Hus, Jan - Abendmahl

Es gibt vier tiefste, geheimste und höchste Mysterien unseres Glaubens, nämlich: von der heiligsten Trinität; von Gottes Schöpfung und Prädestination; von der Inkarnation des Wortes und von dem ehrwürdigen Sakrament des Leibes und Blutes unseres Herrn Jesu Christi … Das Mysterium des Altarsakraments gehe nicht bloß über die Sinne eines bloßen Menschen, sondern auch über seinen Verstand und könne nicht voll begriffen werden … der spirituale Genuß müsse dem sakramentalen immer vorausgehen als der notwendigere, zu dem alle Menschen bei Verlust des ewigen Lebens gehalten seien.

I. Warum hat Christus dieses Sakrament eingesetzt? Zu seinem Gedächtnis, zum Gedächtnis seines Leidens, seines Lebens, seiner Werke und Wohltaten, seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Diese Erhebungen von der Erde ans Kreuz, vom Tod ins Leben, von der Welt in den Himmel soll der Priester im Gedächtnis haben, wenn er im ehrwürdigen Sakrament den Leib Christi erhebt.

II. Was ist von diesem Sakrament zu halten? Hier sage ich, daß alles, was Christus von sich aus den Aposteln und durch sie und andere heilige Doktoren gelehrt hat, und was seine heilige römische Kirche hierüber annimmt, das fest zu glauben sei. Und das zu glauben, hat vielen Heiligen im allgemeinen genügt und genügt den Ungelehrten und Einfältigen … daß in Kraft der Macht und Institution Christi des wahren Gottes und wahren Menschen durch den Dienst der Priester im ehrwürdigen Sakrament sein wahrer Leib sei … Der Priester weiht, d.h. macht durch die Kraft der sakramentlichen Worte dienstweise, daß unter der Gestalt des Brotes der wahre Leib Christi ist und ebenso unter der Gestalt des Weines das wahre Blut Christi. Und er tut das, indem er das Brot in seinen Leib, den Wein in sein Blut transsubstaziiert (verwandelt); … nie habe er gepredigt, daß ein Sakrament des Altars die Substanz des materiellen Brotes bliebe, wessen ihn die Feinde der Wahrheit lügnerischer Weise angeklagt hätten … Die Maus (wenn es sich treffen sollte, daß sie das Sakrament nähme und fräße) kann nur die Spezies (Erscheinungsform) des Brotes bewegen, denn sie nimmt das Sakrament nicht sakramental, nicht als Sakrament.

III. Was sind die Endursachen? In Christo bleiben und ihn bleibend in sich haben; in Ewigkeit nicht sterben; das ewige Leben haben.

Ich weiß nicht anders zu sagen, als daß das Evangelium und die Briefe des Paulus direkt für die Austeilung des Abendmahls unter beiden Gestalten sprechen, und daß es in der ersten Kirche so gehalten worden ist … Aus dem Gesagten erhellt somit, daß es den gläubigen Laien erlaubt und gut ist, das Blut Christi auch unter der Gestalt des Weines zu nehmen. … Wie daher der Priester nicht ohne Grund unter beiden Gestalten das Sakrament nimmt, so kann es auch der andächtige Laie auf erlaubte Weise nehmen, da auf beiden Seiten derselbe Grund ist.

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