Blarer, Ambrosius - Über den Tod Johannes Zwicks

„Als Dr. Hans sechs Wochen zu Bischofszell mit unglaublich großem Fleiß und Ernst das Wort des Lebens geprediget, die Kranken und Sterbenden selbst täglich heimgesucht und mit herzlicher Treue und hitziger Liebe getröstet, sie in das rechte ewige Vaterland abgefertiget und also seinen wahren und durch die Liebe thätigen Glauben gewaltiglich mit Männigliches Kundschaft bezeugt: hat der liebe Gott und getreue Vater im Himmel an seiner großen Müh und Arbeit, so er denn jetzt und vormals viele Jahre in seinem Weingarten gehabt, ein gnädiges ganz väterliches Begnügen gehabt und ihn mitten in der Uebung christlicher Liebe (eben mit der Krankheit und mit derlei Tod des Fleisches), auch in solchem himmlischem Gnadentrost göttlich gestärkt, wie er vorhin oft an anderen Kranken und Sterbenden gesehen hatte, berufen und also von dieser argen Welt und allem Uebel gnädiglich erlösen und führen wollen in die wundersame selige Ruh aller seiner getreuen Diener und ihn hören lassen die freudenreiche Stimme: Ei du getreuer Knecht, dieweil du in dem Wenigen getreu gewesen bist, will ich dich über viel setzen, gehe herein in die Freud deines Herrn! Es hat aber unser gottgefälliger frommer Doctor Hans in diesem seinem letzten Abschied, nach dem Brauch der h. Erzväter, auch des Herrn Christi selbst vor seiner Himmelfahrt, viel Guts und göttlicher Benedeiung herzlich begehrt und gewünscht vielen sonderen Personen, zuvor aber unserer Kirche, auch mit vielen schönen Ermahnungen und Trostreden diejenigen, so bei ihm gewesen, angesprochen und also sein liebreiches Gemüth gegen Jedermann und aber nicht weniger sein vertrautes Herz und beständigen lebendigen Glauben auf Christum Jesum mit ganz unerschrockener Tapferkeit bewiesen und erzeigt, auch mit seinem Munde bis gar noch in den hintersten Athemzug bekannt, und als seine Zunge nicht mehr reden konnte, mit dem Finger über sich gedeutet, seine unverrückte steife Hoffnung in das himmlische Vaterland damit zu bezeugen und also seinen Geist dem Herrn Jesu befohlen. Gott sei hochgelobt in Ewigkeit, indessen Kraft und Stärken einen solchen guten Kampf gekämpft, seinen Lauf vollendet, Treu und Glauben an seinem Herrn gehalten und die Krone der Gerechtigkeit seliglich von ihm empfangen hat.“

Der Verlust Zwicks hat mich so hart getroffen, daß ich des Lebens überdrüssig mich sehr sehne, aus dieses Fleisches Banden und der Befleckung der Welt möglichst bald erlöst zu werden.“

„Seine Lehr und Predigt war ganz rund und gesund, hell und klar, ordentlich und verständlich abgetheilt, einfältig, weit von aller unnützer, spitziger oder zänkischer Dinge Vorgebung, sondern zunächst gerichtet auf die Besserung; seine Vermahnung war dringlich, sein Strafen ernsthaft, seine Warnung getreu, sein Trost süß und ganz liebreich, und dieß nicht allein auf der Kanzel, sondern täglich und ohne alles Aufhören gegen sondere Personen, denen er zu allen Guten lieblich und seelisch berathen und geholfen gewesen ist. Ganz kostfrei und mild war er gegen den armen Dürftigen, gastfrei den Fremden, Waislosen und Elenden, mitleidig mit den Kranken und Allen, so mit mancherlei Anfechtungen Leibs oder der Seele beladen waren. Sonderlich aber hat ers doch mehr als gut und getreulich mit der armen unerzogenen Jugend gemeint, der er viele Jahre mit Predigen und der Zucht nicht ohne großen trefflichen Nutzen ist vorgestanden. Ach, wie mit unglaublichem Fleiß und mehr denn väterlicher Treue und Sorge hat er sich ihrer angenommen? Wie mancherlei mit viel Nutz und ungesparter Arbeit versucht? Auch viel anderer verständiger Leute hier und anderswo fleißig Rath gepflogen, wie doch dieses irrig, wild, ungezähmt Alter mit bester Weise und Ordnung in Lehr, Zucht und aller Gottseligkeit aufgebracht und zu einem tröstlichen Vorrath auf künftigen Mangel erhalten würde. Also daß er, wiewohl er dem Fleische nach mit Kindern nicht begabt, doch ein fruchtbarer Oelbaum gewesen ist in dem Haus des Herrn, dem er in sein Reich viel fromme liebe Kinder geboren hat.“

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