Andacht 25.12.2017

Lukas 2,10

Der Engel sprach zu den Hirten: Fürchtet euch nicht; denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird.

Er ist wieder da, der größte Freuden- und Geburtstag der Welt, und wer es weiß und fühlt, was er diesem Tage zu verdanken hat, der kann nicht anders, er muß sich freuen herzinniglich; und die Freude wird nicht blos bei ihm einziehen, sie wird steigen und wachsen, der Tropfen wird ein Strom, der Funken wird eine Flamme, das Senfkorn wird ein Baum werden, in dem die Vögel des Himmels wohnen. Denn kündlich groß ist das gottselige Geheimnis: Gott ist geoffenbaret im Fleisch. Eine Freude ist um so größer, je länger sie erwartet worden: auf diesen Tag aber haben viertausend Jahre gewartet. Eine Freude ist um so größer, je erhabener der Gegenstand ist, welcher sie weckt: hier aber ist es der erhabenste Gegenstand der ganzen menschlichen Geschichte. Eine Freude ist um so größer, je länger sie anhält: diese Freude hat aber schon 1800 Jahre gedauert, und ihre Thränen, ihre Worte, ihre zitternden Herzensschläge haben immer mehr Menschen, Geschlechter und Zungen ergriffen, und einst wird sie allen Völkern widerfahren. Darum: „freuet euch in dem Herrn allewege, und abermal sage ich euch: freuet euch!“ Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, welches Herrschaft ist auf seiner Schulter, und Er heißt Wunderbar, Rath, Kraft, Held, Ewigvater, Friedefürst! Durch seine Geburt hat Er die Menschheit wieder zu Ehren gebracht; durch seine Geburt hat Er unsere leibliche Geburt erfreulich, unsere geistliche Geburt möglich, unsere ewige Geburt gewiß gemacht; durch seine Geburt hat Er das Werk unserer Erlösung begonnen, und ist uns ein Retter geworden aus aller Noth, von allem Uebel, von allem Bösen. „Ein Helfer, der umherging und wohlthat, und selbst nicht hatte, wo Er sein Haupt hinlegte; um den die Lahmen gehen, die Aussätzigen rein werden, die Tauben hören, die Todten aufstehen und den Armen das Evangelium gepredigt wird; dem Wind und Meer gehorsam sind, und der die Kindlein zu sich kommen ließ und sie herzete und segnete; der bei Gott und Gott war und wohl hätte mögen Freude haben, der aber an die Elenden im Gefängniß gedachte und verkleidet in die Uniform des Elendes zu ihnen kam, um sie mit seinem Blute frei zu machen; der keine Mühe und keine Schmach achtete und geduldig war bis zum Tode am Kreuz, daß Er sein Werk vollende; – der in die Welt kam, um die Welt selig zu machen, und der darin geschlagen und gemartert ward und mit einer Dornenkrone wieder hinausging! – Leser, hast du je etwas Aehnliches gehört, und fallen dir nicht die Hände am Leibe nieder? Es ist freilich ein Geheimniß, und wir begreifen es nicht; aber die Sache kommt von Gott und aus dem Himmel, denn sie trägt das Siegel des Himmels und trieft von der Barmherzigkeit Gottes. Man könnte sich für die bloße Idee wohl brandmarken und rädern lassen, und wem es einfallen kann zu spotten und zu lachen, der muß verrückt sein. Wer das Herz auf der rechten Stelle hat, der liegt im Staube und jubelt und betet an.“