Predigt, gehalten am 1. Weihnachtstag

Lange, Johann Peter – Die Herrlichkeit des neugebornen Heilandes.

Weihnachtspredigt über Matth. 2, 9 – 11.

Euch ist heute der Heiland geboren. Diese frohe Botschaft, Gel., womit ein Engel des Himmels die frommen Hirten auf dem Felde bei Bethlehem erfreute, soll die Losung sein, womit wir unsre Weihnachtsfeier beginnen. Uns ist der Heiland geboren, der himmlische Arzt, der unser Herz von der tödtlichen Wunde der Sünde heilen will. Wenn wir diese Botschaft verstehen, und uns ihrer von Herzen freuen; wenn sie uns theuer ist als eine Kunde des höchsten Glücks: dann feiern wir Weihnachten. Denn daraus entsteht noch keine Festfeier, daß wir unsre Arbeiten für ein paar Tage liegen lassen – obschon auch das manchen sehr schwer fällt; oder daß wir uns schmücken, und Einiges mehr oder besser genießen als sonst. Und auch nicht einmal dadurch feiern wir Christfest, daß wir das Haus des Herrn besuchen – oder daß wir dem Gedankengang einer Predigt, und eines Liedes folgen, und vielleicht auch am heiligen Abendmahl Theil nehmen. Das alles gehört zu unsrer Feier wesentlich, und ist dennoch die Feier nicht selbst, wenn es nicht Alles geschieht im Geist und in der Wahrheit. Am allerwenigsten aber ist das eine Festfeier, sondern- eine Verlästerung der heiligen Tage, wenn man sie anwendet zur Fleischeslust, zum Schlaf, zum Prassen, zur Schwelgerei, zur Unzucht und zum Gespött. Das thun manche, die darum eben so wenig von der Christfeier wissen, wie die vernunftlosen Thiere im Stande sind, Perlen zu beurtheilen und zu schützen. Darum ist das wahre, innere, heilige Christfest viel kleiner und stiller als das äußere. Aber dennoch sind Alle ohne Unterschied zu diesem Feste geladen. Sie sollen nun noch bedenken, daß sie einen Heiland nöthig haben, diejenigen, welche bis jetzt heillos gelebt haben. Sie sollen die schreckliche Wahrheit endlich beherzigen, daß ihr innerstes Herz an einer offenen Wunde blutet im Werderben der Sünde, und daß sie sterben des ewigen Todes, wenn sie nicht eilen, Heilung zu suchen bei Christo. Wenn ihnen davon etwas fühlbar wird, dann freuen sie sich des Wortes: „euch ist heute der Heiland geboren,“ und dann geht auch ihre Weihnachtsfeier an. Aber das Fest aller Gläubigen, aller Erlösten hat bereits begonnen. Sie freuen sich ihres Gottes und Heilandes, und suchen nur Heil und Leben zu nehmen aus seiner Fülle. Mögen wir nun aber alle uns der Herrlichkeit Christi, des neugebornen Heilandes freuen, zu unsrem Seelenheil. Dazu segne der Herr sein Wort!

Text: Matth, 2, 9-11. „Als sie nun den König gehöret hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen hin: bis daß er kam und stand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet. Und gingen in das Haus, und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter: und fielen nieder, und beteten es an: und thaten ihre Schatze auf, und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen.“

Mit dem Sterne der Weisen aus dem Morgenlande, und mit diesen frommen, ehrwürdigen Pilgern selbst kommen wir gen Bethlehem, und finden dort den neugebornen Heiland mit seiner Mutter unter dem armen, niedrigen Dache, aber dennoch in seiner Herrlichkeit, die ihm der Vater gegeben hat. Lasset uns auf diese Herrlichkeit des neugebornen Heilandes sehen. – Wir sehen nämlich

I. wie sie vom Himmel herab angezeigt wird;
II. wie sie in der armen Erscheinung verborgen liegt;
III. wie sie erkannt und anerkannt wird von den Gläubigen.

I.

Die Herrlichkeit Christi, des neugebornen Heilandes wird angezeigt vom Himmel herab. Gott giebt es nämlich durch bestimmte Zeichen zu erkennen, daß dieses Kind in Bethlehem der Herr sei – sein eingeborner Sohn, und darum der Erbe aller göttlichen Herrschaft und Herrlichkeit – der reine, der zweite und neue Mensch, und darum der Erbe aller menschlichen Tugenden und Kräfte, aller menschlichen Herrlichkeit, der höchstgeborne König aller Nationen, der Friedensfürst im höchsten Sinne, der Völkerhirt, der sein Leben läßt für die Schaafe, der die einzelnen Seelen errettet und selig macht, der die Erbübel des ganzen Menschengeschlechts bezwingt, überwindet, und ihm den ewigen Frieden bringt.

Das wird vom Himmel herab angezeigt. Wir könnten hier an vieles erinnern, an die himmlischen Heerschaaren auf dem Felde zu Bethlehem, an ihren Lichtglanz, an ihre Freudenbotschaft: euch ist heute der Heiland geboren, welches ist Christus der Herr in der Stadt Davids! – an ihren Lobgesang: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen! – an die Glaubensfreude der Hirten, und daran, wie der alte Simeon im Tempel ein begeisterter Jüngling wurde bei dem Anblick des heiligen Kindes, und wie die alte Hanna mit ihm neu auflebte im Glauben an den erschienenen Messias.

Doch wir wollen stehen bleiben bei dem Gotteszeichen, wovon unser Text Kunde giebt. Die Weisen aus dem Morgenlande hatten in ihrer Heimath einen Stern gesehen, der ihnen in seiner außerordentlichen Erscheinung das Zeichen einer außerordentlichen Begebenheit, der Geburt des Königs der Juden, des ersehnten himmlischen Priesterkönigs geworden war, der die Welt erlösen, die Gottheit offenbaren, und die Völker weiden sollte. Sie hatten die Reise angetreten, um diesen Neugebornen, mit dem die neue Zeit ihrer Welterlösung und auch ihres Heils begann, zu suchen und anzubeten. Sie waren gezogen gen Jerusalem. Dort nun hatten sie an dem Hofe des Herodes durch die Schriftkunde der. Hohenpriester und Schriftgelehrten erfahren, der Messias müsse in Bethlehem geboren werden. Bald sind sie auf dem Wege gen Bethlehem. Ueber ihnen funkelt wieder der neue Stern, und ihr Auge hängt so an ihm, als ob er mit ihnen wanderte, und sie seinem Zuge folgten. Sie kommen gen Bethlehem, und hoch im Scheitelpunkte des Himmels glänzt das schöne Gestirn. Sie sind am Ziele, sie stehen vor der Hütte des Neugebornen, der Geist hat sie geleitet, aber der Stern ist ihnen ein theures Gotteszeichen, das ihren Glauben bestätigt, und gleichsam mit seinem eigensten Glanze auf die Stätte der Geburt Christi niederglänzt. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet.

So wurde die Herrlichkeit Christi vom Himmel herab angezeigt durch diesen Stern. Dieses Zeichen aber hatte Gewißheit, große Gewißheit. Alle Sterne verherrlichen ihn. Die Erde, m. Br., verherrlicht den Menschen überhaupt, denn alle ihre Vortrefflichkeiten sind in ihm vereinigt. Er ist ihr König, den sie mit allen ihren Blumen bekränzt. Alle Vortrefflichkeiten der Schöpfung aber sind vereinigt in Christo, dem Erstgebornen unter allen Creaturen. Er ist ihr König im Namen des Vaters, den sie mit allen ihren Sternen bekränzt. Wir müssen nur die Evangelien lesen, die Wunder, thaten unsres Herrn Jesu Christi, um zu sehen, wie ihm die ganze. Natur gehorcht. Daran aber wollen wir uns jetzt erinnern, wie die ganze Natur mit einem dreifachen Segen vom Himmel herab gesegnet ist in der christlichen Welt, so daß die Hungersnoth der heidnischen Zeiten, der finstern Jahrhunderte in der christlichen Zeit immer mehr verschwindet. Gott bekennt sich durch seine Werke in der Schöpfung zu dem Werke Christi in der Erlösung. Der Geist Christi, der die Menschenherzen heiligt, verschönert die Menschenerde. Wo er geistlich geboren wird in den Herzen, in den Völkern, da strahlt Himmel und Erde in einem neuen Licht, da gewinnen auch die alten Sterne einen neuen Glanz als die vielen Wohnungen in seines Vaters Hause, worin er die Seinen versammelt. So wird auch uns vom Vater seine Herrlichkeit angezeigt vom Himmel herab.

Lasset uns in den Werken der Natur die Spuren unsres Gottes suchen, wie jene Weisen, dann werden auch wir durch die Zeichen Gottes zu Christo geleitet werden. Blicken wir gen Himmel und betrachten die Sterne, so werden wir erinnert an den, der uns dieses Weltall zum Vaterhause gemacht hat durch sein erleuchtendes Wort, und der uns dieses Vaterhaus aufgeschlossen hat durch seine Gnade. Betrachten wir die Erde, ihre Länder und ihren Ertrag, so finden wir zweierlei: Fluch und Segen, entweder das Eine oder das Andere überall verbreitet, oder beides im Kampfe miteinander, und werden erinnert an den, der den alten Fluch von der Erde, diesem Hause Adams wegnimmt, und der den Segen Gottes mit vom Himmel gebracht hat, um ihn durch die Thaler der gereinigten Erde auszugießen. An seinen Tod und an seine siegreiche Auferstehung erinnert uns das Weizenkorn, aus dessen Verwesung ein frischer, lebendiger Halm mit vielen Früchten emporsteigt, und das Feld, welches weiß ist zur Aerndte, an die Sehnsucht der Völker nach seinem Himmelreich. Und wenn wir endlich Wohlgefallen haben an dem Lieblichsten auf Erden, an den kleinen Kindern, und sie betrachten als die neue Menschensaat als Knospen, in denen die reichsten geistigen Anlagen und Segnungen noch verborgen liegen: dann müssen wir auch mit der größesten Macht angezogen werden von dem heiligen Kinde in Bethlehem. Denn aus diesem Kinde entfaltet sich das große Heil der Menschheit, die verloren war. Aus ihm entfalten sich alle Lehren, alle Geheimnisse, alle Kräfte, alle Wunder des Himmelreichs. Dieses Kind wird uns zum hellen Spiegel der Gottheit; wir sollen den Vater sehen in seinem Leben, in seinem Werke und in seinem Siege. So führt uns denn jede höhere Betrachtung, jedes bessere Trachten zu Christo – wenn wir gründlich sind, und nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Wenn wir Gott suchen als den Vater, so finden wir ihn im Sohne, denn er zeigt uns seine Herrlichkeit an durch tausend Zeichen vom Himmel herab.

An seiner armen Erscheinung dürfen wir uns aber dabei nicht stoßen, denn in dieser liegt seine Herrlichkeit verborgen, wie wir Zweitens sehen.

Die Weisen gingen in das Haus, und fanden das Kindlein mit Maria seiner Mutter. An Allem, was sie fanden, hätten sie Anstoß nehmen können, wenn sie Weise gewesen wären im Sinne stolzer Klügelei, und nicht als demüthige Wahrheitsfreunde. Das Haus wäre der erste Anstoß gewesen, denn es war eine arme Hütte, oder noch weniger: es war ein Stall. Dann die Mutter des Kindes – reich geschmückt können wir sie uns nicht denken, das hätte schlecht gepaßt zu der ärmlichen Umgebung. Und nun das Kindlein – ein kleines, armes Kind, nach Kindesart hülflos und ohne Rede – ein Kind, das in einer Krippe gebettet war: es gehörte viel dazu, in ihm den König der Ehren, den Heiland der Welt zu begrüßen.

Aber die Weisen vertrauten ihrer Führung. Sie glaubten zuerst der heiligen Stimme in ihrer Brust. Da rief der Sündenschmerz: wir bedürfen eines Erlösers; da rief die gläubige Ahnung: wir dürfen auf einen Erlöser hoffen. Sie glaubten ferner der heiligen Sage, dem prophetischen Lichtschimmer, der sich aus Judäa durch das Morgentand ergossen hatte: es soll ein rettender Völkerhirt zu Zion geboren werden. Sie glaubten ihrem Stern; die Zuversicht, daß er das Zeichen des Messias sei, war die schönste Frucht ihrer Sternkunde, ihrer durchwachten Nächte, ihrer Forschungen. Und endlich glaubten sie auch dem prophetischen Schriftwort, wozu in Bethlehem die Weisung begeisterter Hirten kommen mochte. Sie hatten so viele und so starke Glaubensgründe, daß sie trotz der Niedrigkeit des Hauses, trotz der Armuth der Mutter, trotz der Hülflosigkeit Jesu zum Ziele drangen, ihn anzubeten. Die Herrlichkeit Jesu, welche sie mit ihren Augen nicht sahen, weil sie in der armen Erscheinung verborgen lag, sahen sie im Glauben. Aber sie sahen einen Schimmer dieser Herrlichkeit auch wohl mit leiblichen Augen. Daß Jesus ihnen als ein Kind erschien, konnte sie doch im Grunde nicht bedenklich machen. Will Gott uns erleuchten und erlösen: so ist es ein gnadenreicher, herrlicher und würdiger Weg, wenn er uns erbarmend heimsucht durch einen Menschen. Und dieser Mensch, in welchem die Fülle der Gottheit wohnen soll, muß von seiner Empfängniß und Geburt an durchaus einzig, und auserwählt sein, er muß uns zuerst als ein heiliges Wunderkind erscheinen. Und wohl mochten die Weisen im Blick und in den Zügen des Kindes schon die Strahlen des neuen, zweiten Menschen, des Menschensohnes entdecken. Und warum sollte dieser Auserwählte Gottes nicht arm sein? Konnte ihn gemeiner Reichthum, gemeiner Adel, gemeine Fürstenpracht verherrlichen? War nicht seine Armuth der rührende Ausdruck der Liebe des Sohnes Gottes, womit er auf Erden arm geworden ist, um uns in seinem Himmel ewig reich zu machen? Solche Gedanken konnten den Weisen nicht fremd bleiben, und darum mußte ihnen die Herrlichkeit Christi um so heller erglänzen, je mehr sie von dem Schleier der Demuth und der Armuth bedeckt war. Und so mochten sie auch in der schlicht gekleideten Mutter des Kindleins durch die edelsten Züge des weiblichen Wesens wohl die hohe Jungfrau erkennen, die als das frömmste, tiefste und heiligste weibliche Gemüth auserkoren war von Gott, die gebenedeiete Mutter des Welterlösers zu werden. Hier lag ohne Zweifel über alle Züge der Armuth, auch in der Gestalt des Pflegevaters, und rund umher in der Hütte eine solche Reinheit, ein solches Freudenlicht, eine solche Geistesweihe, ein solcher Glanz der Gegenwart Gottes ausgegossen – daß nur den stumpfen, gemeinen, rohen und unreinen Blicken die Herrlichkeit Christi in seiner armen Erscheinung verborgen bleiben konnte.

Und so ist es noch jetzt. Die Herrlichkeit Christi verhüllt sich immer noch in seiner armen Erscheinung für Viele, aber nicht für Alle. Daran aber sind diese Vielen selber Schuld, die seine Herrlichkeit nicht erkennen. Sie haben. sich nicht der Macht der göttlichen Führung hingegeben, die sie zu Christo leiten wollte. Ihr, die ihr noch nicht zum lebendigen Glauben an Christum gekommen seid, woran, meint. ihr, sollte es wohl liegen? Es liegt ganz gewiß nicht daran, daß ihr zu viel Verstand hättet, um diesen Glauben anzunehmen, oder daß ihr zu wenig arme Sünder wäret, um dieses Erlösers zu bedürfen. Es liegt nicht daran, daß ihr zu wenig Zeit, und zu großartige Spekulationen im Sinne hättet, um euch der Erkenntniß Christi zu widmen, oder daß es euch an Gelegenheit, ihn kennen zu lernen, in eurer Jugend gefehlt hätte. Nein, betrügt euch doch nicht selbst, daran liegt es nicht, sonder n daran, daß ihr in allen Stücken das Gegentheil seid von jenen Weisen aus dem Morgenlande. So nämlich habt ihr erstlich den tiefsten Mahnungen, dm heiligsten Stimmen in eurer Brust, wodurch euch der Vater zum Sohne rief, nicht Gehör gegeben, wenigstens nicht Folge geleistet. Zu diesem Widerstreben aber habt ihr euch verführen lassen durch eitle Gedanken oder fleischliche Lüste. So habt ihr zweitens die heilige Kunde, die unter uns von der Erlösung in Christo verbreitet ist, für cärimonielles Tempelwort, für todte Ueberlieferung, oder für alte Fabel gehalten. Dazu habt ihr euch verführen lassen durch Geschwätze des Unglaubens, wie sie auch unter uns verbreitet sind. So habt ihr drittens die Natur und Welt immer nur im Lichte der Alltäglichkeit gesehen, und höchstens schöne Aussichten bewundert, nicht aber das lebendige Gotteswalten in der Welt andringen lassen an euer Herz; sonst wäret ihr dessen inne geworden, wie der Vater. den Sohn verklärt durch seine Winke und Zeichen. Zu diesem Todtenblick ins Leben habt ihr euch herabgestimmt durch eigene beständige Zerstreuungen im Eitlen, und durch die Furcht vor einer Welt, die alle Ehrfurcht vor dem allgegenwärtigen Walten Gottes als Frömmelei verlästert. Und so habt ihr viertens dem Schriftwort, dem Worte Gottes keine rechte Andacht geschenkt, und noch weniger Glauben. Davon wissen die Sonntage Zeugniß zu geben, welche die Christenschaar feiern mußte ohne euch. Sehet, daher kommt es, daß euch immer noch die Herrlichkeit Christi verborgen geblieben ist in seiner armen Erscheinung. Eure Blicke sind nicht geübt, nicht geschärft, nicht gereinigt, nicht gebildet dafür, und so stoßt ihr euch denn daran, daß der Sohn Gottes soll Mensch geworden sein in Christo Jesu, daß ihr einer Versöhnung bedürfen sollt, die Christus durch seinen Kreuzestod vollendet hat; daß das göttliche Leben Christi Wurzel soll geschlagen haben in dem Herzen schwacher, armer, sündiger Bekenner seines Namens; und daß euch Gottes Gnade zu Theil werden soll durch Gnadenmittel, welche die Kirche Christi als die streitende, mannigfach getrübte und betrübte Kirche verwaltet. Aber was euch am Glauben hindert, das eben würde euern Glauben stärken, wenn ihr einmal der göttlichen Führung folgsam würdet. Lasset euch fortan willig leiten durch eure tiefsten Seelen-Bedürfnisse, durch die frohe Botschaft von Christo, durch Gottes Walten und Werk, dann findet ihr göttliche Weisheit in der Lehre, daß Gott sich euch geoffenbaret hat durch die Erscheinung des reinen und reichen Menschensohnes; dann fühlt ihr, wenn Gott ein Wohlgefallen haben soll an euch, so muß das Bild Christi durch den Glauben in eurem Herzen sein, wenn etwas von seiner Gerechtigkeit eure Sünden aufwiegen und aufheben kann, so ist es das Liebesopfer, das Christus, der sich mit euch verbindet, in seinem Kreuzestode für euch vollbracht hat; dann wird es euch ein Wunder zum Preise Gottes, daß er die Gottlosen gerecht macht, daß er sich der Armen, der Kleinen, der Unwissenden erbarmt, und wohnen will in dem Herzen der Sünder, sie zu heiligen, und ihr werdet selber dann dieses Wunder der Wiedergeburt durch seinen Geist erfahren, und dann endlich wißt ihr und erfahrt es, wie heilig, wie gesegnet, wie nothwendig eurem innern Leben die Gnadenmittel sind, die der Herr uns gegeben hat, sein Wort, und seine heiligen Sakramente. Und indem euch die Herrlichkeit Christi hervorbricht durch seine arme Erscheinung, beugt ihr ihm eure Kniee mit den Weisen. So sehen wir denn Drittens, wie die Herrlichkeit Christi, des neugebornen Heilandes von den Gläubigen erkannt, und anerkannt wird.

II.

Sie fanden das Kindlein, und fielen nieder, und beteten es an, und thaten ihre Schätze auf, und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Daß sie niederfielen, war diesesmal keine Cärimonie, sondern ein Ausdruck des mächtigsten Gefühls, wie es sie am Ziele einer so weiten Reise, einer so tiefen, großartigen Forschung, und einer so brennenden Sehnsucht überwältigen mußte. Mit ihrer Freude sprechen sie insbesondere ihre Ehrfurcht auf diese Weise aus; Ehrfurcht vor der allgegenwärtigen, hier aufs Herrlichste gegenwärtigen Gottheit, Ehrfurcht vor der göttlichen Fülle und Bestimmung, welche in diesem heiligen Kinde verborgen lag, Ehrfurcht vor dem geheimnißreichen, verheißungsreichen Könige der Juden. Sie beteten das Kindlein an, nicht das Sterbliche in ihm, sondern das unsterbliche, das göttliche Wesen in seiner menschlichen Erscheinung. Sie huldigten ihrem Herrn, sie beteten an den Vater in dem Sohne, sie begrüßten ihren Retter, sie übergaben sich dem Geiste Gottes zur Aufnahme in sein Reich. Und diese Verehrung und Anbetung war ächt: sie thaten ihre Schätze auf, und beschenkten ihn mit köstlichen Gaben, wie sie zum Theil aus Arabien kamen, wie sie aber im Morgenlande überall verbreitet waren, und besonders zu heiligen Tempelgaben verwendet wurden. Mit diesen Gaben schenkten sie ihm ihr Herz so huldigten sie ihm gleichsam auch als dem geistlichen Könige ihrer Länder. Sie gaben sich hin an ihn, um Genossen seines Himmelreichs zu werden; sie gaben ihm die Köstlichkeiten ihrer heimischen Länder, nm sein Himmelreich herüber zu rufen über ihre Völker. Als die Gläubigen erkannten sie die Herrlichkeit Christi, des neugebornen Heilandes, und erkannten sie ihn an. Und so lasset auch uns jetzt, m. Br., zum ersten Male oder von Neuem die Herrlichkeit Christi erkennen und anerkennen im Angedenken an seine gnadenreiche Geburt. Mit wahrer Ehrfurcht lasset uns das selige Geheimniß betrachten, daß uns Gott geoffenbaret ist im Fleisch, daß der Sohn Gottes unser Bruder geworden ist, und daß in ihm das Himmelreich gekommen ist auf die arme, verfinsterte Erde. Ihm müssen wir nun auch unsere Kniee beugen, ihn von Herzen aufnehmen als unsern Herrn, dem wir uns übergeben und unterwerfen, und unter dessen Wort wir uns beugen mit unserm Haupte und mir unserm Herzen. Lasset uns in ihm unsern Erlöser begrüßen, und fühlen, daß er Licht bringt in die Nacht unsers Geistes, Gnade, unsre Sündenschuld zu tilgen, Heil und Sieg, uns von den starken Banden des alten Verderbens zu befreien. So lasset uns als wahrhaft Erlösungsbedürftige ihn bitten um Aufnahme in sein Himmelreich, um Rettung und Erneuerung unserer Seelen. Beten lasset uns um seine Gaben, die er in reicher Gottesfülle mitbringt vom Himmel. Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft – ein neues Herz, das in der Liebe Gottes schlägt und himmlisch gesinnt ist-ein erleuchteter Sinn, der den Weg des Lebens deutlich erkennt – das Erbe und die Hoffnung der Kinder Gottes: das thut uns Noth: um diese Gaben lasset uns anhalten mit festem Vertrauen. Und wie es denn gewiß ist, daß uns geschieht nach unserem Glauben, so lasset uns ihm denn auch alles weihen und opfern, was wir sind und was wir haben, in treuer Dankbarkeit für seine Liebe und Treue. Ihm sei unser Herz gegeben, daß er darin wohne und herrsche mit seinem Geist – nicht die Welt, nicht der Hochmuth – nicht Wollust, nicht heidnische Sorge, nicht hartherzige Selbstsucht. Ihm sei unsere Habe geweiht, daß wir Alles verwalten nicht als Diener des Mammons, sondern als seine Knechte, frei geworden von den Fesseln des Irdischen. Ihm seien unsre Kräfte geopfert, daß wir in unsrer Arbeit ihm dienen, und mit seiner Kraft die Sünde überwinden. Ihm seien die Unsrigen dargebracht durch Ermahnung, Fürbitte und durch das Vorbild des lebendigen Glaubens und der Liebe Christi.

In alle dem aber schließt ihr Euch besonders innig den frommen Weisen an, meine Brüder und Schwestern, die ihr euch dem Tische des Herrn nahet. Fühlt es mit heiliger, kindlicher Scheu: euch kommt Christus mit seinem Geiste und mit seinem Leben unaussprechlich nahe in dem heiligen Sakrament. Bringt herzu ein heilsbedürftiges Herz, eine Seele, die in der Welt keinen Frieden findet, und in ihr nicht den Frieden sucht, ein aufrichtiges Gefühl der Reue über eure Sünden, ein Verlangen nach der Gewißheit eurer Versöhnung, ein heiliges Verlangen und Gelübde, in allen Stücken besser zu werden. Vor allen Dingen aber bringet herzu Glauben an den Herrn Jesum Christum, und inniges Gebet. Er erhört euch. Und so gebet euch ihm ganz , und macht ihn zum Herrn eurer Zukunft.

Er sei uns Allen fortan Heiland und König, dann ist uns große Freude widerfahren, die kein Ende nimmt. Amen.