Bugenhagen, Johannes - Zum Römerbrief

Römer 1

Das Euangelium ist eine krafft Gottes/ die da selig macht etc.

DIe verblente gottlose Welt/ veracht die selige Predigt des Euangelii / als ein Lere/ die nur ergernis und unordnung anrichte. Wie S. Paulus i Cor. i zeuget/ da er spricht / Wir predigen den gecreutzigten Christ/ den Juden eine ergernis/ und den Griechen eine torheit.

Die Gleubigen aber wissen und erfaren/ das/ so sie Gottes wort hören/ lesen oder betrachten/ und mit glauben annemen/ es jnen eine Göttliche krafft und weisheit ist/ da durch sie vergebung der sünden/ den heiligen Geist (Gal. iii. Act. x.) trost in allerley anfechtung etc. empfahen.

Der heilig Geist aber gibt zeugnis jrem Geist/ das sie durch Christum/ von des Teufels gewalt / das ist/ von der Sünden last/ und des Todes furchte/ erlöset/ Gottes kinder seien/ welche in kindlicher zuversicht/ Gott auch anruffen/ als jren lieben Vater.

Werden also gesterckt/ und wachsen jmer fort/ in der krafft Christi/ durch die gnade des Vaters/ und trost des heiligen Geists.

Das lasse eine unaussprechliche gnade und allmechtige krafft Gottes sein/ in denen so da gleuben und selig werden/ welche das Euangelium des grossen Gottes/ und unsers Heilands Jhesu Christi/ in jnen wircket und schaffet.

Römer 15

Was aber vorhin geschrieben:

DIe Schrifft nennet die Gleubigen/ kinder des Tods/ die teglich / wie Schlachtschaffe/ umb Gottes/ und seines Worts bekentnis willen/ von der gottlosen argen Welt/ verfolget und erwürget werden.

Darumb/ wer mit ernst gedenckt ein Christen zu sein/ der erwege sich nur des frey/ das er trübsaln haben/ und viel verfolgung leiden müsse.

Wie auch S. Paulus zeuget/ und spricht/ Alle die Gottselig leben wöllen in Christo Jhesu/ müssen Verfolgung leiden. Item/ Durch viel Trübsaln müssen wir in das reich Gottes gehen. Und Christus / Wer Mir nachfolgen wil/ der verleugne sich selbs/ und neme sein Creutz auff sich/ und folge mir. Item/ Der Knecht ist nicht grösser denn sein HErr. Haben sie Mich verfolget/ sie werden Euch auch verfolgen.

Nu solche trübsaln und verfolgung zu leiden und auszustehen/ wil gedult zu gehören/ Wie geschrieben stehet/ Ebre. x. Gedult ist euch not / das jr den willen Gottes thut/ und die Verheissung empfahet.

Solche gedult aber/ wechset nicht in unserm Hertzen/ sondern die Schrifft allein leret sie. Die weiset uns erstlich auff Christum/ welcher/ da Er (umb unser Sünde willen) gestrafft und gemartert ward/ seinen Mund nicht auff that etc. Esa. liii. Und ermanet uns weiter seinem Exempel nach zu folgen/ Ebre. xii. Lasset uns lauffen/ durch Gedult/ in dem Kampff/ der uns verordnet ist/ und auffsehen auff Jhesum etc.

Zum andern/ Helt sie uns auch den herrlichen Trost fur/ Das solch unser verfolgung und leiden/ eine kleine zeit/ ja nur ein augenblick wehren sol. Da gegen wir aber gewislich einer ewigen und unaussprechlichen freude und seligkeit/ in jenem Leben zu hoffen haben/ wie hie der Apostel saget/ Auff das wir durch gedult und trost der Schrifft hoffnung haben etc.

Quelle: Vieler schönen Sprüche aus Göttlicher Schrifftauslegung

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