Predigt, gehalten am 1. Advent

Goßner, Johannes – Evang. Matth. 21, 1-9.

Siehe, dein König kommt zu dir sanftmüthig – Hosianna! gelobt sey, der da kommt.

So wurde Er angekündigt, so kam Er: sanftmüthig. So wurde Er aufgenommen mit Hosianna, mit Lobpreisen von einem Theil der Menschen, ganz anders von einem andern. Er kam für Alle mit gleicher Sanftmuth und Liebe, aber nur Wenige nahmen Ihn auf mit Liebe und Glauben, Viele mit bitterm Haß und Verfolgung.

Er kommt auch jetzt noch sanftmüthig zu Allen, die Ihn aufnehmen, und giebt ihnen Macht, Kinder Gottes zu werden. Aber auch jetzt nehmen Ihn nicht Alle auf. Viele stoßen Ihn bis heute zurück, und wollen lieber ohne Gott und ohne Christus in der Welt leben und sterben.

Was hatten wir gethan, wenn wir bei Seiner ersten Ankunft gelebt hätten? was thun wir jetzt?

Er ist gekommen, wie Er versprochen und angekündigt war: sanftmüthig. Seine Geburt, Seine Kindheit, Sein dreißigjähriges verborgenes Leben in der arbeitsamen Zimmermanns-Hütte im stillen Nazareth, war das nicht Alles voll Sanftmuth und Demuth? Sein ganzes öffentliches Leben, von der Wüste und dem Jordan an bis zum Kreuze auf Golgatha, war es nicht lauter Sanftmuth und Liebe gegen Alle, mit denen Er umging, selbst gegen Seine bittersten Feinde? Sein Martertod am Kreuze, Sein Leiden in Gethsemane, Sein Stehen vor dem Gerichte der Priester, des Pilatus und Herodes, Sein Gang zum Tode, war nicht Alles der Sanftmuth und Liebe voll? Und war Er nach Seinem Tode, in Seinem neuen auferstandenen Leben anders? Die vierzig Tage nach Ostern? O nein! So wünschte man sich’s immerdar, wie’s vierzig Tag‘ nach Ostern war.

Was uns aber am meisten freuen soll, ist, daß Er gerade gegen Sünder am sanftmüthigsten und liebevollsten war; denn für diese eigentlich ist die Sanftmuth und Liebe Gottes in Ihm Mensch geworden, für diese ist Er vorzugsweise in die Welt gekommen, nicht Gerechte, sonder n Sünder zur Buße zu rufen, das Verlorene zu suchen. Wie kam Er in Zachäi Haus? wie begegnete Er diesem Sünder? wie sah Er zu ihm auf den Baum hinauf? wie lud Er sich bei ihm ein? wie ließ Er seinem Hause Heil widerfahren? wie veränderte Er, mit Seinem Kommen in das Haus des Sünders, das Herz und Wesen des Sünders in das eines Heiligen und Geliebten Gottes! Wie freigebig wird der Geizige! wie gerecht der Ungerechte! Welch ein Heiliger wird der Zöllner durch die Ankunft Jesu!

Wie kam Er in des Pharisäers Haus, nur um diesen sanft zu belehren, und die Sünderin zu Seinen Füßen mit göttlicher Huld und Liebe zu begnadigen und selig zu sprechen! wie himmlisch sanft rettet Er die Ehebrecherin aus den Händen ihrer Kläger! Wie kommt Er zu des Matthäus Zollbank? wie verfährt Er mit diesem Zöllner? Ein sanftes Wort: „Folge mir nach!“ ist genug, aus dem Sünder und Zöllner einen Jünger und Zeugen, einen Apostel und Gesandten des Himmelreiches zu machen, daß er plötzlich aufsteht, Alles verläßt und Jesu nachfolgt. Wie kommt Er zu den drei frommen Geschwistern in Bethanien? wie sitzt Er unter ihnen, wie ein Freund unter Freunden! wie hat Er sie Alle so lieb, so verschieden ihr Charakter war! wie sagt Er Jedem, was ihm noth war! Wie stand Er nachher am Grabe des Bruders und Freundes Lazarus mit Thränen und ruft den Todten ins Leben wieder! Wie begegnet Er Seinem Verräther Judas beim falschen Kusse? Welch ein Wort der Sanftmuth und Liebe zu einem solchen falschen Maischen: „Freund! wozu kommst du?“ Was hat der Dieb und Mörder am Galgen von seinem mitgekreuzigten Heiland für eine Antwort auf feine Bitte um’s Himmelreich zu erwarten? Keine andere, als die liebevollste plötzliche Erhörung: „Heute noch sollst du mit mir im Paradiese seyn.“ Wie kommt Er zu denen, die Ihn den Beelzebub nannten? wie begegnet Er ihnen? Sanft erwiderte Er ohne Zorn und Zank: „Ich habe keinen Teufel, ich ehre meinen Vater und ihr unehret mich.“ Und da sie Steine aufhoben, warf Er nicht auf sie, sondern die Sanftmuth verbarg sich und zog vorüber. Und wenn man die Sanftmuth Jesu in ihrer schönsten Schönheit und göttlich milden Gestalt sehen will, so betrachte man Ihn in Seinen letzten Leiden mitten unter Seinen Mördern, beim Verhör vor Gericht, bei der Verspottung der Kriegsknechte, bei der Krönung und Geißelung, bei Seinem Kreuzgang durch die Straßen Jerusalems nach Golgatha, am Kreuze selbst, und höre Ihn für diese Unmenschen beten: „Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht was sie thun?“ Aber Er hatte Jünger, die Er so geliebt hat, und die Ihn in Seiner Noth verlassen, verläugnet und geschworen hatten, sie kennen den Menschen nicht? wie blickte Er den gefallenen Petrus an? Wie kommt die Sanftmuth zu ihnen allen nach der Auferstehung, nach dem Siege? Er gedenkt nicht mehr ihrer Sünden und Untreue, Er steht frühe auf, sie freundlich als Seine Brüder grüßen zu lassen, und endlich selbst einem nach dem andern und allen zugleich zu erscheinen, und die Strafe ist: „Der Friede sey mit euch!“ Doch die Sanftmuth kann auch schelten, ihre Jünger schelten, da sie nach Emmaus gehen und die Köpfe hängen und nicht glaubten Seiner Weissagung, nicht glaubten der Schrift, nicht glaubten denen von den Ihrigen, die da jagten: Er ist auferstanden, Engel haben’s uns gesagt :c. Da schilt die Sanftmuth, aber so, daß ihnen das Herz brennt, und kehrt in ihre Hütte ein, bricht das Brodt mit ihnen und offenbart sich ihnen, daß sie wie entzückt sind, und wohl dies Schelten ihres Unglaubens um alle Welt nicht hingegeben hätten.

Wer sich das Bild der Sanftmuth Jesu, mit welcher Er gekommen ist, noch weiter ausmalen will, der findet Stoff genug in den heil. Evangelien. Und wer sollte das nicht thun, um recht lebendig überzeugt zu werden, wie herrlich nicht nur durch das Einreiten auf einer Eselin, sondern durch Sein ganzes Leben erfüllt worden ist, was gesagt war durch den Propheten, der da spricht: „Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmüthig!“

Wie nahm man Ihn auf? Ach, das ist schön zu lesen im heutigen Evangelio, wie Ihn bet Seinem königlichen Einzuge in Jerusalem das Volk, die Jünger und die Kinder aufnahmen, wie sie ihre Kleider auf das Thier legten und sogar auf den Weg breiteten, Zweige von den Bäumen hieben und sie auf den Weg streuten, und eine Menge Vorangehender und eine Menge Nachfolgender schrie: Hosianna, dem Sohne Davids! Gelobt sey, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! Wer von Seinen jetzigen Jüngern und Kindern möchte da nicht dabei gewesen seyn, und das alles mitgemacht haben? Aber wenn man weiter liest in der heil. Geschichte, und sieht dieselben Jünger bei Seiner blutigen Todesangst schlafen, und bei Seiner Gefangennehmung davon laufen, und hört sie schwören: Ich kenne diesen Menschen nicht, und das Volk rufen: Kreuzige Ihn! kreuzige Ihn! – Ach! es ist schön zu lesen in den Evangelien, wie Er kam zu den Kranken, Blinden, Lahmen und Aussätzigen, Gichtbrüchigen und Besessenen, wie Er sie alle heilte, und Kraft von dem Saume Seines Kleides strömte, wenn sie sich Ihm naheten und Ihn anrührten, welches Lob aus ihrem Munde tönte: „Er hat Alles wohl gemacht! Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden! Der Herr hat sein Volk heimgesucht!“ Aber in den Tagen Seiner Verwertung und Hinrichtung verstummten alle diese Lobpreisenden, da hörte man auch nicht Einen der Geheilten, der Begnadigten, der da Zeugniß für Ihn gegeben hätte, der da gerufen hätte: „Warum wollt ihr Ihn kreuzigen? mich hat Er sehend, mich hörend, mich gehend, mich gesund gemacht, mich vom Tode erweckt, von mir eine Legion Teufel ausgetrieben; mir hat’Er einen Sohn, eine Tochter vom Tode wiedergeschenkt!“ da hörte man nichts als: „Ans Kreuz mit Ihm! ist Er der Sohn Gottes, so steige Er herab vom Kreuz! Andern hat Er geholfen, sich selbst kann Er nicht helfen.“ So haben sie Ihn weggestoßen statt aufgenommen, gerade da, wo Er am allerannehmungswürdigsten war. Da war Er der Allerverachtetste und Unwertheste, für nichts geachtet; da hielten sie Ihn für den, der von Gott geschlagen war. Es ist schön zu lesen, wie freundlich Er die Kindlein zu sich rief, sie herzte und segnete, Er, der Sanfteste und Schönste unter den Menschenkindern, wie Er alle Mühseligen und Beladenen einlud, um sie zu erquicken; aber Ihm spie man in Seiner Schmach ins Angesicht und gab Ihm Backenstreiche, gab Ihm Galle und Essig in Seinem heißen Durst, Ihm verdeckte man Sein Angesicht, schlug Ihn und sprach: weissage uns, Christe! wer dich schlug. Es ist schön zu lesen, wie sanft und mild Er umherging und Allen wohlthat, und die vom Satan überwältigt waren, erlösete; aber dafür lästerte man Ihn als Gotteslästerer, Sabbatsschänder, Zöllner- und Sünderfreund, Fresser und Weinsäufer. So wurde Er bei Seiner ersten sanftmüthigen Zukunft ins Fleisch aufgenommen.

Nun, meine Lieben, wie wir uns verhalten haben würden, wenn wir damals bei Seiner Ankunft gelebt hätten, das können wir schließen aus unserm Verhalten gegen Ihn bei Seinem jetzigen Kommen an und in unser Herz.

Wie Er einst kam sanftmüthig zu Seinem Volke Israel, so kommt Er noch sanftmüthig alle Tage zu Allen, die Ihn aufnehmen. Er hat’s gesagt: Ich komme zu euch und will euch nicht Waisen lassen, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, ich stehe vor der Thür und klopfe an, und wer meine Stimme hört und mir aufthut, zu dem will ich eingehen und Abendmahl mit ihm halten. Ja, wahrhaftig, Er kommt an jedes Herz, so gewiß Er will, daß alle Menschen selig werden, so gewiß Er für alle Sünder in die Welt gekommen und gestorben ist. Er übersieht keinen. Er ist noch heute gegen alle jetzt Lebende so gesinnt, wie Er gegen die damals Lebenden gesinnt war. Er sucht heute noch alle Sünder selig zu machen, und ladet sie zu Sich ein, daß sie Gnade von Ihm nehmen sollen. Jeder Zachäus, auf welchem Baume er immer nach Ihm aussehen mag; jede Magdalene, die sich zu Seinen Füßen wirft; jeder Schächer, der Ihn um Sein Andenken in Seiner Herrlichkeit bittet; jeder Petrus, der bitterlich weint über seinen Fall, erhalt von Ihm Vergebung und das Himmelreich. Jeden Sündenaussatz, jede Seelenblindheit, jede Krankheit des Herzens heilt Er, jeden Todten weckt Er aus dem Sündengrabe, alle Teufel treibt Er noch aus der Seele, jede Last und Sorge nimmt Êr Allen ab, die Ihn aufnehmen, die Ihn annehmen, die da glauben. O gewiß, Er kommt, Er kommt zu dir, ist gewiß schon oft da gewesen und hat angeklopft, hat in die Seele dir gerufen: „Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben! wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Wer mein Wort hört, der ist’s, der mich liebet, zu dem will ich mit dem Vater kommen und Wohnung bei ihm machen.“ Wie begegnetest du deinem Gott und Heilande? wie nahmst du Ihn auf? Wie begegnet Ihm der große Haufe der Christen, wie begegnen Ihm die Pharisäer und Schriftgelehrten unserer Tage? Ist Er nicht heute noch Vielen ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Aergernisses? Vielen Thorheit und Unsinn? Wie Viele schämen sich Seiner, Seines Kreuzes und Seiner Wunden! Wie Viele bekennen Ihn zwar mit dem Munde, verläugnen Ihn aber mit dem Leben und Wandel! Wie Viele haben den Schein der Gottseligkeit, aber nicht die Kraft derselben! Wie Viele schreien: „Herr! Herr!“ aber den Willen des Vaters lassen sie ungethan. Wie Viele Seiner äußerlichen Bekenner, die Ihn mit „Hosianna“ aufnahmen, stellen sich nun der Welt gleich und rufen mit der Welt: Kreuzige Ihn! kreuzige Ihn! indem sie nicht wie Seine achten Anhänger ihr Fleisch kreuzigen sammt seinen Lüsten und Begierden, nicht sich selbst verläugnen und Ihm nicht nachfolgen, und nicht Seinem Vorbilde ähnlich zu werden streben.

Das ist betrübend. Darum, meine Lieben, laßt uns nicht den bösen Beispielen der alten und der neuen Tage folgen, sondern den guten. Laßt uns den kommenden Heiland, den man heute noch wie ehemals und alle Tage haben und nehmen kann, mit ganzem Herzen aufnehmen. Laßt uns Ihm entgegen gehen und Ihn einführen in unsere Herzen, wie die Jünger, die Kinder und das Volk Israel im heutigen Evangelio Ihn aufnahmen und einführten in die Königsstadt; unser Herz ist auch eine Königsstadt, Seine Königsstadt, wo Er Seinen Thron aufschlagen und regieren will. Laßt uns Ihn aufnehmen wie alle Sünder und Sünderinnen Seiner Zeit Ihn aufnahmen, wie ein Zachäus, ein Matthäus, eine Magdalena, wie die drei Geschwister in Bethanien, wie alle Sünder und Zöllner die Gnade und Vergebung der Sünden von Ihm erhalten haben. Lasset uns Ihm die Thüren und Thore unserer Herzen weit aufthun, daß der König der Ehren einziehe und Seinen Sitz und Wohnung in uns nehme, denn der König kommt zu uns sanftmüthig und alles Heil mit Ihm. Ihr Heilsbegierigen! greifet zu! nahet euch zu Ihm, Er kommt für euch, Er ruft euch wie dem Zachäus auf dem Baume: Steig eilend hernieder, denn ich muß heute bei dir einkehren und deinem Hause Heil bringen. Ihr Traurigen über eure Sünden, voll göttlicher Traurigkeit, die eine Reue wirket zur Seligkeit, die Niemand gereuet, begegnet eurem König und Heiland, Er kommt, euch Trost und Freude zu bringen, die Niemand von euch nehmen kann. Gehet Ihm entgegen und nehmet Ihn auf mit Glauben und Zuversicht, Er wird euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; denn könnte eine Mutter ihr Kindlein vergessen, so kann doch Er euch nicht vergessen noch verlassen, in Seine Hände, in die Hände eures gekreuzigten Königs seyd ihr gegraben. Wie wird Er euch so wohlthun! Ihr Hungrigen und Durstigen nach Gerechtigkeit, schließet euch an den Zug derer an, die ihren König der Ehren heute in das neue Jerusalem einführen, die ihre Kleider der Selbstgerechtigkeit Ihm zu Füßen legen, und dem Herrn, der unsere Gerechtigkeit ist, die Ehre geben, ein Hosianna‘ singen und loben den Sohn Davids und Gottes, der da kommt im Namen des Herrn. Er wird euren Hunger und Durst nach Gerechtigkeit stillen und sättigen, denn in Ihm habt ihr Gerechtigkeit und Stärke. Kommt Alle, die ihr mühselig und beladen seyd, nehmet auf euren König, denn Er kommt euch zu erquicken, Er nimmt eure Last auf sich und trägt sie weg, daß ihr sie ewig nicht mehr fühlet. Kommt Alle, die ihr nach Gnade und Erbarmen schmachtet, die Tag und Nacht schreien:

Ach wo krieg‘ ich Jesum her?
wenn Er doch auch mein Heiland wär‘!

Kommt! solche Leute will der König haben, ihr seyd es, bei denen Er einziehen, denen Er all Sein Heil mittheilen will. Kommt, ihr Gläubigen, ihr Kinder Gottes, die ihr keinen andern Namen wisset im Himmel und auf Erden, in dem ihr sollet selig werden, als den Namen über alle Namen, euer König kommt, gehet Ihm entgegen, nehmet Ihn auf in euer Herz; wo soll Er einziehen, wenn nicht bei euch, wo Er Sich bereits Wohnung bestellt hat, und das Pfand Seines Geistes euch gegeben hat. Ist Er in Jerusalem, der Propheten Mörderin, wo nur Schmach und Kreuz und Tod auf Ihn wartete, so feierlich eingezogen, wie vielmehr wird Er in euer Herz kommen, welches nur nach Ihm verlangt und Ihn Tag und Nacht umfängt, welches Ihm entgegenschreit: Du bist mein und ich bin dein, ich will keines Andern seyn! Kommt ihr Kinder und Kindlein! euer ist das Himmelreich und der König des Himmelreiches, singt Ihm Hosianna! Begegnet Ihm, wie jene Kinder von Jerusalem, traget Ihm eure Herzen entgegen, und schließet Ihn in dieselben ein, Er herzt euch, Er segnet euch, Er bleibt bei euck und giebt euch Macht, Kinder Gottes zu werden.

O möchte der König der Ehren bei uns Allen einziehen! Möchten Ihn Alle mit Freuden im Glauben aufnehmen und in ihren Herzen wohnen lassen! Möchte doch Keiner unter uns, Keiner in der ganzen Christenheit seyn, der Seinen Advent feiert und dem Kommenden begegnet, wie Seine Feinde zu Jerusalem, die Ihn aufnahmen um Ihn zu kreuzigen, die Ihn fingen, verurteilten, geißelten, krönten und tödteten. O möchten Ihn nicht nur alle Christen, sondern alle Menschen, alle Welt aufnehmen! Er ist ja als aller Welt Heiland für alle Welt gekommen, nicht um sie zu richten, sondern sie selig zu machen! – Das sey unser stetes unablässiges Gebet, daß nicht nur wir Ihn gern aufnehmen, sondern daß Er sich Bahn mache in alle Herzen aller Menschen.

O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
Die diesen König bei sich hat!
Wohl allen Herzen insgemein,
Da dieser König ziehet ein!
Macht hoch die Thür, die Thore weit,
Euer Herz zum Tempel zubereit’t.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
Steckt auf mit Andacht, Lust und Freud‘,
So kommt der König auch zu euch,
Und Heil und Leben mit zugleich.
Komm, o mein Heiland, Jesu Christ!
Des Herzens Thür Dir offen ist.
Ach! zeuch mit Deiner Gnade ein,
Dein‘ Freundlichkeit auch uns erschein‘.
Dein heil’ger Geist uns führ‘ und leit‘
Den Weg zur ew’gen Seligkeit!
Amen.