Habermann, Johannes - Predigt am II. Sonntage nach der Offenbarung Christi über Joh. 2 (1 – 11).

Von Weihnachten an bis hieher haben wir gehört von der Geburt und wahrhaftigen Menschwerdung Christi Jesu, unseres Herrn. Von nun an hält uns die christliche Kirche vor etliche Evangelia von seinen Wunderzeichen, daraus wir erkennen sollen seine göttliche Gewalt und Allmacht, dass er in einer Person wahrer Gott und zugleich auch wahrer Mensch ist. Es ist aber dies das erste Wunderzeichen, so Christus gethan hat auf Erden in seiner angenommenen Menschheit, wie es der Evangelist selbst meldet. Daher denn leicht abzunehmen ist, dass er in seiner Jugend, ehe er in das Predigtamt getreten ist, kein Wunderwerk gethan hat. Es war auch nicht Noth, dass Christus in seiner Jugend sollte viele Zeichen thun, weil er noch nicht in das Lehramt getreten war. Denn wozu dienen die Zeichen ohne das Wort? Sie sind allein gegeben zu bestätigen das Wort oder die Lehre, wie St. Lucas am Letzten sagt von den Aposteln. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen. Allhier hören wir, dass Zeichen und Wunder werden gegeben zu bestätigen die Lehre oder das Wort, das man predigt. Darum hat Christus nicht eher Wunderwerke gethan, denn da er anfing zu lehren; da fing er auch an, Mirakel zu thun, seine Lehre damit zu bekräftigen, dass sie gewiss von Gott wäre.

Also thaten Moses und Aron kein Wunder, bis sie Gottes Wort und Befehl bekamen, die Kinder Israel aus Ägypten zu führen in’s Land Canaan, Solches wahr zu machen und zu beweisen, dass sie dess einen klaren und gründlichen Befehl hatten von Gott. Dies war von Nöthen mit Wunderzeichen zu bewähren, und desshalb gab ihnen Gott etliche Mirakel zu thun vor dem Könige Pharao in Ägypten (Exod. 3. und in den nachfolgenden Capiteln).

Und die Wunderwerke helfen nicht wenig unserm Glauben, da wir sonst von Natur zu schwach sind und nicht leicht einem blossen Worte glauben, es sei denn, dass wir sehen grosse Wunder, aus welchen wir spüren mögen, dass das Wort sei gewisslich Gottes Wort. Viele Leute sind von den Mirakeln bewegt worden, dem Worte zu glauben, wie geschrieben steht Joh. 2., bald nach dem heutigen Evangelio: Es glaubten Viele an seinen Namen, da sie die Zeichen sahen, die er that; und am 3. Capitel spricht Nicodemus: Meister, wir wissen, dass du bist ein Lehrer von Gott kommen, denn Niemand kann die Zeichen thun, die du thust, es sei denn Gott mit ihm. Dies ist die Ursache, warum Christus in seiner Jugend kein Wunderwerk gethan hat, sondern es gespart bis auf sein Predigtamt.

Nun, weil dies das allererste Zeichen ist, das Jesus gethan hat in seiner Menschheit, und ist der Anfang unter den andern Mirakeln allen, so will uns gebühren, dass wir desto fleissiger auf dies erste Wunderwerk merken, was für Lehre wir hieraus sollen nehmen.

Theilung dieses Evangelii in zwei Stücke.

  • I. Maria, die heilige Jungfrau und Mutter Gottes, hält uns vor ein Exempel der rechtschaffenen Liebe, wie wir uns armer Leute Noth sollen annehmen.
  • II. Christus, der Herr, beweis’t seine göttliche Natur und Allmacht, da er Wasser in Wein macht, lehret uns, dass wir ihn sollen erkennen und an ihn glauben als wahren Gott und Menschen. Von diesen zweien höchsten Personen wollen wir sagen.

Das erste Stück.

Und am dritten Tage ward eine Hochzeit. Am dritten Tage, nachdem Nathanael ist zu Christo kommen, davon im ersten Capitel zu lesen ist, oder am dritten Tage in der Woche, welches bei uns der Dienstag ist, da ward diese Hochzeit gehalten. Denn die Juden haben in ihrer Sprache nicht sonderliche Namen der Tage, wie wir Deutschen, sondern nennen sie schlecht in der Ordnung nach der Woche oder dem Monat, als: den ersten, andern, dritten Tag nach dem Sabbath. Daher Joh. 20.: An der Sabbather einem, das ist, am ersten Tage in der Woche, welches bei uns ist der Sonntag, vermelden die Evangelisten, dass Christus auferstanden ist von den Todten. Und es ist ein feiner, löblicher Brauch gewesen, dass sie nicht haben Hochzeit gehalten am Sabbath, da man Gottes Wort soll hören und lehren, nicht mit Fressen, Saufen, Tanzen, Spielen den Tag zubringen. Hochzeit ist eine hohe Zeit und fröhlicher Tag dem Bräutigam und der Braut neben ihren geladenen Gästen.

Es wird auch der Ort genannt, da die Hochzeit ist gewesen, zu bestätigen die Historien, nämlich zu Cana in Galiläa, welches da liegt nicht weit von Nazareth und kaum eine Tagereise von Capernaum, welches daher abzunehmen ist, weil der Knecht sprach zu dem Königschen, der von Capernaum zu Christo kam gen Cana: Gestern um die siebente Stunde verliess ihn das Fieber Joh. 4., und wird unterschiedlich hinzugesetzt: In Galiläa. Denn es ist sonst auch ein ander Cana, das liegt nicht im Galiläischen Lande, sondern in der Gränze Zabulon, nicht weit von Sarepta, zwischen Tyro und Sidon, und dasselbige wird das grosse Cana genannt.

Und die Mutter Jesu war da. Dies ist ein Anzeichen, dass der Ort Cana nicht weit von Nazareth muss gelegen sein, weil Maria dahin auf die Hochzeit reiset, und kann wohl sein, dass entweder Braut oder Bräutigam haben Mariä zugehört und sind ihr vielleicht mit Blutsfreundschaft verwandt gewesen; denn zur hochzeitlichen Wirthschaft pflegt man gemeiniglich die nächsten Freunde und Nachbarn zu laden.

Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und der Herr erscheint auch neben seinen Jüngern, dem heiligen Ehestande zu Ehren und den neuen Eheleuten zu sonderlichem Gefallen. Hieraus lernen wir, dass die Christen im geistlichen und weltlichen Stand wohl mögen zur hochzeitlichen Ehre und Wirthschaft kommen, fröhlich und guter Dinge sein in dem Herrn; ja sie thun Gott einen angenehmen Dienst und Wohlgefallen, so sie mit ihrer Gegenwart den Ehestand schmücken. Darum geschrieben steht Hebr. 13: Die Ehe soll ehrlich gehalten werden bei Jedermann. So ist auch ziemliche Freude nicht verboten, wie zu den Römern 12 steht: Freuet euch mit den Fröhlichen. Und Matthäi 9: Wie können die Hochzeitleute Leide tragen? Es ist ein unhöflich Stück, wenn man den Leuten nicht will zu Ehren ziehen und in solchem Falle den Armen nicht dienen.

Da es aber an Wein gebrach u.s.w. Es werden gute, arme Leute sein gewesen, Braut und Bräutigam, welche doch der Evangelist uns will ungenannt lassen, sintemal uns an ihrer Person Nichts gelegen ist, sie sind gleich gewesen, wer sie wollen. Dies vermelden sie aber, da die Gäste am besten wollen fröhlich und guter Dinge sein, so ist kein Wein mehr vorhanden. Die guten, armen Leute haben nicht genugsam Vorrath an Wein sich geschafft, es wird an Geld gemangelt haben. Solches geht allein der heiligen Jungfrau Maria zu Herzen, die erfährt am ersten, dass es an Wein zerrinnen und gebrechen will; denn sie ohne Zweifel zu dieser Hochzeit gedienet, umgelaufen und Hausmutter wird gewesen sein, in die Küche und Keller gesehen, wie es allenthalben stehe. Und als sie spüret den Abgang des Weins, ist sie bekümmert. Jedermann schweigt still und siehet, wo es hinaus will; allein die liebe Maria nimmt sich dieser Noth an, lässt sich’s zu Herzen gehen und spricht zu ihrem Sohne: Sie haben nicht Wein. Allhier siehst du eine feine, rechtschaffene Christin, die Jungfrau Maria, wie voll Liebe und Glauben ihr Herz ist. Die Liebe erweis’t sie damit, dass sie ein solch Mitleiden hat mit dem Bräutigam und der Braut, dass sie sollen zu Schanden werden in ihren höchsten Ehren am Hochzeitstag, erbarmt sich und thut ihr wehe, schämt sich dess der Leute wegen, und ist ihr nicht anders zu Sinn und Gemüth, als widerführe ihr selber der Schimpf. Und weil sie selber für ihre Person nicht kann, noch weiss weder zu rathen, noch zu helfen, so thut sie doch eine Fürbitte bei ihrem Sohne, dass derselbige soll ein Einsehen haben und Wein schaffen. Den Glauben aber beweis’t sie damit, dass sie ihrem Sohne den Mangel des Weins nur thut vermelden und anzeigen, mit starker Zuversicht, er wird wohl Rath wissen und ungeholfen nicht lassen. Aber höret, was Christus ihr antwortet.

Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Wie? Was höre ich da? Fährt Christus seine liebe Mutter so übel an? Schnarcht sie also unhöflich an? Ist das fein oder recht? Giebt er ihr doch den Namen nicht und thut ihr die Ehre nicht, dass er sie Mutter nennt. Das heisst ja dürr und verächtlich abgewiesen. nun, wir müssen dieses Dinges Ursache betrachten, so werden wir befinden, dass nichts Ungöttliches oder Unehrliches gethan ist, sintemal er seine Mutter zu jeder Zeit verehrt hat. Weil er zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch ist und die göttliche Natur nicht hat von der Jungfrau Maria genommen, sondern von Gott seinem Vater in Ewigkeit geboren ist, so will er auch nach dieser seiner Natur sie nicht für seine Mutter erkennen, wie sie es auch nicht ist, noch sein kann, sondern sie ist ein Mensch, und was anlangt die Natur, ist sie andern Weibern gleich, ob sie wohl mit mehr Gaben begnadet ist vor allen andern Weibern. Zum Andern hat Christus wohl gesehen und gewusst, was zukünftiger Zeit die abgöttischen Leute durch des Teufels Betrug aus der Jungfrau Maria würden machen, nämlich eine Göttin, und sie über Christum, den Sohn Gottes, heben und setzen, darum, dass sie seine Mutter ist und genannt wird nach dem Fleisch; darum hat er dieser Abgötterei wollen zuvorkommen und sie stürzen mit diesem Wort: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Und er giebt hiemit zu verstehen, dass sie schlecht ein Weib ist, geboren wie andere Weiber, und sei keine Göttin, habe auch Christo in göttlichen Sachen Nichts zu gebieten oder mit ihm zu schaffen, auf dass wir nicht die Ehre, so Christo eigentlich gebührt, seine Mutter geben und uns lassen betrügen der Mutter Namen, wie es denn leider im Papstthum geschehen ist, da sie ist angebetet worden und genannt das Leben, die Hoffnung, das Heil der Welt. Damit ist Christus und seine Ehre verdunkelt worden; ja, man hat ihn beraubt seiner Ehre und dieselbige seiner Mutter gegeben. Wenn wir jetzt solche Gotteslästerung und Abgötterei strafen, so will uns der Papst Schuld geben, als verunehrten wir Maria, gleich als könnte Maria nicht anders geehrt werden, man hielte sie denn für eine Göttin, so doch sie und alle Heiligen haben ihre gemessene Ehre. Davon zur andern Zeit. Zum Dritten lehret Christus hiemit auch, dass alle Kinder in göttlichen Sachen sich nicht sollen lassen hindern von Vater und Mutter, Brüdern und Schwestern. Matth. 10.: Wer Vater und Mutter mehr liebt, denn mich, Der ist mein nicht werth.

Dass er aber sagt: Meine Stunde ist noch nicht kommen, damit schlägt er nicht ihre Bitte ab, sondern viel mehr, er thut ihr Verwöhnung zu helfen, der auch Fremde nicht hat lassen ungeholfen; allein seiner Macht will er’s fürbehalten haben, wie, wenn und wo er helfen soll. Man soll ihm nicht Zeit, Ziel und Maass vorschreiben, wann und wie er helfen soll. Er weiss seine Zeit wohl zu treffen, nämlich, wann die Noth am höchsten ist und man an aller menschlichen Hilfe verzagt hat, so kommt Christus und hilft am liebsten. Jetzt war seine Stunde noch nicht vorhanden, denn der zehnte Mensch hat noch kaum erfahren den Mangel des Weins, und wenn er alsbald geholfen hätte, ehe man recht wäre inne geworden des Weines Abbruch, so wäre sein Wunderwerk nicht Jedermann kund, noch angenehm geworden. Darum spricht er: Meine Zeit ist noch nicht gekommen.

Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch saget, das thut. Sie ist zufrieden mit der Antwort Christi und erkennet Beides, nämlich, dass sie der Sache zu Viel gethan hat in diesem Fall mit vermuthlicher Anforderung eines Wunderwerks und Bestimmung der Zeit; dazu so gläubet sie auch, dass er noch werde helfen nach seiner Gelegenheit. Darum hält sie nicht weiter an mit Anforderung oder Bitten, sondern sie richtet die Tischdiener ab, heisst sie warten auf ihren Sohn; so er würde Etwas sagen und schaffen mit ihnen, dass sie Solches nur bald thäten ohne alles Widerreden und sollten nicht fragen: Warum? Weshalb? Wie? Sondern sie sollen schlecht thun Alles, was ihnen geheissen wird. Denn sie spricht: Was er euch saget, das thut. Wir hören allhier klar, dass Maria von sich gänzlich abweis’t an ihren Sohn; was er befiehlt, Das soll man thun. So wir nun der Mutter Gottes einen Dienst thun wollen, so lasset uns folgen und thun, was sie befiehlt, nämlich, wir sollen auf ihren Sohn sehen, denselbigen hören und thun, was er heisst; denn sie schiebt Alles von sich allein auf Christum, den Herrn. Dies sollen Die wohl merken, so Maria recht ehren und dienen wollen.

So lehren wir nun auch nach diesem Exempel, dass wir unsern Nächsten lieben und ihm helfen sollen in allen Nöthen, und wo wir für unsere Person ihm nicht helfen können, sollen wir doch fürbitten und Ursach suchen oder geben zur Hilfe, wie Maria thut, als nämlich, wo eine Hausmutter armer Leute Noth gewahr wird, soll sie Das nicht in sich fressen und schweigen, oder denken: Was geht es mich an! Nein, Das thut die rechte Liebe nicht, sondern, ob sie gleich nicht helfen kann, so soll sie zu ihrem Hauswirth gehen oder zu ihrem Sohne, so der in Gütern sitzt und sie inne hat, und soll sprechen, wie die liebe Maria thut: Sie haben nicht Wein. Diese armen Leute haben keinen Bissen Brod, kein Holz, keine Kleider. O wir wollen ihnen helfen, es sind fromme Leute, gehen fleissig zur Kirche, sie haben viele unerzogene Kinder und lassen es sich sauer werden. Im Fall, ob sie gleich darüber werden angeschnauzt von ihren Männern oder Kindern, was frage ich danach? Was geht’s mich und dich an? Wer kann Jedermann genug geben? So sollen sich die Weiber nicht sobald lassen abweisen und abschrecken, sondern, wie Maria thut, hingehen und andere Gelegenheit suchen, die Armen heimlich unterweisen und abrichten, dass sie sollen anhalten oder zur andern Zeit wiederkommen, da möchten sie eine bessere Stunde treffen. Denn also kann man oft einen harten und ungütigen Hauswirth gewinnen und den Armen dienen. Also that die reiche Frau, die Sunamitin, im 2. Buch der Könige, Cap. 4. Die sprach zu ihrem Manne: Siehe, ich merke, dass dieser Mann Gottes (Elisa) heilig ist, der immerdar hier durchgehet. Lass uns ihm eine kleine bretterne Kammer oben machen und ein Bett, Tisch, Stuhl und Leuchter hineinsetzen, auf dass er, wenn er zu uns kommt, dahin sich thue. Und Solches erlangte sie auch von ihrem Hauswirth. Jetziger Zeit findet man das Widerspiel. Wenn gleich unterweilen ein Mann Etwas will armen Leuten geben, so darf er vor dem Weibe nicht. Die machen sich unnütz darüber und verwehren es, reden das Ärgste dazu, widerrathen es, hindern Das, wo sie können und mögen, dürfen wohl einen Hader mit ihren Männern anfahen, zürnen wohl acht Tage darüber und haben eine Riffelwoche, weisen die Armen mit harten Worten ab. Aber wenn sie zu ihrer Hoffahrt Etwas wollen haben, so wissen und können sie die geschmiertesten Worte geben und ihre Männer überreden. Dies wird Gott strafen, ihren Wein zu Wasser machen, ihr Gut zerstäuben, wo man sich nicht will bessern.

Das andere Stück.

Es waren allda sechs steinerne Wasserkrüge, gesetzt nach der Weise der jüdischen Reinigung. Gott hatte den Juden viele Gebote gegeben von Waschen, Baden und Reinigung, anzuzeigen ihre innerliche Unreinigkeit. Aber die Juden, ungeachtet zu reinigen ihre Herzen, sind sie allein umgegangen mit äusserlichem Waschen, und aus Aberglauben haben sie viele Aufsätze dazu gethan mit Händewaschen (Matthäi 15) und mit Reinigung der Geschirre, Schüsseln und Becher, unangesehen, dass sie inwändig voll Hoffahrt, Heuchelei und aller Unreinigkeit waren (Matth. 23). Also ist dies auch eine Weise der jüdischen Reinigung gewesen, dass sie zu allen Gerichten und Essen sich pflegten zu waschen, und waren doch nie rein.

Sechs Wasserkrüge, und gingen in je einen zwei oder drei Maass; das ist, so gross und schwer, als man sie hat können tragen. Damit wird das Wunderwerk Christi desto gewisser und herrlicher bezeugt, dass man nicht denken möchte, es wäre des Weins Wenig gewesen, den man leichtlich verborgen und anderswoher hätte gebracht. So ist es auch viel ein anderer und besserer Wein gewesen, denn der vorige, so der Bräutigam gespeis’t hatte, dass man nicht kann denken, er wäre etwa verhalten und von des Bräutigam’s Wein hergekommen. Denn der Speisemeister spricht: Jedermann giebt zum Ersten den guten Wein, darnach, wenn die Gäste trunken, das ist, ein wenig bezecht sind, alsdann den geringern. Denn wenn die Maus satt ist, so schmeckt das Mehl bitter: so giebt man nicht mehr Achtung, wie der Wein ist oder schmeckt. Du hast den guten Wein bisher behalten; denn er wusste nicht, von wannen er kam: aber die Diener wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten.

Das ist das erste Zeichen, das Jesus that, geschehen zu Cana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. Hier zeigt der Evangelist selbst an den Nutzen und Brauch dieses Mirakels, was wir hieraus lernen sollen, nämlich: Christus hat seine göttliche Natur und Allmächtigkeit, welche bisher verborgen und unbekannt war, der Welt geoffenbart und angezeigt, was in seinem Fleische wohnet, nämlich, wie Joh. 1 steht: Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit, das ist, ein rechter, natürlicher, ewiger Gottessohn, gleicher Majestät, Gewalt, Macht und Ehre, in Einem göttlichen Wesen mit Gott Vater und dem heiligen Geist. Solche Herrlichkeit hat kein Kaiser, König auf Erden; denn sie haben es nicht bewiesen mit dergleichen Wunderwerken und können es ihm auch nicht nachthun.

Und seine Jünger glaubten an ihn. Durch dies Wunderzeichen sind seine Jünger im Glauben gestärkt worden, dass ihr Glaube hat zugenommen. Also sollen wir auch aller Mirakel Christi brauchen zur Stärkung unseres Glaubens, und nicht allein hören als eine Geschichte und Historie von dem grossen Könige Alexander in Macedonien, welches uns Nichts hilft zur Seligkeit, sondern, wie gesagt ist, wir sollen daraus bewegt werden, im Glauben gegen Gott zu wachsen. Und Dies sollen wir auch bei allen Wunderwerken Christi merken und lernen, ob es gleich nicht bei allen steht und angehängt ist; denn wie kann man’s zu allen schreiben, und was ist es auch Noth, dass man’s überall und so oft sollte setzen? Es ist genug, dass es bei dem ersten Wunderwerke stehet, und ein jeglicher vernünftiger Mensch kann es hernach wohl denken, dass man Solches auch bei allen anderen Zeichen Christi soll merken, wie sich denn der Herr oft auf seine Werke beruft, Joh. 5: Die Werke, die mir der Vater gegeben hat, dass ich sie vollende, dieselbigen Werke, die ich thue, zeugen von mir, dass mich der Vater gesandt hat. Und am 10. Capitel: Thue ich nicht die Werke meines Vaters, so gläubet mir nicht; thue ich sie aber, gläubt doch den Werken, wollt ihr mir nicht gläuben, auf dass ihr erkennet, dass der Vater in mir ist, und ich in ihm. Item am 15.: Hätte ich nicht die Werke gethan unter ihnen, die kein Anderer gethan hat, so hätten sie keine Sünde. Derhalben sollen wir aus diesem und anderen seiner Wunderwerke erkennen, dass er der wahrhaftige Messias und Gottes Sohn ist, in welchem wir haben Vergebung der Sünden, Heil und Seligkeit. Denn also beschliesst St. Johannes sein Evangelium am 20. Capitel. Auch viele andere Zeichen that Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buche. Diese aber sind geschrieben, dass ihr gläubet, Jesus sei Christ, der Sohn Gottes, und dass ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

Ferner will Christus hiemit anzeigen, dass er uns in leiblicher Noth auch will helfen. Wie er allhier das Wasser zu Wein macht und den Leuten damit dienet zur Leibesnothdurft, also will er auch unser Kreuz und Noth wenden und uns bisweilen einen Trunk Wein zur Labung und Ergötzlichkeiten schenken. Allein er will sich nicht Ziel, Zeit und Maass lassen vorschreiben. So er nun verzeucht, sollen wir nicht alsbald verzagen, sondern ein wenig ausdauern, wie der Prophet Habakuk spricht Cap. 2: Harre ihrer, sie wird gewisslich kommen und nicht verziehen. Das ist, auf die Weisung und Hilfe Gottes sollen wir warten und nicht matt werden in unserm Muth. Denn wenn die Noth am höchsten ist und die Ochsen am Berge sind, können nicht mehr ziehen, wenn alle menschliche Mittel zerrinnen oder nicht helfen können, so kommet Christus unversehens und hilft schnell, das ist alsdann seine Stunde, zu welcher er uns am liebsten will erhören und erretten, und in welcher uns seine Hilfe angenehm ist, und Solches dienet auch am besten zu seiner Ehre. Denn wenn Gott alsbald uns hülfe im Anfang der Noth, ehe wir das Kreuz fühlten, so würde seine Errettung bei uns nicht gross geachtet, noch geehret, würde auch dem Herzen nicht fast angenehm sein, als wenn wir uns eine Weile abgeängstigt und abgemartert hätten. Desswegen, auf dass wir nicht möchten sagen und gedenken: Diese Noth wäre sonst wohl vergangen, und zu diesen Dingen wollten wir selbst noch Rath gefunden haben: so dienet es zu Gottes grösserer Ehre und Herrlichkeit, dieselbige besser zu erkennen, dass Gott eine Weile verzeucht mit seiner Hilfe, bis er seine Stunde ersiehet; denn wenn die Noth am grössten ist, so hilft er am liebsten, wie der 46. Psalm sagt: Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den grossen Nöthen, die uns getroffen haben. Item, er ist ein Helfer zur rechten und bequemen Zeit. Dies sollen wir fleissig merken und uns darnach richten.

Letztlich, dass Christus sein erstes Zeichen gethan hat auf einer Hochzeit, damit hat er den heiligen Ehestand verehret als einen löblichen, guten Stand, von Gott eingesetzt im Paradiese zur Zeit der Unschuld, darin man Gott auch kann dienen, gefallen und durch den Sohn Gottes selig werden. Dies ist dem heiligen Ehestand nicht eine kleine Ehre wider die Teufelslehrer, so diesen Stand versprechen und schänden, verbieten, ehelich zu werden. 1. Timoth. 4.

Dies sind die zwei Lehren in diesem Evangelio. Erstlich habt ihr gehört von der Liebe, welche die Mutter Christi beweis’t gegen die armen neuen Eheleute, mit Dem, dass sie eine Fürbitte thut bei ihrem Sohne, ihnen zu helfen. Darnach, dass wir aus diesem grossen Wunderwerk Christi, da er Wasser zu Wein macht, ihn sollen erkennen für unsern Gott, Heiland und Erlöser, der uns in aller Noth will helfen, wenn er seine Stunde siehet. In solchem wahren, beständigen Glauben wolle uns erhalten Christus, der ewige Sohn Gottes. Amen.

Quelle: Beste, Wilhelm - Die bedeutendsten Kanzelredner der lutherschen Kirche des Reformationszeitalters

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