Spurgeon, Charles Haddon - Die Götzen abgeschafft.

Ephraim, was sollen mir weiter die Götzen?„ Hos. 14, 8.

Götzendienst war die große Sünde der zehn Stämme, die durch Ephraim vertreten wurden; es ist überhaupt die Sünde des ganzen menschlichen Geschlechts. Wenn wir von Götzendienst sprechen, brauchen wir nicht an Stein- und Holzblöcke zu denken, und an Schwarze, die vor ihnen knieen; denn unser Vaterland ist mit Götzen überfüllt. Ebensowenig braucht ihr in die Straßen zu gehen, um sie zu finden; bleibt, wo ihr seid, und seht ins eigne Herz hinein, da werdet ihr Götzen finden. Dies ist die eine, so leicht anklebende Sünde unsrer Natur: von dem lebendigen Gott uns abzukehren und uns Götzen der einen oder andren Art zu machen; denn das Wesen der Abgötterei ist dies: Irgend etwas mehr als Gott zu lieben, auf irgend etwas mehr zu vertrauen als auf Gott, zu wünschen, daß wir einen andren Gott hätten, als wir wirklich haben, oder Zeichen und Wunder hätten, durch welche wir Ihn sehen könnten, irgend ein äußerliches Symbol oder eine Darstellung, die mit den Augen gesehen oder mit den Ohren gehört werden kann, lieber, als in einem unsichtbaren Gott zu ruhen und der treuen Verheißung Dessen zu glauben, den das Auge nicht gesehen und das Ohr nicht gehört hat. In der einen oder andren Form ist diese große Sünde der Hauptschade in dem Menschenherzen; und selbst in den Erretteten ist dies eine der Entwickelungen des übriggebliebenen Verderbens. Wir können sehr leicht einen Götzen aus irgend etwas machen und auf verschiedene Art. Ohne Zweifel machen viele Mütter und Väter Abgötter aus ihren Kindern, und ebenso vergöttern viele Gatten und Gattinnen sich gegenseitig, und wir können selbst aus Pastoren Götzen machen, wie es früher Hirten-Götzen gab. Ebenso gewiß ist es, daß mancher denkende Mann einen Götzen aus seinem Verstände macht und mancher andre aus seinem Gold oder sogar aus jenem kleinen Heim, in dem er soviel Zufriedenheit genießt. Der unwissende Papist hält sein Kruzifix empor und verehrt dies, und das ist sein Götze; aber Menschen, die besser unterrichtet sind, nehmen oft die Bibel, lesen sie, und ohne durch den Buchstaben in den Geist einzudringen, vertrauen sie auf das bloße Bibellesen und machen das Wort selber so zu einem Götzen, indem sie auf ein bloßes Bekenntnis oder das Lesen der Schrift sich verlassen und nicht dadurch zu einer wahren Verehrung Gottes im Herzen hindurchdringen. Jedes Ding, das zwischen uns und den persönlichen Verkehr unsrer Seele in Glaube, Liebe und Hoffnung mit Gott, wie er in Christo Jesu geoffenbart ist, tritt, wird ein Götze für uns.

Es gibt Götzen aller Art, von mehr oder weniger innerem Werte. Gerade wie in körperlichen Dingen ein Götze aus Holz gemacht ist, ein andrer aus Stein, ein andrer aus Silber, und ein andrer aus Gold, so daß diese Götzen an Wert verschieden sind, und doch alle Götzen, so mögen die Menschen, je nach ihrer verschiedenen Gemütsart, einen Abgott aus diesem oder jenem machen, ein jeder nach seinem eignen Gefallen. Viele dieser Götzen mögen, an und für sich betrachtet, gut genug sein, aber wenn sie zu Abgöttern gemacht werden, so sind sie darum nicht besser. Ein goldener Götze ist vor Gott ebenso verhaßt wie ein hölzerner; und so wird das teuerste und beste Ding auf Erden, wenn ihm verstattet wird, als Abgott zwischen uns und Gott zu treten, ein Greuel vor den Augen des Höchsten. O, Bruder, wenn du der Vorsehung Gottes nicht trauen kannst, sondern fühlst, als wenn du etwas sichtbaren Vorrat haben mußt, um dich darauf zu stützen, so vergötterst du deine Ersparnisse oder das Geld, das du begehrst. Wenn du nicht die bloße Verheißung nehmen und alles für Gott wagen willst, sondern etwas über Und neben dem Worte Gottes verlangst, um darauf zu ruhen, so vergötterst du deine eigne Selbstsucht. Wenn du Zeichen und Proben und Beglaubigungen der Dinge haben mußt, die Gott deutlich erklärt hat, und Gott nicht glauben willst, bis du bestätigenden Beweis hast, so spielst du die Rolle des Götzendieners. Doch verlangt die menschliche Natur beständig noch mehr als den allgemeinen Gott, weil sie fleischlich ist, daß sie dem Unsichtbaren nicht trauen will. Es ist deshalb ein hohes Gnadenwerk, wenn Gott einen Menschen dahin bringt, zu sagen: „Was sollen mir weiter die Götzen?“

Ich bitte um eure Aufmerksamkeit für vier Punkte.

I.

Und der erste ist dies: ich möchte, daß ihr die ungeschminkte Wahrheit in dieser Vorhersage beachtetet. „Ephraim soll sagen (engl. Üb.): was habe ich weiter mit Götzen zu thun?„

Gott spricht von Ephraim, als wenn Ephraim thun würde und thun müßte, was Er erklärt, daß er thun soll. Ephraim soll sagen: was habe ich weiter mit Götzen zu thun?“ Aber wer war dieser Ephraim? Wenn wir ihn als einen einzelnen betrachten, so stellt er die zehn Stämme Israels dar zu der Zeit, als sie den fremden Göttern dienten, Ephraim ist ein Mensch und hat deshalb einen eignen Willen; er ist ein verderbter Mensch und hat deshalb einen hartnäckigen Willen; und doch spricht Gott von ihm so bestimmt, als wenn er keinen Willen hätte, und erklärt, daß er sagen soll: „Was habe ich weiter mit Götzen zu thun?„ Es würde sehr schwer sein, zu sagen, was der Wind thun soll — sehr hart, zu sagen, was die Wellen thun sollen; aber des Menschen Wille ist veränderlicher und unberechenbarer, als Wind und Wellen. Doch spricht Gott, als wenn Ephraim ganz in seiner Hand wäre, und Er sagt uns, was Ephraim sagen soll und in Wirklichkeit, was er fühlen soll. Es ist wunderbar — nicht wahr? — daß Gott, der des Menschen Unbeständigkeit und Eigenwillen kennt, so von dem Gemüt des Menschen spricht und erklärt, was er sagen soll und was er fühlen soll.

Nun, in all diesem ist zu beachten, daß keine Vergewaltigung des menschlichen Willens dabei ist. Menschen sind keine Holzblöcke oder Klumpen unbewußten Thons. Gott hat den Menschen zu einem Geschöpf gemacht, das für sich selber will, beschließt und urteilt, und Er behandelt ihn als solches. Es gibt Leute, die sich einzubilden scheinen, daß, wenn wir von Gott als allmächtig in dem Reiche des Geistes sprechen und von seinen Erklärungen, was Menschen thun und fühlen sollen, wir darum die Freiheit des Handelns leugnen. Ganz und gar nicht. Wir sind bereit, um einer Wahrheit willen eine andre zu leugnen, und wir glauben ebenso von Herzen an die Freiheit des Handelns, wie an die Vorherbestimmung. Es ist niemals unsre Gewohnheit gewesen, eine Wahrheit zu töten, um Raum für eine andre zu machen. Es ist Raum genug für zwei Wahrheiten in der Seele eines Menschen, der willig ist, wie ein kleines Kind zu werden. Ja, es ist Raum in einem gelehrigen Herzen für fünfzig Wahrheiten, ohne Streit beisammen zu leben.

Gott behandelt Menschen als Menschen und als vernünftige Geschöpfe. Da Er ihnen die Kraft des Urteils und des Willens verliehen hat, behandelt Er sie danach und Er wendet nicht diejenige Gewalt bei der Seele an, die man rechtmäßigerweise bei einem Stück Metall braucht, wenn es durchbohrt oder geschmolzen werden soll, nicht einmal solche Kraft, wie man rechtmäßig brauchen kann bei „Rossen und Maultieren, die nicht verständig sind, welchen man Zaum und Gebiß muß ins Maul legen, wenn sie nicht zu dir wollen.“ Nein, nein. Es gibt keinen Menschen unter dem Himmel, dessen Willen Gott je Gewalt angethan. Er hat den Willen der Erretteten um so freier gemacht durch die Einschränkungen, welche die Gnade ihm auferlegt hat. Die Gnade fesselt nicht den Willen, sondern macht ihn frei; und wenn ein Mensch aufrichtig sagt: „Was sollen mir weiter die Götzen?„ obgleich diese Rede ganz dem Streben seines früheren Lebens entgegengesetzt ist, so sagt er dies doch mit voller Beistimmung seines Herzens; ja, er sagte nie etwas billiger als dieses, wenn Gott durch seine Kraft „ihn willig gemacht hat am Tage seiner Macht.“ (Ps. 110, 3, engl. Üb.)

Ich möchte wissen, ob ihr im stande seid, lieben Brüder, diese zwei großen Wahrheiten zu ergreifen und festzuhalten: zuerst, daß der Mensch ein Geschöpf ist, das für alle seine Handlungen verantwortlich ist und freien Willen hat, und so eingerichtet ist, daß Gott selber diesen freien Willen nicht vergewaltigen will, und doch diese andre Wahrheit, die wir mit aller Kühnheit behaupten, daß Gott ebenso allmächtig im Reich des Geistes und freien Willens ist, als in dem Bereich des bloß Körperlichen. Er stehet die Berge an, so rauchen sie, Er rühret die Erde an, so zittert sie, das Meer gehorcht Ihm und bleibt stehen, wo Er es gebietet; ja, Erdbeben und Stürme sind ganz unter seiner Herrschaft. Niemand, der an einen allmächtigen Gott glaubt, zweifelt daran, aber es ist ebenso wahr, daß den dunklen Verstand Gott mit einem Blitz seines Geistes erleuchtet, daß die eiserne Sehne des hartnäckigen Willens Gott hinwegnimmt, und die Neigungen — wenn das Herz wie Stein ist, kalt, tot, schwer, unbeweglich, so hat Er einen Weg, den Stein in Fleisch zu wandeln. Er kann thun, was Er will mit den Menschen, und wenn sein Geist alle seine Kraft aufwendet, ob die Menschen auch widerstehen' mögen, so ist doch ein Punkt da, über den hinaus der Widerstand gänzlich aufhört und die Seele in freudige Gefangenschaft des überwindenden Geistes Gottes geführt wird. Nun wird jemand wiederum sagen: „Aber wie vereinst du dieses? Du sprichst nun den Behauptungen entgegen, die du vorhin machtest.„ Nein, mein lieber Bruder, das thue ich nicht. Sie sind beide wahr; der Mensch ist frei, doch Gott ist ein Herrscher in der Welt des freien Geistes, der seinen eignen Weg geht und so bestimmt spricht, ohne Wenn und Aber. Wißt ihr nicht, daß Er seinen Willen haben wird und des Menschen Wille sich willig seinem Willen beugen soll, denn Er ist der Herr allein. Laßt mich euch Gottes „will“ lesen, Gottes wunderbares „will,„ wie es in diesem Kapitel steht: „So will ich ihr Abtreten wieder heilen, gern will ich sie lieben; dann soll mein Zorn sich von ihnen wenden. Ich will Israel wie ein Tau sein, daß er blühen soll wie eine Rose, und seine Wurzeln sollen ausschlagen wie Libanon. Und seine Zweige sich ausbreiten, daß er sei so schön als ein Ölbaum; und soll so guten Geruch geben wie Libanon. Ephraim soll sagen: was habe ich weiter mit Götzen zu thun?“ Gott spricht von Menschen, als wenn sie ganz und gar Puppen in seiner Hand wären, und doch in andren Selten hält Er ihnen ihre persönliche Verantwortlichkeit vor; beide Lehren sind wahr. Laßt es nicht eure oder meine Sache sein, zu fragen, wie sie vereinigt werden können, viel weniger eine dieser Wahrheiten wegzuwerfen, sondern laßt uns beide festhalten, denn diese zwei werden ein Leitfaden sein durch manches Geheimnis verworrener Lehre und in das Licht Gottes führen bei manchem dunklen Ausspruch. Ich freue mich, den allmächtigen Herrn so göttlich davon sprechen zu hören, was der Mensch thun soll, und ich bete die erstaunliche Weisheit und Macht an, welche über Freihandelnde herrschen kann.

II.

Aber nun zweitens, in unsrem Texte sehen wir eine wunderbare Veränderung. „Ephraim soll sagen: was habe ich weiter mit Götzen zu thun?„

Wer ist dieser Ephraim? Nun, wenn ihr das Buch Hosea durchleset, so werdet ihr ihn beständig wiederkehren finden. Ephraim: „Wer war es?“ Wer ist es, der da sagt: „Was habe ich weiter mit Götzen zu thun?„ Ich will euch es sagen. Es ist derselbe Ephraim, von dem der Herr gesagt hatte: „Ephraim hat sich zu den Götzen gesellet, so laß ihn hinfahren.“

Dies ist eine andre Sprechweise, nicht wahr? Zu einer Zeit ist er „geleimt„ an seine Götzen, denn dies ist das im Urtext gebrauchte Wort, geleimt an sie, als wenn er daran klebte und nicht davon wegzubringen wäre. Und hier spricht er: „Was habe ich weiter mit ihnen zu thun?“ Was für eine Veränderung ist dies! Ist dies derselbe Mann? Ja, derselbe Mann. Aber merkt darauf, was die Gnade Gottes für ihn gethan hat. Seht auch, wie entschlossen er ist. Er spricht deutlich und bestimmt: „Was habe ich weiter mit Götzen zu thun?„ Ist dies derselbe, von dem wir in einem früheren Kapitel lesen, „Ephraim ist eine thörichte Taube ohne Herz.“ Ja, er war „eine thörichte Taube ohne Herz,„ und jetzt spricht derselbe Ephraim: „Was habe ich weiter mit Götzen zu thun?“ als wenn er ein neues, erleuchtetes, kühnes und entschiedenes Herz erhalten hätte. Dies ist eine Veränderung, nicht wahr? Der Mann, der an seine Götzen geleimt war und voll Unbeständigkeit, selbst wenn Besseres vor ihn kam, ist nun ganz getrennt von dem, worauf er vorhin baute, und haßt es, er schwankt und zaudert nicht länger, sondern tritt fest auf und fragt mit rühmlicher Raschheit: „Was habe ich weiter mit Götzen zu thun?„ Es ist eine große Veränderung; aber eine, wie viele von uns sie erfahren haben, und eine, wie jeder hier sie erfahren muß, sonst kann er nie vor dem Angesichte Gottes angenommen werden. Bekehrung, die erste Frucht der Wiedergeburt, bringt einen solchen Wechsel in einem Menschen hervor, als wenn er tot und begraben gewesen und dann zu einem neuen Leben erweckt wäre. Es ist eine eben solche Veränderung, als wenn der Mensch getötet wäre und dann wieder eine neue Kreatur in Christo Jesu gemacht.

Ich möchte wissen, ob ihr alle eine solche Veränderung gefühlt habt. Ich treffe manchmal Personen an, die behaupten, Christen und Gläubige und all das zu sein, aber sie haben nie irgend eine Veränderung erfahren, daran sie sich erinnern seit ihrer frühesten Kindheit. Wohl, lieber Freund, es muß eine solche Veränderung da gewesen sein, wenn du ein Christ bist. Ich will nicht sagen, daß du den Tag und die Stunde wissen mußt, aber verlasse dich darauf, wenn du jetzt bist, was du warst, als du geboren wurdest, so bist du in der „bitteren Galle und verknüpft mit Ungerechtigkeit.“ Wenn keine Umkehr stattgefunden hat, so gehst du den verkehrten Weg; jeder Mensch muß von dem Wege umkehren, dem Vater Adam sein Gesicht zuwandte, denn unser Antlitz ist der Sünde und dem Verderben zugewandt, und wir müssen ganz umgekehret werden, so daß wir unser Gesicht der Heiligkeit und dem ewigen Leben zuwenden. Wo keine solche Umkehr ist, da ist die ernsteste Ursache zur Herzens-Erforschung und Demütigung und zum Suchen des Heils. Hast du eine große Verwandlung erfahren? Die Notwendigkeit dafür habe nicht ich aufgestellt, erinnert euch dessen. Es ist jenes tiefernste Werk des Neuen Testaments: „Ihr müsset von neuem geboren werden.„ Es muß eine völlige und totale Umänderung mit euch vorgehen, so daß ihr die Dinge haßt, welche ihr einst liebtet, und die Dinge liebt, die ihr haßtet: eine so große Veränderung, wie in Ephraim war, der vorher an seine Götzen geleimt war und sie jetzt verabscheute. Ich bitte euch alle, zu forschen und zu sehen, ob ein solcher Unterschied in euren Herzen gemacht ist durch den Heiligen Geist, denn ein Irrtum hierin wird verhängnisvoll sein.

Wenn ihr nie eine solche Erneuerung erfahren, so seufzt das Gebet hinauf, daß der Heilige Geist euch in dem Geist eures Gemüts erneuern möge; und wenn ihr hofft, daß eine solche Verwandlung stattgefunden, so möge Gott geben, daß es eine wirkliche bleibende Bekehrung sei, so daß ihr in der Gnade bleibt und aus Kraft in Kraft geht, bis die Götzen gänzlich abgethan sind und eure ganze Natur der Tempel des lebendigen Gottes wird.

So haben wir denn zweierlei bemerkt: eine unumschränkte Vorhersagung und eine wunderbare Änderung.

III.

Drittens, es liegt in unsrem Text ein Bekenntnis einbegriffen. Ephraim soll sagen: „Was habe ich weiter mit Götzen zu thun?“ „Weiter mit Götzen!„ Dann, Ephraim, hattest du viel mit Götzen zu thun bisher? „Ja,“ sagt er mit Thränen im Auge, „das hatte ich.„ Heuchler meinen weniger, als ihre Sprache ausdrückt, aber wahrhaft Bußfertige meinen mehr, als ihre bloßen Worte aussprechen können. Das Bekenntnis des Textes kommt um so mehr aus dem Herzen, weil es ein schweigendes ist, und sozusagen unabsichtlich entschlüpft.

Seht ernstlich zu, lieben Hörer, denn vielleicht beten einige von euch Götzen an. Wir wollen in den Tempel eures Herzens gehen und sehen, ob wir einen falschen Gott da finden können. Ich gehe in ein Herz hinein und wenn ich aufblicke, sehe ich ein riesiges Götzenbild da; es ist Über und über vergoldet und mit glänzenden Gewändern bekleidet; seine Augen scheinen Edelsteine zu sein und seine Stirne ist wie „reines Elfenbein, mit Saphiren geschmückt;“ es ist ein sehr beliebtes Götzenbild für das Auge. Kommt nicht zu nahe, prüft nicht zu strenge, denkt ja nicht daran, einen Blick in das Innere des hohlen Schaugepräges zu werfen. Inwendig werdet ihr alle Art von Schmutz und Fäulnis finden, aber die Außenseite des Abgottes ist geschmückt mit der größten Kunst und Geschicklichkeit und ihr könnt euch sogar darin verlieben, wenn ihr steht und es anschaut. Was ist sein Name? Sein Name ist Selbstgerechtigkeit. Wohl gedenke ich der Zeit, da ich dies Bild anzubeten pflegte, welches meine eignen Hände gemacht hatten, bis eines Morgens meinem Gotte der Kopf abgeschlagen war, und nach und nach fand ich, daß er seine Hände verloren und bald fand ich, daß der Wurm ihn verzehrte, und mein Gott, den ich verehrte und dem ich traute, zeigte sich als ein Hausen Dung und Dreck, während ich ihn für eine Masse soliden Goldes gehalten, mit diamantenen Augen. Ach, es gibt viele, denen keine Offenbarung zu teil geworden. Ihr Götzenbild ist noch in vortrefflichem Zustande. Wahr, vielleicht, um Weihnachten gerät es ein wenig in Unordnung, und sie fühlen, daß sie sich nicht ganz betrugen, wie sie sollten, als die Flasche so frei herumging, aber sie haben den Goldschmied herbeigerufen, das Götzenbild neu mit Gold zu überlegen und die abgeschabten Stellen frisch zu vergolden. Sind sie nicht seitdem zur Kirche gewesen? Gingen sie nicht am Weihnachtsmorgen in ein Gotteshaus und brachten alles wieder zurecht? Haben sie nicht Ertragebete hergesagt und ein wenig mehr Almosen gegeben? So haben sie ihren Gott wieder abpoliert und er sieht sehr respektabel aus. Ach, es ist so leicht, ihn wieder auszuflicken, meine Brüder, bis die Lade des Herrn hereinkommt, und dann können alle Schmiede in der Welt diesen Gott nicht aufrecht halten. Wenn das Evangelium Jesu Christi in die Seele eingeht, dann beginnt sofort dieser wundervolle Gott sich zu beugen, und wie Dagon, der vor der Lade des Herrn zerbrochen ward, wird die Selbstgerechtigkeit zertrümmert. Aber es gibt Tausende überall in der Welt, die diesen Gott verehren, und ich will euch sagen, wie sie zu ihm beten. Sie sprechen: „Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin, wie andre Leute„ u. s. w., nicht genau in des Pharisäers Worten, aber in derselben Art: „Herr, ich danke dir, daß ich niemanden betrüge und meine Kinder ehrbar erzogen habe. Gott, ich danke dir, daß ich ein regelmäßiger Kirchengänger oder Besucher religiöser Versammlungen gewesen bin mein lebenlang. Gott, ich danke dir, daß ich kein Flucher bin, noch ein Trunkenbold oder etwas derart. Ich bin weit besser, als die meisten Leute; und wenn ich nicht in den Himmel komme, so wird es sehr schlimm um meine Nachbarn stehen, denn sie sind nicht halb so gut wie ich.“ In solcher Weise wird diese ungeheuerliche Gottheit verehrt. Ich spreche nicht von dem, was in Hindostan gethan wird, sondern von einem Götzendienst, der sehr zum guten Ton bei uns gehört. Der Gott der Selbstgerechtigkeit ist der oberste Gewalthaber in Millionen Herzen. O, daß jeder Verehrer dieses Gottes dahin gebracht würde, zu sagen: „Was habe ich weiter mit diesem abscheulichen Götzen zu thun?„

Eine andre Art von Gott habe ich in dem menschlichen Herzen gesehen, es ist der Götze einer Lieblingssünde. Jemand sagte vor kurzem: „Wohl, ich glaube, es ist viel an der Religion; aber sehen Sie, ich bin beim Weltrennen, und ich könnte das nicht aufgeben. Wie könnte ich's? Ich könnte natürlich nicht ein Christ werden und als einer bekannt sein, der Wetten eingeht.“ Ja, die Rennbahn war sein Gott. Das Rennpferd ist eine ebenso beliebte Gottheit, als die Kälber zu Bethel waren.

Ein andrer sagt: „Ja, ja. Ich würde gern ein Christ sein, aber Sie sehen, ich liebe die Flasche; ich muß bei Gelegenheit einen Tropfen zu viel trinken; nicht oft, wie Sie wissen, aber dann und wann bei einem Gastmahl, einem Festtage oder bei einer sonstigen Feier. Man muß sich zuweilen betrinken, nicht wahr? Und was schadet es? Ich könnte es nicht aufgeben.„ Sie sagen das nicht mit Worten, aber es ist das, was sie meinen, Tausende von ihnen. Sie müssen Bacchus als ihren Gott behalten und ihm ihre Opfer darbringen. Und ach, was für Opfer bringen sie! Wie ruinieren sie ihre Gesundheit und zerstören selbst das Leben, bringen ihre Kinder an den Bettelstab, machen ihr Weib elend, und alles, um diesen Dunghaufengott des Trunkes zu verehren.

Andre haben andre Lieblingssünden. Ich brauche sie nicht alle zu erwähnen; in der That, ich könnte es nicht, denn die Wange der Bescheidenheit würde erröten, wenn ich gewisse Laster nennen wollte, von denen Männer und Frauen fühlen, daß sie nicht davon lassen können. Sie möchten gern in ihren Sünden errettet werden, aber nicht von ihren Sünden. Sie möchten Gott wohl auf gewisse Art verehren, aber der erste Platz muß ihrer Lieblingslust gegeben werden. O Mann, es kümmert mich nicht, welcher Götze es ist, aber wenn irgend etwas in der Welt ist, das du mehr als Christum liebst, so kannst du nie das Antlitz Gottes mit Freuden sehen. Wenn es eine Sünde gibt, in der du beharren willst, so bitte ich dich, ändere dich darin, und haue sie ab, wenn es auch deine rechte Hand wäre und reiße sie aus, wenn es auch das rechte Auge wäre. Es ist dir besser, daß du zum Leben ein Krüppel oder einäugig eingehest, denn daß du zwei Hände und zwei Augen habest und werdest in das höllische Feuer geworfen. Lieblingssünden müssen abgeschworen werden, wenn man Christum genießen will.

Seht, wie die Götzendiener uneinig sind; einer betet das gerechte Selbst an und ein andrer das sündige Selbst; aber beide Götzen müssen gänzlich abgethan werden.

In den Herzen einiger Menschen sehe ich die Liebe zu Vergnügungen. Dieser Gott sitzt in vielen Herzen auf dem Throne. Sie werden nicht so wohl von den gröberen Sünden überwunden, als von ihrem natürlichen Leichtsinn und Hang zum Tändeln. Sie können nicht denken, sie wollen nicht denken. Sie sagen, daß sie „Langeweile“ haben, wenn sie eine Weile ruhig sein müssen. Sie wollen immer amüsiert, unterhalten, aufgeregt werden. Nun, es gibt ein Maß Erholung, das so gut wie Arznei für Körper und Seele ist, und es gibt angemessene Erholungen. Gott hat für unschuldige Vergnügungen gesorgt, und wir thun wohl, sie mit Dankbarkeit von unsrem himmlischen Vater anzunehmen; aber ein Liebhaber des Vergnügens zu sein, mehr als ein Liebhaber Gottes, das heißt, tot sein während du lebst. Den Bauch zu eurem Gott machen, zu leben, um zu essen und zu trinken, nur Fleisch verdauen und Wein durchsieben, bloß hier zu leben, um euch zu amüsieren, — Schmetterlinge, die von Blume zu Blume flattern, keinen Honig sammeln, sondern nur Vergnügen suchen — dies ist übel. Mann, dies ist ein Gott, der von keinem verehrt wird, der die Liebe Gottes kennt, denn dessen Vergnügen ist sein Gott und Vergnügen ist nicht sein Gott. Er wirft oft genug Dinge beiseite, die er sich sonst hätte verstatten können, um seinen Heiland um so mehr zu ehren und zu verherrlichen.

Viele verehren das goldene Kalb. Sie fröhnen keinem Laster und jagen keinem Vergnügen nach, außer ihrem einen Laster und ihrem einen Vergnügen, das ihre Goldgier ist. Wenn ihr alle ihre Kräfte aufregen wollt, so laßt ein Goldstück vor ihnen klingen. Dies verfolgen sie, wie die Hunde den Fuchs verfolgen, hitzig und rastlose Aus Furcht, daß sie arm sein möchten, wenn sie alt würden, machen sie sich arm, wenn sie jung sind; und damit sie nicht zuletzt hungern müssen, hungern sie bis zuletzt. Wir haben einige gekannt, für die Ehre, Liebe, Aufrichtigkeit, Rechtlichkeit, Religion, alles dies nichts gewesen ist, so lange ein Gewinn dadurch zu haben war, daß man dies aufopferte. Das große Machwerk ihres Vermögens ist dahingerollt, wie der Wagen des Juggernaut, der alles zermalmt, was in seinem Wege ist. Witwen mochten weinen und Waisen mochten jammern, die Seufzer der Unterdrückten mochten zum Himmel aufsteigen und die Missethaten, welche sie begingen, mochten ihnen vorauf zum Gerichte gehen; aber das war nichts für sie. Sie erwarben ein Feld nach dem andren und ein Haus nach dem andren und wurden reicher und reicher; dafür lebten sie und dafür schienen sie zufrieden, zu sterben. O Gott, bekehre den Menschen, der das Gold anbetet! Milton, wie ihr wißt, beschreibt den Dämon der Goldgier als:
„Mammon, der Geister Niedrigster, die fielen,
Der selbst im Himmel Blicke und Gedanken
Stets niederwärts gewandt, und mehr bewundert
Der gold'nen Gassen Reichtum, drauf er trat,
Denn alles Göttliche und Heilige
In seligem Gesichte angeschaut.„

Dies Laster ist sehr, herabwürdigend und wohl mag Milton den Mammon in die Hölle versetzen und sagen:

„Und niemand wund're sich.
Daß Reichtum in der Hölle wächst; der Boden
Verdient am meisten dies kostbare Gift.“

Nun, wenn der Herr einen Menschen von der Macht der Teufels befreit, so ruft er aus: „Was habe ich weiter den Reichtum zu meinem Götzen zu machen?„ er wird zufrieden, wird des Herrn Haushalter und gebraucht sein Vermögen im Dienste Jesu.

Wir müssen diese Tempel so schnell wie möglich durchgehen, und in keinem zu lange verweilen, denn sie sind nicht lieblich. — Einige haben in dem Tempel ihres Herzens unerlaubte Neigungen aufgerichtet. Sie schließen Verbindungen, die durch das Wort Gottes verboten sind. Ich habe z. B. einige gekannt, die sich Christen nannten — Gott weiß, ob sie es gewesen sind oder nicht — die ganz das Gebot unsres Herrn beiseite setzten, nicht am fremden Joch zu ziehen mit den Ungläubigen, und den Geboten des Fleisches gefolgt sind, indem sie sich mit Ungöttlichen in der Ehe verbanden. Es ist eine furchtbare Sache, mit einem verheiratet zu sein, von dem ihr bald auf ewig getrennt werden müßt, einem, der Gott nicht liebt und deshalb nie euer Gefährte im Himmel sein kann. Wenn ihr schon in dem Falle seid, so sollten eure Gebete Tag und Nacht für den Gefährten oder die Gefährtin eures Herzens aufsteigen, daß sie zu Christo gebracht werden; aber wenn irgend ein junger Mann oder ein Mädchen eigenwillig ein solches Band knüpft, so heißt das, einen Götzen an die Stelle Gottes setzen. Weinen und Heulen wird bald danach kommen.

Jede Art von Liebe, die das Herz von Jesu trennt, ist Götzendienst, und ach, ich fürchte, der Götzen sind so viele, wie der Bäume des Feldes. Herr, nimm sie von uns hinweg!

Eine große Anzahl Leute verehrt einen Götzen, welcher Menschenlob genannt wird. Sie sprechen ungefähr so: „O ja, du hast wohl recht, aber du siehst, ich kann es nicht thun.“ Nun, warum nicht? „Warum? ich weiß nicht, was mein Onkel dazu sagen würde, oder ich kann nicht sagen, wie es meiner Frau gefallen würde. Ich bin nicht sicher, ob mein Großvater es billigen würde.„ Die Furcht vor Verwandten und die Angst vor der öffentlichen Meinung halten viele in geistiger und sittlicher Knechtschaft, und die Menschenfurcht hält noch viele mehr. Ich bemitleide die, welche nicht zu thun wagen, was sie für recht halten. Mir scheint es die großartigste Freiheit zu sein, die Freiheit, womit Christus uns frei macht, die Freiheit, alles zu wagen und zu thun, was das Gewissen in seinem Namen befiehlt. Aber eine Menge Leute haben andre Leute zu bitten, daß sie ihnen erlauben, zu atmen, ihnen erlauben, zu denken, ihnen erlauben, etwas zu glauben; und es gibt nichts, was sie so fürchten, als Frau Stadtgespräch. Der kleine Kreis, in dem sie leben, ist ihr alles. Was wird So-und-so davon denken? Der Handwerker wagt nicht ins Gotteshaus zu gehen, weil die Zimmerleute in der Werkstatt über ihn herfallen würden. Seine Kameraden würden zu ihm sagen: „Holla! Was, bist du einer von diesen methodistischen Leuten?“ Viele Männer, die sechs Fuß hoch sind, sind Feiglinge und sind bange vor irgend einem Kleinen, der nur halb ihre Länge hat. Sie sind bange, daß irgend ein unnützer Geselle sich auf ihre Kosten lustig macht, und sich verspottet zu sehen, das scheint etwas Schreckliches. O, arme Seelen! Arme Seelen! All die Spöttereien, die ihnen wahrscheinlich zu teil würden, werden lauwarmes Wasser sein, verglichen mit dem brühend heißen Kessel, in den einige von uns Jahr nach Jahr geworfen sind, wenn wir nicht ein Wort sagen konnten, ohne daß es gemißdeutet ward, und keinen Satz sprechen, ohne daß man Lügen von uns sagte; doch beben sie vor ihren kleinen Verfolgungen zurück, als wären sie ein großes Märtyrertum. Wir sind lebendig nach all den Angriffen, die auf uns gemacht wurden, und es steht darum nicht viel schlimmer mit uns; und so wird es mit euch sein, lieben Brüder, wenn ihr Herz und Mut habt, für den Herrn Jesum Christum zu wirken und zu wagen. Dieser Götze der Menschenfurcht verschlingt Tausende von Seelen. Es ist ein blutdürstiger Götze, ebenso grausam als nur einer der Hindugötzen: diese „Scheu vor Menschen, die zu Falle bringet.„ Einige von euch wissen, daß sie ganz und gar niederträchtig sind und nicht wagen, zu thun, wovon sie wissen, daß sie es thun sollten, ans Furcht, der eine oder andre könnte eine Bemerkung darüber machen, wie sonderbar und wunderlich sie seien. Gott helfe euch, diesen Götzen abzuthun.

So haben wir dies stillschweigende Bekenntnis betrachtet, daß wir in sehr übler Weise mit den Götzen zu thun gehabt haben.

IV.

Der letzte Punkt soll die entschiedene Frage sein: „Was habe ich weiter mit Götzen zu thun?“

Laßt uns sie so stellen: „Was habe ich weiter mit ihnen zu thun? Ich habe genug mit ihnen zu thun gehabt. Was haben meine Sünden schon für mich gethan?„ Brüder und Schwestern, seht, was die Sünde schon für uns und unser ganzes Geschlecht gethan hat. Sie hat jenes schöne Eden, das unser Wonnegarten war, zu einer Wüste gemacht, und uns zu Kindern der harten Arbeit und des Schmerzes. Was hat die Sünde für uns gethan? Sie hat uns unsrer Schönheit entkleidet, sie hat uns von Gott entfernt, sie hat den stammenden Cherub mit dem gezückten Schwerte hingestellt, um uns von dem Nahen zu Gott abzuhalten, so lange wir in Sünden leben. Die Sünde hat uns verwundet, beraubt, uns getötet, uns verderbt. Die Sünde hat die Krankheit in die Welt gebracht, das Grab gegraben und den Wurm erzeugt. O Sünde, du bist die Mutter aller Schmerzen und Seufzer und Klagen und Thränen, die je über Männer und Frauen in dieser Welt kamen. O elende Sünde, was haben wir weiter mit dir zu thun? Wir haben mehr als genug von dir gehabt.

Und haben nicht ihr und ich persönlich ganz geling mit unsren Götzen zu thun gehabt? Ich habe genug mit meiner Selbstgerechtigkeit zu thun gehabt, das sage ich kühn; denn o, wie ekelt es mich an, wenn ich denke, daß ich je solcher Thor gewesen, zu glauben, daß etwas Gutes in mir sei: zu denken, daß ich je träumen konnte, mit meiner eignen Gerechtigkeit vor Gott zu treten. O, wie ich den Gedanken verabscheue! Gott verhüte, daß ich je einen Augenblick anders als beschämt sein sollte darüber, daß ich mich wegen etwas gerühmt, was ich thun, fühlen oder sein könnte. Fühlt ihr euch nicht gedemütigt bei der Erinnerung an solchen Stolz und solche Anmaßung? Was habt ihr weiter mit dem Götzen des selbstgerechten Ich zu thun? Nichts. Wir können uns nie mehr davor niederbeugen.

Und was andre Götzen betrifft, habt ihr nicht genug von ihnen gelitten? Der Bekehrte, der einst ein Trunkenbold war, sagt: „Ich habe genug mit dem Becher der Trunkenheit zu thun gehabt.“ Wo ist Weh? Wo sind rote Augen? Nämlich, wo man beim Wein liegt und kommt, auszusaufen, das eingeschenket ist. Der Weinsäufer hat genug damit zu thun gehabt. Er hat schweres Schmerzensgeld bezahlt, und nun hat er mit wüstem Leben und Ausschweifungen für immer gebrochen. Der Mann, der sich ins Laster gestürzt hat, wird oft sagen müssen: „Es hat mir an Leib, Seele und Vermögen Schaden gethan. Was habe ich weiter damit zu thun?„ „Ah,“ sagte mir neulich jemand, „als ich in Sünden lebte, war es so kostspielig für mich, daß ich Jahre brauche, um wiederzugewinnen, was ich an den Teufel und mich selber verschwendet habe. Ich bin nicht das für den Dienst Gottes, was ich gewesen wäre ohne dieses.„ Ach, wir haben alle geling davon gehabt — mehr als genug. Es ist kein Sündenbecher, wie süß er auch in den Tagen unsres unwiedergebornen Lebens war, von dem wir nicht fühlen, daß wir ihn nicht mehr wollen, nicht einmal mit allem perlenden Schaum am Rande, wenn er in die richtige Lage gebracht wird. Er ist uns zum Ekel, — Ekel bis zum Tode, und der bloße Name verursacht Widerwillen in unsrer Seele.

Was habe ich weiter mit Götzen zu thun, wenn ich erwäge, was die Götzen für mich gethan haben.

Aber es ist noch eine andre Betrachtungsweise derselben. „Was habe ich weiter mit Götzen zu thun?“ Siehst du und kannst du ertragen/darauf zu blicken, jenen fremdartigen Anblick: drei Galgen auf einem Hügel errichtet, und an dem mittelsten ein wunderbarer Mann in entsetzlichen! Todeskampf an das Kreuz genagelt. Wenn ihr Ihn anseht, so erblickt ihr in Ihm eine solche Majestät inmitten seines Elends, daß ihr Ihn sogleich als euren Herrn erkennt. Seht, es ist der Bräutigam eurer Seele — eures Herzens Geliebter, und Er ist hier wie ein Missethäter ans Kreuz genagelt, um zu sterben. Wer nagelte Ihn da an? Wer nagelte Ihn da an? frage ich. Wo ist der Hammer? Von wo kamen die Nägel? Wer nagelte Ihn da an? Und die Antwort ist: Unsre Götzen nagelten Ihn da an; unsre Sünden durchbohrten sein Herz! Ah, denn, was habe ich weiter mit ihnen zu thun? Wenn ich ein Lieblingsmesser hätte und ein Mörder hätte mein Weib damit getötet, meinet ihr, ich würde es bei Tisch brauchen oder mit mir umhertragen? Hinweg mit dem verfluchten Ding! Wie würde ich den bloßen Anblick desselben hassen! Und die Sünde hat Christum gemordet! Unsre Götzen haben unsren Herrn in den Tod gebracht! Seht am Fuße des Kreuzes und blickt auf seinen gemordeten, verstümmelten Leib, blutend aus seinen fünf großen Wunden, und ihr werdet sagen: Was habe ich mehr mit Götzen zu thun? Der Essig und die Galle, der blutige Schweiß und Todesschmerz haben meine Seele von all ihrer früheren Liebe geschieden, und mein Herz für immer dem Seelenfreunde vermählt, dem König der Könige. „Was habe ich weiter mit Götzen zu thun?„ Nichts scheidet einen Mann so von der Sünde, als ein Gefühl der Liebe und der Leiden Jesu. Erlösende Gnade und sterbende Liebe — diese läuten die Totenglocke für unsre Lüste und Götzen.

„Ich will mit Deinem Kreuze,
Mein Herr, vereinigt sein,
Der Welt geschminkte Reize
Sind mir nur Seelenpein.“.

Nun mögt ihr euch daran wieder erinnern, daß wir nichts mehr mit den Götzen zu thun haben müssen, denn Dieselben Sünden, welche unsren Herrn töteten, werden uns töten, wenn sie können. O, Kind Gottes, du sündigst niemals, ohne dir selber Schaden zu thun. Die kleinste Sünde, die sich je in dein Herz schleicht, ist ein Räuber, der zu töten und zu zerstören sucht. Du hast nie Vorteil von der Sünde und kannst es nie haben. Nein, sie ist Gift, tödliches Gift für deinen Geist. Dulde sie deshalb keinen Augenblick. Was hast du damit zu thun? Du weißt, daß sie böse ist, nur böse, und das fortwährend. Du weißt, daß sie deinem Glauben schadet, deine Freude zerstört, deinen Frieden welken läßt, dein Gebet schwächt, dein Beispiel für andre nicht wohlthuend macht; und aus allen diesen Gründen, was hast du weiter mit Götzen zu thun?

Überdies, was hast du weiter mit Götzen zu thun, nun du ein Kind Gottes bist — nun du ein Erbe des Himmels bist? Ein armer Knabe setzt sich hin und spielt mit Scherben in der Straße und macht Lehmkügelchen mit seinen Freunden. Eines Tages kommt ein Bote des Königs, der entdeckt hat, daß dies ein verlornes Kind vom Palaste ist, er wird nach Hause gebracht, gewaschen, königlich angekleidet, und ihm wird gesagt, er sei ein Prinz und Erbe des Königreichs. Wird er wieder zurückgehen und mit den schmutzigen Knaben in der Straße spielen und ein Straßenbube, ein Rinnsteinkind wiederum sein? Nein, er nicht! Er wird zu etwas Edlerem erzogen werden, was mehr seinem Stande entspricht. Und, obgleich ihr und ich einst die Sünde liebten, welche andre lieben, und Vergnügen fanden, wo andre es finden, so haben wir nun durch den Glauben die Macht empfangen, Kinder Gottes zu werden, wir sind Erben Gottes und Miterben Jesu Christi. Was haben wir weiter mit Götzen zu thun? Was für Leute sollten wir sein, die der Herr in die königliche Familie des Himmels aufgenommen hat? Innerhalb einiger Monate werden einige von uns im Himmel sein, vielleicht in einigen Wochen. Was haben wir mit Götzen zu thun? Selbst, während wir hienieden sind, hat der Herr uns auferwecket und uns mit Christo ins himmlische Wesen versetzt. Was haben wir weiter mit Götzen zu thun? Zu dieser Stunde sind wir angenommen in dem Geliebten, die Erwählten Gottes, gerechtfertigt durch den Glauben, unsre Namen in Jesu Hände gezeichnet. Was haben wir weiter mit Götzen zu thun? Wahrlich, die Frage beantwortet sich selbst. Wir haben nichts mehr mit ihnen zu thun, als Ekel vor ihnen zu empfinden, und wenn sie auch nur auf einen Augenblick in unsrem Herzen aufgerichtet sind, sie niederzubrechen durch die Macht des ewigen Geistes.

Nun, Geliebte, wenn Gott ein großes Werk in euch gewirkt hat, und eure Herzen umgewandelt, so daß ihr die Götzen, welche ihr einst anbetetet, nun verabscheut, so möchte ich euch bitten, von den Götzen wegzubleiben, so viel ihr könnt. Wenn ihr nichts mit ihnen zu thun habt, geht nicht an die Orte, wo sie in Ehren gehalten werden. „Was habe ich weiter mit Götzen zu thun?„ Wenn ich wüßte, daß die schwarzen Blattern in einer Straße wären, so würde ich nicht einen Umweg machen, um dadurch zu fahren; ich würde lieber meinen Weg verlassen, um die Plage zu vermeiden. Laßt es so mit eurer früheren Lieblingssünde sein. Geht so weit davon hinweg, als ihr könnt, wie ihr es bei einem Aussätzigen thun würdet. Ihr habt nichts mehr mit den Götzen zu thun, darum geht nicht in ihre Tempel und schließt keinen Bund mit ihren Verehrern. Es ist eine alte rabbinische Überlieferung von den Nazaräern, daß, wie sie keinen Wein trinken sollten, so ihnen auch verboten war, Trauben zu essen oder durch einen Weinberg zu gehen. Das alte Sprichwort war: „O, Nazaräer, geh' umher, geh' umher, aber gehe nicht durch einen Weinberg, damit du nicht versucht werdest, von den Trauben zu essen und nachher von dem Saft derselben zu trinken.“ Es ist eine große geistliche und sittliche Lehre hier für uns. Bleib' so weit von der Sünde weg, wie du nur kannst. Wenn du gelernt hast, zu sagen: „Was habe ich weiter mit Götzen zu thun?„ meide den bloßen Schein des Bösen, und allen Umgang, der gute Sitten verdirbt. Das Vierhaus, der Tanzsalon und das Theater sind nicht für euch. Es ekelt mich an, Christen sagen zu hören: „Was denken Sie von diesem oder jenem thörichten Vergnügen? Meinen Sie, ich könnte so weit gehen?“ Wohl, mein lieber Freund, wenn dir irgend etwas Vergnügen macht, worin Schmutz ist, so zweifle ich, ob du überhaupt etwas von der Liebe Gottes kennst. Du erinnerst Rowlands Bemerkung gegen den, der ihm sagte, er ginge gern ins Theater. Der Mann sagte: „Wohl, Sie wissen, Herr hin, ich bin ein Mitglied der Gemeinde, aber ich gehe nicht oft hin, ich gehe nur ein- oder zweimal im Jahre hin, gerade als besonderes Vergnügen.„ „Ah,“ sagte hin, „Sie sind sehr viel schlimmer, als ich dachte. Gesetzt, es würde erzählt, daß ich Aas genösse und sehr liebte, mich von verfaultem Fleisch zu nähren. Und gesetzt, jemand käme zu mir und sagte, ich höre Herr hin, Sie essen gern verfaultes Fleisch. O nein, sage ich, durchaus nicht. Ich esse es nicht regelmäßig, nur ein- oder zweimal im Jahr ein Gericht, gerade zum besonderen Vergnügen. Dann würde jedermann sagen: Sie lieben es mehr, als wir dachten. Denn wenn arme Geschöpfe es jeden Tag essen müssen, weil sie nichts Besseres kriegen können, so ist ihr Geschmack nicht so verdorben, als Ihrer, da Sie sich von gesunder Nahrung wegwenden und Verfaultes als eine Leckerei betrachten.„ Wenn ihr Vergnügen und Lust finden könnt, wo Sünde der schlimmsten Art sehr nahe liegt, wo Religion am unrechten Orte sein würde, und wo Christus, euer Meister, nicht hinkommen würde, so habt ihr nicht gelernt, mit Ephraim zu sagen: „Was habe ich weiter mit den Götzen zu thun?“ Eilt hinweg von allem, was den kleinsten Sündenflecken an sich hat, und möge Gott euch helfen, so bis ans Ende zu thun. Ist dies, damit ihr selig werdet möchtet? Gott verhüte! Ich spreche nur zu euch, die ihr schon errettet seid. Wenn ihr dies nicht seid, so ist das erste, ein erneuertes Herz durch den Glauben an Christum Jesum zu haben, und danach legen wir euch keine Knechtschaft auf und fordern keine Taxe von euch als Pflicht, aber es wird eure Freude, eure Wonne, euer Vorrecht sein, nahe bei eurem Meister zu bleiben und zu sagen: „Was habe ich weiter mit Götzen zu thun?„ Gott segne euch um Christi willen. Amen.

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