Andacht 24.12.2017

Phil. 4,5

Der Herr ist nahe.

So spricht die letzte Advents-Epistel! So ruft uns der heutige Tag zu! Er heißt in der Kirche der Tag Adam’s und Eva’s, um uns nochmals lebhaft daran zu erinnern, wer wir sind ohne Christum, Kinder Adam’s und Eva’s, Kinder der Sünde und des Todes, und dann in uns die Sehnsucht nach dem Erlöser von Sünde und Tod immer flammender zu machen. Er heißt der heilige Abend, weil er ja die Nacht einleitet, in welcher das Wunder aller Wunder geschah und Gott geoffenbart wurde im Fleische. Der Abend wird in unser Häusern gefeiert durch den Weihnachtsbaum, welcher den Stammbaum Christi darstellen soll durch Grünes mit Schäfchen in demselben, welches die Hirten auf Bethlehems Fluren vergegenwärtigt! Durch Aepfel daran und oft Adam und Eva darunter, was wieder an den Sündenfall und den Verlust des Paradieses erinnert, aber auch an das Wort: „Heut schließt Er wieder auf die Thür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür: Gott sei Lob, Ehr‘ und Preis!“ Der Weihnachtsbaum ist geziert mit brennenden Lichtern; denn der Herr spricht wieder in dem Reiche der Natur, wie der Gnade, in dem Werk der Schöpfung, wie der Erlösung: „Es werde Licht!“ Alle Zeichen, alle Worte, alle Geschenke des heutigen Tages verkündigen Eins: „Der Herr ist nahe! Siehe, ich stehe vor der Thür und klopfe an: so jemand wird die Thür aufthun, zu dem werde Ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten, und er mit mir.“ – Mit dieser Botschaft schließt der Advent, und faßt damit alle frommen Gedanken und Empfindungen, von denen unsere Herzen in der heiligen Advent- und Weihnachtszeit erfüllt sein sollen, in Einen Brennpunkt zusammen. Denn ist der Herr nahe: so dürfen wir uns freuen, mit Ihm kommt ja der Heiland der Sünder, der Helfer in aller Noth, der ewige Erlöser. Ist Er nahe: so müssen wir unsere Lindigkeit kund werden lassen allen Menschen, unser Herz muß vom milden Sanftmuthsöle überfließen und Liebe bereiten unsere höchte Erquickung sein. Ist Er nahe: so können wir nicht mehr sorgen, der Glaube an Ihn ist das Grab der Sorge; wir bringen alle Sorgen zu Gott im Gebete, denn der seines eignen Sohnes nicht hat verschonet um unsertwillen, wie sollte Er uns mit Ihm nicht Alles schenken? Ist Er nahe: so bleibt nur Ein Wunsch uns übrig, daß sein Friede unsere Herzen und Sinnen erfülle und bewahre; Er ist der Friedensfürst; Er spricht: Friede sei mit euch, und was Er spricht, das geschieht; was Er gebeut, das steht da. Komm denn, Herr Jesu, komm, heiliger Christ, unsere Herzene stehen Dir offen und warten Dein mit unaussprechlichem Verlangen!

*Hahn*