Andacht 31.12.2017

Lukas 13,8.9

Herr, laß ihn noch dieses Jahr, bis daß ich um ihn grabe und bedünge ihn, ob er wollte Frucht bringen; wo nicht, so haue ihn darnach ab.

Der Gärtner kommt heute in seinen Garten und sucht Früchte. Wenn er sich nun vor den Baum deines Lebens stellt, und deine Jahre fragt, dieses Jahr besonders: was antworten sie? Was spricht dieses Jahr von dir? Findet Er die erwünschten Früchte? Er hat viele Gnaden an dich gewandt, hat dir viel gegeben; und wem viel gegeben ist, von dem will Er auch viel fordern. Wie nun? Hast du dieses Jahr angesehen als eine Zeit, die der Ewigkeit dienste? Hat dir stets über der wolkigen Erde der klare, ewige Himmel dagestanden? Ist er dir nie verdeckt worden durch die Nebel der irdischen Gesinnung? Hast du keine Zeit verschleudert mit Nichtsthun, mit verschwenderischem Müßiggang, mit eitlem Sinnengenuß? Haben, selbst, wenn du ruhtest, große, heilige Sonnengedanken deine Seele durchzogen? – An Gelegenheit zum Guten, an Gnadenmitteln, an innerlichen Rührungen, an äußerlichen Einladungen zur Seligkeit hat es dir nicht gefehlt: wie hast du sie benutzt? Bist du vorwärts oder rückwärts gekommen? Oder bist du stehen geblieben auf dem alten Sündenfuß? – Viel leibliche Wohlthaten hat dir Gott geschenkt: hast du Ihm dafür gedankt und sie zu seiner Verherrlichung genossen und angewandt? – Manche Leiden und Prüfungen hatte Er zu deinem Heil über dich verhängt, hast du sie geduldig, ergeben, gläubig getragen und aus ihnen Segen gehabt für deine unsterbliche Seele? – Du bist älter geworden: bist du auch besser, weiser zur Seligkeit, frömmer, heiliger, seliger geworden? Bist du ein wahrer Christ, ein wiedergebornes Kind Gottes, und, wenn du heute sterben müßtest, wüßtest du, daß du selig stürbest und in den Himmel zum Herrn Jesu kämest? Wo ist die Frucht von aller Arbeit des treuen Himmelsgärtners an deiner Seele? – Ach, sprich zum Herrn mit Augustinus: „Was ich gelebt habe, das bedecke Du; was ich noch leben werde, das regiere Du.“ Flehe zu deinem himmlischen Hohenpriester, daß Er auch für dich zum Vater sage: Laß ihn noch dieses Jahr, bis daß ich um ihn her aufgrabe und bedünge ihn, vielleicht bringt er dann Frucht; wo nicht, so kannst du ihn umhauen. – Vielleicht ist das kommende Jahr das letzte; vergiß daher das Sterben nicht. Der Tod findet uns alle Jahre; wir stehen mit verbundenen Augen um ihn her, und er greift bald nach diesem, bald nach jenem. Irgend ein Tag ist der letzte unseres Lebens, wie der heutige der letzte des verflossenen Jahres. – Gott tritt dir heute insbesondere entgegen und bietet dir noch einmal seine Hand. O ich beschwöre dich bei Allem, was heilig ist, stoße die Hand deines Gottes nicht von dir, und lerne sprechen:

Fahr‘ hin mit allen deinen Freuden,
mit deinem Glück und deiner Lust;
Fahr‘ hin, du Jahr, mit deinen Leiden,
die nicht mehr klemmen meine Brust!
Das Alles ist ja nun vorbei,
wie süß, wie herb’s gewesen sei.

Fahr‘ hin mit allen deinen Thaten,
die ich in deinem Lauf gethan!
Fahr hin mit allem, was mißrathen,
mit jedem Schritt auf deiner Bahn!
Ob ich erfüllt, versäumt die Pflicht,
zurückrufen kann ich’s nicht.

Mich tröstet Eins bei deinem Scheiden,
daß du mir Den nicht mit entziehst,
der durch sein Leiden
mir ein Erlöser worden ist.
Bleibt mir Sein Wort und Werk nur stehn,
so mag die Zeit, die Welt vergehn.

*Hahn*