissenen Heiland und Schlangentreter und glauben an ihn. Solche Leute sehen einen armen Menschen, welchen die Gicht also zugerichtet und gelähmt hatte, dass er weder stehen, gehen, noch zugreifen konnte. Dess nehmen sie sich herzlich an, tragen ihn zum Herrn, und da sie vor dem Volk nicht wohl fürkommen können, steigen sie auf’s Haus, darinnen Christus war, graben und heben das Dach auf und lassen den Bettriesen hernieder zu dem Herrn. Marc. 2. Luc. 5.

An diesen gläubigen Trägern sollen wir uns spiegeln und ihnen nachfolgen. Wenn wir gesund und frisch sind, sollen wir Gott herzlich danken, und wenn wir arme, gebrechliche Leute sehen, sollen wir sie nicht betrüben, verachten oder verlachen, sie lahme Schelme, blinde oder taube Tropfe nennen, Levit. 18., sondern herzlich Mitleiden mit ihnen haben und ihnen nach unserm Vermögen willig und gern dienen, wie diese vier gläubigen Bürger zu Capernaum dem Gichtbrüchtigen gedient haben. Denn hie wird uns fein abgemalt die Art des rechten und sieghaftigen Glaubens, welcher durch die Liebe thätig ist, Gal. 5., welcher ausbricht und nicht allein bleibt, ob er wohl allein selig macht. Denn durch den Glauben an Christum bekommen wir Gnade und Gabe, das ist, gnädige Vergebung unserer Sünde und den heiligen Geist, der uns zum Guten beweget, dass wir in neuem Leben und angefangenem Gehorsam wandeln und in allerlei guten Werken uns üben. Derwegen, wenn du viel und lang vom Glauben plapperst und fährst in Sünden muthwillig fort und trägst Zorn in deinem Herzen gegen deinen Nächsten, hilfst und dienst Niemand, so bist du ein Titel- und Maulchrist und Wasserrehe, welcher Leute jetzt leider viele sind, die sich selbst betrügen; denn wo der lebendige, selig machende Glaube ist, da ist auch der heilige Geist, da folgen auch gute Früchte. Gal. 5.

III.

Da nun Jesus ihren Glauben sah.

Da sehet ihr, was frommer Glaube und frommes Gebet vermag, und wie weit sich’s erstreckt. Wahr und gewiss ist, dass der Gerechte seines Glaubens lebt, und ein Jeder durch seinen eigenen Glauben muss selig werden, Habac. 2., Joh. 3, und dass ein Jeder Gott selbst anrufen soll. Aber gleichwohl können rechte Christen oft durch ämsig Gebet andern Leuten bei Gott Viel erlangen, wie hie der Herr dieser vier gläubigen Menschen Seufzern und Begehren ansiehet und erhöret. Derhalben sollen wir das gemeine Gebet, sonderlich gottesfürchtiger Leute, hoch und theuer achten; denn des Gerechten Gebet vermag Viel. Jacob. 5. Ihr wisset, wie Augustinus seiner Mutter Monicae Gebet genossen hat, und wie durch St. Pauli starkes Vaterunser 276 Menschen auf dem Wasser sind beim Leben erhalten worden. Actor. 27.

Darum, lieben Freunde in Christo, ziehet an herzlich Erbarmen und nehmet euch eures Nächsten Noth an. Bittet nicht allein für euch, sondern schliesset eurer Mitchristen Anliegen in euer Vaterunser. Jacob. 5. Wenn man die Kinderlein zur Taufe bringet, wenn man nach gehaltener Predigt mancherlei Noth unserer Mitbrüder und Nachbarn gedenkt, seufzt und betet ja mit Ernst und lasset die Epicurer und Spötter fahren, welche Nichts oder gar Wenig von dem gemeinen Gebete halten. Es sind in dieser Versammlung ohne Zweifel Christen, die Gott in der Wahrheit und im Geist fruchtbarlich anrufen.

IV.

Sprach er zu dem Gichtbrüchtigen: Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.

Da sehen und hören wir, dass der Gichtbrüchige auf seinen eigenen Glauben absolviret wird und durch seinen eigenen Glauben gnädige Vergebung aller seiner Sünden bekommt.

Das ist das fürnehmste Stück in dieser Historie, dass wir, wie David, Paulus und alle heiligen Propheten zeugen (Actor 10), aus pur lauter Gnade allein durch den Glauben, welcher Christum ergreift und das Gewissen stillet, vor Gott bestehen, gerecht und selig werden. Diese Lehre ist dem natürlichen Menschen verborgen und entgegen, derwegen sie auf’s höchste alle Zeit angefochten worden ist und noch heute von unsern Widersachern, den römischen Haufen, angefochten und verdammt wird, welche lehren, der Glaube mache nicht allein selig, sondern Glaube und Werke mit einander, und dieweil wir nicht wissen, wenn wir genugsam gute Werke gethan haben, heissen sie uns an Vergebung unserer Sünden zweifeln, welches Beides fürwahr erschrecklich ist; denn unsere Werke sind weder totalis noch partialis causa nostrae salutis, sondern allein das Verdienst und einig vollkommene Opfer Jesu Christi, im Glauben ergriffen, wie solches St. Paulus als ein rechter und erfahrner Meister im Heiligthum Gottes mit heiliger Schrift, mit Abraham’s und David’s Exempeln und seiner eigenen Erfahrung erweiset und erhellt. So auch bussfertige Sünder an Vergebung ihrer Sünden zweifeln sollen, warum haben sie den theuern Eid des Herrn Ezechielis 33? Warum haben sie den Geist der Gnade und des Gebets und neben dem Worte der Wahrheit die heiligen Sacramente? Warum spricht St. Paulus Röm. 5.: Nun wir sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Friede mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum?

Lass du dich den heiligen Geist um deine Sünde frisch salzen und strafen und beweine sie herzlich und halte dich in eigenem wahren Glauben zu deinem Herrn und Erlöser Jesu Christo, so wird er auch zu dir sagen oder durch seine Diener und Legaten sagen lassen: Sei getrost, mein Sohn, meine Tochter, dir sind alle deine Sünden vergeben! und lass dich deine Unwürdigkeit, deine grosse und mannichfaltige Sünde nicht abschrecken, sondern halte an und schreie aus deiner Tiefe mit David: Oh bei uns ist der Sünden Viel, bei Gott ist viel mehr Gnade; seine Hand zu helfen hat kein Ziel, wie gross auch sei der Schade.

Lasset uns ja, geliebte Christen, unserm Gott herzlich danken, dass wir diese selige, tröstliche Lehre von gnädiger Vergebung unserer Sünden allein um Christi Fürbitte und Verdienstes willen wiederum rein und richtig haben. Denn was ward im Papstthum gelehret? Des Herrn Christi Verdienstes und des lebendigen Glaubens, der Christum fasset, ward vergessen. Die Leute wurden auf ihr eigen Verdienst, auf der verstorbenen Heiligen Fürbitte, auf geweihetes Salz und Wasser, auf Wallfahren und Ablassbriefe gewiesen. Da war wenig rechtes Trostes für betrübte Gewissen und jammerige Seelen. O wenn unsere lieben Vorfahren solch helles Licht gehabt hätten, wie würden sie ihrem Gott und Vater dafür gedankt und fleissig sich zur Kirche gehalten haben!

Hie fragen nun Etliche: Sind denn Alle, die unterm Papstthum gelebt haben, verdammt worden? Antwort: Nein, denn wie zu den Zeiten Eliä und Elisä heiliger Same blieben ist, also sind auch unterm Antichrist, dem Menschen der Sünde, Christen gewesen und werden Christen bleiben, der boshaftige, listige Satan und seine Engel und Werkzeuge greifen’s an, wie sie wollen; sonst wäre der Artikel unseres christlichen Glaubens falsch: Ich glaube eine heilige, christliche Kirche. Im Papstthum sind ja die Kinderlein auf Christi Blut und Tod getauft und selig worden. So haben auch viele einfältige Leute Christum auf dem Todbette ergriffen, wenn man ihnen ein Crucifix gewiesen und den christlichen Glauben fürgesprochen hat. Es sind auch die alten reinen christlichen Gesänge „ein Kindelein so löblich“, „Christ ist erstanden“ ohne Frucht nicht abgegangen. Ja, auch mitten unter den Päpsten sind alle Zeit heimliche Jünger und Nicodemi gewesen, welche des Antichrist Lügen und Betrug erkannt und von seinem Ablasskram und Götzendienst Nichts gehalten und sich allein Christi Menschwerdung, Blutes und Todes und Auferstehung getröstet haben. Da zween Barfüsser-Mönche Herzog Ernsten von Sachsen, welcher zu Magdeburg Bischof gewesen, in seiner Krankheit mit ihres ganzen Ordens Werken getröstet haben wollen, soll er zu ihnen gesagt haben: Ich tröste mich allein meines lieben Herrn und Heilandes Jesu Christi, wie Bernhardus.

V.

Und siehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott.

Ist das nicht grosse Blindheit? Die grossen Doctores und Raben oder Rabbinen bei den Juden wissen und glauben nicht, dass ihr Messias wahrer Gott sein und ihnen von Sünde und aus dem Tode helfen soll, sie gedenken kurzum durch ihre Opfer selig zu werden, welche doch nur Bedeutung waren des rechten Brand-, Schuld- und Versöhnopfers Jesu Christi, Gottes Lammes.

In Summa, die klugen Leute suchen und finden in Mose und den Propheten nur das Gesetz, welches sie doch nicht recht verstehen. Aber die gnädigen, tröstlichen Verheissungen um des Messiä willen können sie nicht finden, so sie doch eben so wohl darinnen stehen, als das Gesetz, wie der schöne Dialogus Urbani Regii fein ausweiset.

VI.

Da aber Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denket ihr so Arges in euren herzen? Welches ist leichter zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandle? Auf dass ihr aber wisset, dass des Menschen Sohn Macht habe auf Erden, die Sünde zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchtigen: Stehe auf, hebe dein Bette auf und gehe heim.

Das ist des Herrn Christi Meinung: Ihr gläubet nicht, dass ich der verheissene Messias sei, und dass ich diesen armen Menschen von allen seinen Sünden erledigt und losgesprochen habe. Wenn ich ihn am Leibe gesund machte, wolltet ihr mir eher Glauben geben. Nun, es soll daran auch nicht fehlen, dieweil ihr wollet die Augen gefüllt haben. Ich bin der rechte Israels Arzt; ich kann Leib und Seele helfen. Darum spricht er zu dem Gichtbrüchtigen: Nimm dein Bette und gehe heim; macht ihn ohne Arzenei, allein durch sein allmächtiges Wort, gesund. Da werden die Heuchler schaamroth und verstummen. Hie betrachten wir billig die feine Ordnung, die der Herr mit seinem Patienten hält. Erst vergiebt er ihm (wie ihr gehöret) seine Sünde, darnach hilft er ihm auch leiblich. Erstlich nimmt er die Hauptursache der Krankheit hinweg, nämlich die Sünde, darnach hilft er auch äusserlich. Er thut wie die guten erfahrenen Physici, die schreiben nicht bald Recepte in die Apotheken, sondern sehen erst und erlernen mit Fleiss, woher die Krankheit ihren Ursprung habe, und nehmen vor allen Dingen hinweg materiam peccantem; dann cessante caussa cessat et effectus. Darum ist’s auch fein, wenn Jemand in Krankheit fällt, dass er erstlich seiner Krankheit Ursach betrachtet, seine Sünde beseufzt und wahre Busse thut und darnach in Gottes Namen ordentliche Mittel gebraucht. Das that der König Assa nicht (2. Chron. 16), sondern kehrt’s um; er suchte in seiner Krankheit nicht den Herrn, sondern die Ärzte, derhalben er auch sterben und verderben musste. Aber der König Ezechias griff’s recht an, erkannte und bekannte vor allen Dingen seine Sünde und Übertretung und suchte Gnade bei dem Herrn; darnach liess er aus Rath seines Predigers und Arztes Esaia ein Pflaster von Feigen aus seine pestilenzischen Drüsen legen und ward gesund und lebte noch fünfzehn Jahre. Esaiä 36.

Derwegen giebt Sirach eine schöne Regel Cap. 38. Mein Kind spricht er, wenn du krank bist, bitte den Herrn und lass von der Sünde, opfere süssen Geruch und gieb ein feist Opfer, als müsstest du davon, darnach lass den Arzt zu dir.

Es fällt aber hie diese Frage für: Warum befiehlt der Herr seinem Patienten, welchem er aus Gnaden geholfen hatte, sein Bette zu tragen? Antwort: Führwahr, nicht darum, dass er damit für seine Sünde genugthun soll, wie es die Baalspfaffen deuten, sondern zur väterlichen Erinnerung und Warnung, dass er hinfort vor Sünden sich hüten und der empfangenen Wohlthat nicht vergessen soll, wie uns auch Solches David’s Historie lehret. Da er wahre Busse that, bekam er gnädige Vergebung aller seiner Sünden und ward von seinem Hofprediger Nathan tröstlich absolvirt. Aber gleichwohl ward er auf Erden durch die Kohlen gezogen, bekam ein Kreuz nach dem andern, nicht darum, dass er für seine begangene Sünde damit genugthun sollte, sondern dass er sein Leben lang an seinen schweren Fall gedenken und hinfort fürsichtiger wandeln und Gottes Güte rühmen und preisen sollte, und dass andere Leute von Sünden möchten abgeschreckt werden. Darum auch solch Kreuz und Plage paterna castigatio et admonitio et exercitium fidei eigentlich genannt wird. Dies erwähne ich hier gerne um der Papisten willen, welche ihren Beichtkindern nach der Absolution Dies und Jenes pflegen aufzulegen, damit für ihre Sünde genug zu thun, welches fürwahr eine schrekliche, trostlose Lehre und ganz und gar wider Christi Verdienst ist. Wir haben nicht einen solchen Gott, der dir deine Sünde nicht ganz und gar vergeben wollte. Der alte Vers sagt: Larga Die pietas veniam non dimidiabit. Thu du wahre Busse, beichte geradezu und halte Gott sein Wort und Zusage vor um Christi willen, so bekommst du wahrhaftig Vergebung aller deiner Sünden und wirst erledigt von Schuld und ewiger Pein. Jeremiä 31. Ps. 32 u. 103.

VII.

Und er stand auf und ging heim. Da Das das Volk sah, verwunderte es sich und preisete Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat.

Hie sehen wir, dass Gottes Wort, wie Esaiä 55. geschrieben stehet, nicht leer abgeht, obwohl die Pharisäer und Schriftgelehrten den Herrn nicht annehmen, sondern lästern und schmähen. Jedoch hören und erkennen ihn diese guten, einfältigen Leutlein als den verheissenen Heiland und danken ihm für die heilige Absolution.

Diesen Trost lasset uns auch recht fassen. Obwohl Epicuräismus sehr überhand nimmt, und bei vielen Leuten Gottes Wort nicht haften noch fassen will, soll es doch ohne Frucht nicht abgehen, und unsere Arbeit soll nicht vergebens sein im Herrn. 1. Corinth. 15.

Lasset uns auch dem Herrn danken für das heilige Schlüsselamt, welches er uns Schwachgläubigen zu Trost eingesetzt hat. Johann. 20. Dies sind die rechten Ablassbriefe. Wenn wir nach unserer Taufe in dieser schlüpfrigen Welt straucheln und unser Westerhemdlein besudeln, sollen wir mit der Busse nicht procrastiniren, noch aufziehen, sondern uns im eigenen wahren Glauben zu Jesu Christo, dem rechten Seelenarzte, halten und uns auf seinen Befehl, auf sein Blut und Tod, von Sünden lossprechen lassen.

Derhalben, geliebte Christen, lasset uns auch die bethörten Wiedertäufer, Schwenkfelder und andere Flattergeister nicht berücken, noch irre machen, welche sehr höhnisch von der heiligen Absolution reden, auch schreien und schreiben, dass wir Kirchendiener uns für Götter aufwerfen, Gott in sein Amt fallen, welcher allein Sünde vergeben kann, so sie doch hören und wohl wissen, dass wir nicht für unsere Person, sondern auf Christi Befehl und als seine Diener die bussfertigen Sünder und Sünderinnen von ihren Sünden absolviren, ledig und lossprechen. Christus ist der Herr, der aus eigener Macht Sünde vergiebt und die Absolution spricht, wir aber sind seine Pedellen und Diener, richten uns nach seiner Instruction und nach seinen Credenzbriefen.

Thust du wahre Busse, so sprechen wir dir aus Christi Befehl und auf sein wahres Wort die Absolution, und du wirst auf Christi Verdienst von allen deinen Sünden gewisslich entbunden, wie David von Nathan und die Zöllner von Johann dem Täufer sind absolviret worden.

Dies sind die Punkte aus dem heiligen heutigen Evangelio. Wir danken Gott, dass wir sein Wort rein und reichlich haben und den rechten Gebrauch der heiligen Sacramente, und bitten ihn herzlich, er wolle uns und unsere Kinder und Nachkommen bei diesem Schatze gnädiglich erhalten. Amen.